Contents : Rosenheimer Anzeiger. 62. Jahrngang (62)

Aummer  s

 

6———————"

 

60  jährige  Bergmam  Johann  Riesmann,  ebenfalls
  Vater  von  sechs  Kindern;  der  pensionierte
  Bergmann  Aloys  Sirch  ist  nur  ungefährlich
  erkrankt.  Eine  Gerichtskommission  traf
zur  Aufnahme  des  Tatbestandes  am  Samstag
ein.  Die  Verhaftung  des  Händlers  Movern,
dessen  Schnapsbrennerei  nebst  den  gelsamten
Vorräten  und  Erzeugnissen  in  Beschlag  genommen
  wurde,  hat  bereits  statigefunden.

Grenziende.

Kufstein,  10.  Jan.  Durch  eine  Verordnung
der  Regierung  sind  in  Oesterreich  zu  Neujahr
einige  Mehlsorten  außerordentlich  starl,  z.  B.
Weizengrieß  und  Backmehl  gleich  um  die  Hälfte
im  Preise  erhöht  werden.  In  Niederösterreich
lostete  daraufhin  z.  B.  ein  Kilo  Weizengrieß
und  Backmehl  statt  78  Heller  1  Krone  20  Heller!
  Kochmehl  Nr.  1  kostete  statt  67  Heller
99  Heller,  Roggen=  und  Weizenbrotmehl  statt
48  Heller  53  Heller.  Auf  eindringliche  Vorstellungen
  verschiedener  Organisationen  hat  jetzt
die  Wiener  Regierung  neue  Vorschriften  erlassen.
  Darnach  wurde  die  Ausmahlung  in  folgender
  Weise  festgesetzt:  306  Grieß,  2205  Kochmehl
  Nr.  2,  57700  Brotmehl;  auf  Kleie  entfallen
  15%  und  30%  werden  auf  Verstaubung
gerechnet.  Im  Zusammenhange  damit  wurden
folgende  Preisansätze  für  je  100)  Kilogramm
bestimmt:  Brotmehl  42  Kronen,  Kochmehl
Nr.  2  58  Kronen,  Grich  80)  Kronen:  für  die
feineren  Mehle,  und  zwar  für  Kochmehl  Nr.  1
90  Kronen,  für  Backmehl  110  Kronen.  Die
auf  Grund  dieser  Verlaufspreise  der  Kriegsgetreideverkehrsanstalt
  von  den  politischen  Landesstellen
  durch  Verordnungen  festzusetzenden
Kleinverschleißpreise  haben  mit  dem  11.  Jannar
1916  in  Kraft  zu  treien.  Dadurch  ist  beim  Grieß
und  beim  Kochmehl  2  eine  namba#e  Verbilligung
  eingetreten  und  beim  Brotmehl  der  ursprüngliche
  Preis  wieder  hergestellt.  Somit  ist
also  die  Preisermäßigung  für  die  „Bollsmehle“
recht  beträchtlich,  während  die  feineren  Mehle
der  Verwöhnten  und  Vermögenden  begreiflicherweise
  nicht  der  gleichen  Preiserniedrigung  teilhaftig
  werden  konmen.  Voraussegung  der  neuen
Preisregelung  war  eine  entsprechende  Abänderung
  der  Mahlvorschriften  sowie  die  Uebernahme
  des  etwaigen  Ausfalles  —  die  Regierungsmitteilung
  spricht  von  „namhaften  Opsern“
  —  auf  den  TWaatscho  B.

Kufstein,  10.  Jan.  Vom  Schidsal  hart  verfolgt
  ist  die  Fam  lie  Gruber  vom  Schneiderhäusl
  in  Hinterthiersee.  Am  d.  Januar  siarb
im  Alter  von  300  Jahren  die  Gatun  und  Mutter,
  ihren  trauernden  Gatlen  mit  lieben  Kindern,
  von  denen  das  jüngste  erst  zwei  Wochen
alt  ist,  zurüdklassend.  Nun  muß  der  schwergeprüfte
  Mann  in  einigen  Tagen  einrücken.  Hossentlich
  finden  sich  mildtätige  Menschen,  die  sich
der  armen  Kleinen  annehmen.

Ke####““

 

 

Miesbach,  10.  Jan.  Einen  guten  Fang
machte  Schutzmann  Stadler.  Seil  September

1915  treibt  sich  in  unserem  Bezirte  ein  Deserteur
  namens  Weber  Anton  vom  10.  Rgl.  herum.
  Stadler  war  dem  Burschen  schon  lange
auf  der  Spur,  bis  ihn  gestern,  als  er  nach
München  sahren  wollte,  das  Schicksal  ereilte.
Bei  seiner  Verhaftung  fand  man  auch  einen
scharf  geladenen  Revolver.

Hrien,  10.  Jan.  Der  59  Jahre  alte  Dienstlnecht
  Franz  Jus  von  Gars  am  Inn  wurde
außerbalb  Nimsting  im  Walde  erhängt  auigefunden.
  Verschmähte  Liebe  soll  die  Ulrsache
zum  Selbstmord  gewesen  sein.

Prien,  10.  Jan.  Uelermorgen  feiert  Herr
Schreinermeister  Lorenz  Winkler  in  Prien  mit
seiner  Frau  Anna  die  filberne  Hochzeit.

Tittmoning.  10.  Jan.  Der  Stadtmagistrat
gestaltet  den  Mahhaiten  einer  Reihe  von  Nachbargemeinden
  Groß=  und  Kleinvieh  in  der  Freibank
  zu  schlachten  und  zu  verlaufen.  Der  Preis
muß  mindestens  um  10  Pfg.  für  das  Pfund
billiger  als  der  sonst  übliche  niedrigste  Verlaufspreis
  sein.

Traunstein,  10.  Jan.  Eine  Kriegsgedächtniskirche
  ist  auch  für  den  Chiemgan  geplant.
Der  Magistrat  hat  sich  bereits  in  seiner  letzten
Sitzung  damit  beschäftigt.  Es  wird  darüber
berichtet:  Von  dem  Diplom-  Ingenieur  Joses
  Angerer  dahier  wird  zugleich  im  Namen  mehrerer
  Bürger  die  Errichtung  einer  Kriegs-Gedächtnislirche
  für  den  Chiemgau  in  Traunstein
zur  dauernden  Ehrung  der  im  gegenwärtigen
Weltkriege  gefallenen  Helden  aus  dem  Chiemgau
  nach  vorgelegten  künttlerischen  Zeichnungen
(Umgestaltung  der  Kapelle  im  alten  Friedhofe
in  eine  Kriegsgedächtniskirchenanlage)  angeregt.
Von  Seite  der  kath.  Kirchenverwaltung  wird
im  Prinzip  gegen  das  Projekt  und  gegen  die
Benützung  des  Friedhofsgrundes  nach  Auflassung
  der  Gräber  keine  Einwendung  erhoben.
Das  Magistratskollegium  beschließt,  die  Verwirllichung
  dieses  pietätvollen  Projektes  zu  fördern
  und  es  zunächst  grundsätzlich  gutzuheißen,
sowie  sich  mit  ihm  im  allgemeinen  einverstanden
zu  erklären  unter  der  Voraussetzung,  daß  bezuglich
  der  olenten  Straßenanlage  dem  Baulinienplane
  Rechnung  getragen  wird.  Eine  endgültige
  Stellungnahme,  insbesondere  auch  in
#  rage  etwaiger  Zuschußleistung,  behält  si

agistratskpllegium  pis  zur  genaneren

 

truktion  des  Projeltes  vor.  Es  wird  dem  Gemeindekollegium
  zur  beschlußmäßigen  grundsätzlichen
  Stellungnahme  zugeleitet.

Trostberg,  10.  Jan.  Eine  besondere  Neujahrssreude
  haben  die  Banerischen  Stickstoff-Uerle
  den  Familien  der  ins  Feld  einberusenen
Arbeiter  gemacht.  Außer  den  laufenden  Unterstützungen
  zahlte  sie.  50  Mk.  für  die  Frau  des
Einberuenen  und  je  5  Mk.  für  jedes  Kind.
Verücksichtigt  sind  alle  Familien  der  ins  Feld
Einkerusenen,  deren  Zahl  sast  300  ist,  auch
Eltern  und  bedürftige  Anverwandte  unverheirateler
  Einkerufener.

K####nunten.

Sitzung  des  Nollegiums  der  Gemeines-Bevollmächtigten
  in  KRosenheim.
Mittwoch,  den  12.  Januar,  .
Tagesordnung:

1.  zr  ahl  der  Vorstandschaft  für  1916;

2.  Anschaffung  einer  Bügelmaschine  für  die

höhere  Mädchenschule;

Elat  der  Armenlasse  für  1916;

Geheime  Sitzung.

Fanrkeicktss
Seid  sparsamer!

Das  zweite.  Weihnachtssest  im  Weltkrieg  liegt
Dinter  uns.  Die  Erinnerung  an  das  erste  Weihnachtsofest
  ist  wieder  wach  geuorden  und  damit
  die  Erinnerung  an  eine  Zeit,  in  der  viele,
jehr  viele  mit  roller  Berechtigung  sorgenvoll
in  die  Zuiunft  sahen.  Denn  danials  war  unsere
  Kriegsernäbrung  noch  nicht  in  dem  Masee
üclergestellt,  wie  heute.  Inzwischen  isi  und  die
Ernisert  geworden,  das  mir  diesen  Krieg  auf

em  Geliele  der  Ernäh  rung  durchhalten  kön
neu,  wen  wir  sparsam  sind,  vom  Brot  angesangen,
  bi?  zu  allen  übrigen  Nahrungsmit—
teln.  Es  scheint  aber  satt.  als  ob  man  in  weiten
  Kreisen  dieles  „Wein“  vergeien  lat.  Wer
im  vorigen  Jakr  glaubte.  7½  der  Kuchen
aus  den  deutschen  Häusern  verschwinden  würde,
wer  ermartet  hat,  daß  mit  den  fleischlosen  Tagen
  der  Fleischverbrauch  wesentlich  abnehmen
werde,  scheint  sich  geirrt  zu  haven.  Wir  haben
es  erlert,  daß  die  Verbraucher  massenhaft  sich
am  Abend  vor  dem  kleischlosen  Tage  mit  Fleisch
versorgten,  und  es  gibt  keine  Konditorei,  leine
Bäckerei  in  den  großen  Städten,  in  der  nicht
Kuchen  und  füße  Waren  in  den  größften  Mengen
  zum  Verlause  stünden.  Die  Verantwortung
scheint  auf  den  „Slaat“  und  die  „Polizei“  abgew
  älzt  zu  sein,  und  der  Verlr  raucher  vergißt,
daß  alle  staatliche  Regelung  letzien  Endes  vergellich
  ist,  menn  er  nicht  jelbst  mit  eisernem
Willen  und  starler  Opsermilligteit  das  Seinige
beiträgt.  Vielfach  haben  die  Verbraucher  vergessen,
  daß  die  Brotration,  welche  doch  lediglich
  als  oberste  Verbrauchsgrenze  gedacht  ist.
teineswegs  für  den  Einzelnen  die  moralische
Erlanknis  bedeutet,  nun  latsächlich  so  viel  Brot
zu  essen,  wie  er  auf  die  Brotlarte  laufen  iann.
Gerade,  weil  auf  diesem  Gebiete  dem  Cinzelnen
eine  ihm  zukommende  Nabrungsmenge  vom
Staate  gewäl.  rleisiet  wird,  darf  nicht  vergessen
wWerden,  daß  das  Gekot  sreiu  illiger  Spariamleit
  und  freiwilliger  Beschränkung  hierdurch
durchaus  nicht  aufgeholen  wird,  sondern  daß
es  hach  m#ier  vor  raterländische  Pflicht  des  Einrelnen
  ist,  nur  so  menig  Brot  zu  verbrauchen,
wie  es  ihm  irgend  möglich  ist  und  mit  sirenger
Selb#tzucht  Ersparnisse  an  seiner  Brotkarle  vorzunehmen.
  Diese  Pflicht  muß  Leute  von  neuem
letont  7  ringesch  ärft  werden.  Wenn  wir  und
an  der  Schwelle  des  neuen  Jahres  fragen,  was
mir  sell#t  r*.  haben,  um  den  Auskungerungsplan
  unserer  Feinde  zunichte  zu  machen,  dann
werden  wir  sagen:  „es  muß  anders  nerden  als
in  letzter  Zeit!“  Diese  Einsicht  tut  uns  bitter
not,  denn  mit  ihr  steht  viel,  sehr  viel  auf  dem
Spiele.

 

53

 

su-Rosenheim,
  11.  Januar.
Auf  dem  Felde  der  Ehre  gefallen:
Alfono  Reiter,  Sanitäts-Bizeseldwebel  aus
Haslach  bei  Traunstein;  Franz  Taver  Bachmaier
  aus  Traunstein,  Erziehungssohn  von  Joh.
und  Marg.  Oeggl  in  Traunstein,  Soldat  im
Landwehr-Inf.-Rgt.

Auszeichnungen  im  Felde.  Der  Obermonteur
  Josef  Simon  der  Maschinenfabrik
Martin  Beilhack  in  Rosenheim,  welcher  im  1.
Fus.  Art.-Ngt.  steht,  ist  mit  dem  Eisernen  Kreuz
2.  Klasse  ausyegeichnet  worden;  das  Militärverdiensilreuz
  3.  Klasse  mit  der  Krone  und  mit
Schwertern  wurde  ihm  früher  schon  vrliehen.
Der  Dienstknecht  Jaiob  Moser,  Sohn  d  es  Lokomotioheizers
  Jakob  Schamböck  in  Rosenheim,
welcher  als  Patrouillenführer  im  k.  k.  3.  Landesschützen-Regiment
  steht,  wurde  mit  der  silbernen
  Tapferkeitsmedaille  2.  Klasse  ausgezeichnet;
  sein  Bruder  Josef  Schamböck  stand  im
16.  Inf.-Rgt.,  wird  aber  bereits  seit  dem  26.
August  1914  vermißt.  Dem  Gefreiten  Simon
Brandmaier,  bis  vor  kurzem  Staats-Strahenwärter
  in  Prutting,  dann  in  Ampfing,  wurde
das  Eiserne  Kreuz  2.  Klasse  verliehen;  noch
zwei  seiner  Brüder,  die  Staats-  Straßenwärter
in  Wasserburg  sind,  stehen  im  Felde;  der  Vatex
  ist  ein  M  pe  von  1870/71,

durch

 

Siegesfeier  in  der  Schule.  Zur  Feier
der  Säuberung  von  Gallipoli  und  der  damit
ersolgreich  abgeschlossenen,  denkwürdigen  und
heldenmütigen  Verteidigung  der  Dardanellen
die  verbündeten  tapferen  osmanischen
Streitkräste  sowie  auch  zugleich  zum  Gedenken
an  die  demnächst  bevorstehende  militärisch  und
wirtschaftlich  bedeutsame  Wiedereröffnung  des
Bahnverkehrs  nach  dem  Ballan  ist  vom  Kuiluoministerium
  die  Freigabe  des  Unterrichts  für
sänitliche  Schulen  auf  einen  Tag  verfügt  worden.

Beflaggung.  Anläßlich  der  Vertreibung
der  Engländer  von  Gallipoli  ist  die  Beflaggung
  der  staatlichen  Gebäude  angeordnet  worden.
  Auch  militärischerseils  ist  wegen  der  voil-Üändigen
  Näumung  der  Halbinsel  Gallipoli  vom

Feinde  für  Montag  und  Dienstag  beflaggt

worden.  Sehr  zu  begrüßen  wäre  es  gewesen,

wenn  auch  die  Gesamteinuohnerschaft  diesem
Beispiel  gesolgt  wäre.

Leider  sind  aber  in
Rosenheim  nur  menige  Häuser  beflaggt.  Warum
  wohl?  Hält  man  die  Vertreibung  der
Engländer  und  Franzosen  von  Gallipoli  nicht
für  einen  so  großen  Eriolg,  daß  er  der  Beflaggung
  würdig  wäre?  Schon  allein  die
Freude  an  dem  türlischen  Erfolg  und  die  Sympathie
  für  unsere  osmanischen  Verbündeten
hätten  alle  veranlassen  müssen,  die  Fahnen  aufzuziellen.
  Auch  das  Kultueministerium  hat  der
gesamten  Schulsugend  zur  Feier  des  Sieges
einen  schulfreien  Tag  gegeben.  Heute  um  12
Uhr  millags  erllang  auch  Sieges  geläute  von
den  Kirchen  der  Stadt.  Der  Erfolg  auf  Gallipoli
  i##l  also  ein  voller  Sieg,  der  verdient  hätte,
daß  alle  Häuser  beflaggt  worden  wären.

An  den  Posischaltern  wird  eine  vom
Vanerischen  Landeskomitee  für  jreiwillige  Kranleupflege
  im  Kriege  ausgegetene  Kriegslarte,
die  mit  dem  Fünspfennig=  Wertstempsel  bedruckt
isi,  für  10  Vig.  verlaujt.  Den  Ueberschuß  von
:  Pig.  für  jede  algesetzte  Karte  erhält  das
Roͤtle  ar  zur  Förderung  seiner  segensreichen
Ausgaben.

Katholisches  Kasino.  In  der  sehr
itarl  bejuchten  Veriammlong  am  Sonntag  bielt
das  Ebrenmitglied  H.  Pfarrer  Nappoiler
vomn  Endorf  einen  dodinshressaln  Vortrag  mit
dem  Thema  „Wir  Katholilen  und  der  Krieg“.
Meisterhaft  verstand  es  Redner,  mil  seinen  klafren
  Ansführungen  und  Schlußfolgerungen  die
aufmerlsamen  Zuhörer  zu  sesseln.  Reicher  Beisall
  und  Dank  solgte  dem  schönen  Vortrag.
Anichließend  an  die  Rede  gab  es  Kriegogedichte
und  Gratulation  zum  König-Ludwig-Kreuz.
serner  zum  lommenden  Ramensseste  des  Vorsitzenden,
  Herrn  Abgeordneten  NRuedorffer.  Dem
lürzlich  verstorbenen  langjährigen  eifrigen  Mitglied
  Herrn  Malermeister  Strobl  wurde  ein
elrender  Nachruf  gewidmet.  Nasch  verflogen  die
Stunden  in  geselligem  Beisammensein.  Die
übliche  Bücherverlosung  brachte  den  Schluß  der
anregenden  Versammlung.

Katholischer  Frauenbund.  So  viel
Mitglieder  und  liebe  Gäste,  als  das  Vereinslolal
  nur  fassen  lonnte,  waren  gestern  dem  Rufe
des  lalh.  Frauenbundes  gesolgt,  und  wahrlich,
ihre  Erwartungen  wurden  nicht  geläuschl.  Nachem
  der  Vorsigende  die  Erschiencnen  begrüßt
lalte,  fülrte  H.  H.  Chorregent  M.  Haider
den  Anmesenden  in  rührenden  und  erhebenden
Bildern  deutsche  Heldenfrauen  der  Vergangenlieit
  und  Gegenwart  vor  Augen,  so  wie  sie
uns  slets  Zzum  leuchtenden  Beispiel  dienen.  Das
angelorene  Heldentum  zeigt  sich  schon  in  den
germaniichen  Frauen;  sie  führten  zmar  nicht
selbsti  die  Streitart,  solgten  aber,  wenn  deutsche
Schwerter  sich  mit  seindlichen  kreuzten,  ihren
Männern  und  feuerten  sie  von  der  Wagenburg
aus  zum  Kampfe  an.  Heute  ilehen  die  Frauen
nicht  mehr  hinter  der  Front,  aber  der  Mut
lebt  noch  und  hat  seine  Früchte  in  der  Heimat
gezeitigt.  Die  doppelte  Arbeitslast,  die  seit
Kriegsausbruch  auf  den  Schultern  der  Frauen
lastel,  hat  mancher  von  ihnen  bereits  „Gesundheit,
  ja  das  Leden  gelostet;  auch  ein  Opfertod
fürs  Vaterland.  Dann  die  stetige  nagende
Sorge  um  die  fernen  Lieben  im  Felde,  die  jede
Schwungkraft  lähmt.  Die  Frauen  aller  Stände
haben  nun  auch  diesen  schweren  Schützengrabenlampf
  in  der  Heimat  bestanden.  Aber  nicht  nur
auf  diese  beschränkt  sich  ihr  Wirken,  nein,  ihre
Tätigkeit  reicht  hinaus  in  das  Feindesland.
Beispiel:  Die  Kaiser-Wilhelmspende  von  Mk.
4300,000,  die  deutsche  Frauen  für  Verwundete
und  Gefallene  gestiftel.  Ungezählte  Liebesgaben
  von  Frauenhand  wandern  täglich  ins
Feld.  Mit  erstaunlichem  Mute  segtzten  sich
Frauen  großen  Gefahren  an  der  feindlichen
Grenze  aus.  Das  goldene  Ruhmesblatt  in  der
Kriegsgeschichte  aber  bildet  die  caritative  Tätigleit.
  An  den  Bahnhöfen,  in  der  Fürsorge
für  die  Hinterbliebenen,  in  den  Lazaretten:
überall  finden  wir  Frauen.  Ihre  Heldengröße
hat  manche  sogar  an  die  Front  getrieben  als
freiwillige  Krankenpflegerin.  (Der  Ausspruch
des  Heilandes:  „Eine  Kröheere  Liebe  hat  niemand,
  als  daß  er  sein  Leben  hingibt  für  seine
Keunen  hat  sich  an  unseren  Getreuen  im  Felde
bewährt.)  Nicht  geringeren  Opfermut  zeigt  die
Frau,  die  ihren  Gatten,  die  Mutter,  die  ihren
einzigen  Sohn  dem  Vaterlande  schenkt.  Glückliches
  Volk,  das  solche  Mütter  wie  unsere  besitzt!
  Es  wäre  aber  das  Bild  der  beldenfrauen
nicht  vollständig,  wollten  wir  nicht  derjenigen
Ke  die  trotz  Entbehrungen  und  Ansteknasgefahr

  am  merzenslager  unserer  Ver- 



wundeten  aushalten,  unsere  kath.  Ordensschwestern.
  „Deutschland,  küsse  den  Saum  ihrer  Gewänder;
  sie  sind  in  den  Kriegen  deine  Engel!“
sagt  Detlev  v.  Lilienkron.  Wenn  es  heißt,  daß
es  eine  Freude  ist,  unsere  Tapferen  im  5
zu  sehen,  so  gilt  dies  nicht  weniger  von  #n
deutschen  Frauen,  was  selbst  der  Kaiser  bestätigt
  mit  dem  Ausspruch:  „Das  Vaterland  ist
stolz  auf  seine  Frauen.“  Möchten  besonders
diejenigen,  welche  dem  kalh.  Frauenbunde  angehören,
  diesen  Heldenfrauen  durch  Opfersinn
allzeit  würdig  an  die  Seile  gestellt  werden.
„Wir  waren  auch  mit  dabei“,  können  sie  dann
mit  dem  Sänger  der  deutschen  *2
sagen.  Der  Dank  des  Herm  geistlichen  Beirates
  an  den  Reserenten  lang  aus  in  einen
tiesanpfundenen  Glückwunsch  des  kath.  Frauen-Lundcs,
  der  dem  Vorstandsmilglied  Frau  Konrektor
  Wiemeyer  zuteil  wurde,  anläßlich  der
allerhöchsten  Auszeichnung  mit  dem  König-Ludwig-Krenz,
  die  wohl  als  eine  Ehrung  des
ganzen  Frauenbundes  betrachtet  werden  darf.
Die  Anwesenden  gaben  ihre  Anteilnahme  durch
Erhekung  von  den  Sitzen  kund.  Die  weihevolle
Stimmung  wurde  hierauf  noch  erhöht  durch  ein
von  drei  Mitgliedern  der  Ilgendableilung  vor  ·
getragenes  Weihnachtsliel.  Nach  kurzer  Pause
verlas  H.  H.  Geistl.  Rat  einen  interessanten
Bericht  über  die  feierliche  Eröffnung  der  Generalversammlung
  des  lath.  Frauenbundes  am
6.  Jannar  im  Reichstagsgebäude  zu  Berlin.
Hiemit  sand  das  eigentliche  Programm  der
Versammlung  seinen  Abschluß.

Ein  Beispiel  rührenden  Opfersinnes,
  das  manchen  wohlhabenden  Deutschen
beschämen  und  zu  vaterländischen  und  menschen
sreundlichen  Werlen  aneisern  müßte,  gab  ein
aus  Franlenthal  zum  Lamsturm  einberufener
Friseur,  Losef  Fsinger.  Er  wurde  selddienst.
untanglich,  meldete  sich  freiwillig  zum  Arbeits
dienst  und  arbeitete  in  einer  Fabrik  für  Hee
reslieserungen,  bio  er  schwer  erlranlte.  Nun
hat  er  sein  Kranlengeld  dem  Roten  Kreuz  und
seinen  Lisherigen  Verdienst  in  der  Fabrik,  ei
nen  Belrag  von  239  Ml.,  seinem  Generallom
mando  zur  Unkerst  ützung  von  Kriegsbeschädigten
  oder  ihrer  Angehörigen  u#erwiesen  mit  der
Bemerkung,  daß  er  seinen  Lebensunterhalt  aus
eigenen  Mitteln  bestreite  und  sich  inimer  sreue.
„sür  unsere  Tapferen  was  tun  zu  können“.

Ein  Juhiläum  ganz  seltener  Art  kann
heute  die  Witwe  des  Oberlolomotivführers
Franz  Miller,  Frau  Babelle  Miller,  Hofmann
straße  2,  begellen.  Heute  sind  50  Jahre  verlossen,
  seitdem  sie  im  gleichen  Hause  wohnt.
Gewiß  eine  Seltenheit  in  unserer  namentlich
auf  dem  Wohnungemarkt  so  wechselvollen  Zeit!
Frau  Miller  hat  in  dieser  Wohnung  nicht  nur
die  Kriege  von  1866  und  1870/71,  sondern
auch  den  großen  Weltkrieg  1914,16  erlebt.  Die
Jubilarin  gehört  schon  eine  lange  Reihe  50.1
Jahren  zu  den  Abonnenten  des  „Rosenheime:
Anzeiger“.  Möge  sie  noch  viele  glückliche  Stun.
den  in  ihrem  Heime  erleben!

Ueber  die  Vierpreiserhöhung  läht
sich  die  „M.  P.“  aus  Nosenheim  schreiben:
Die  Bierpreigerhöhung  hat  unn  auch  in  unserer
Stadt  eingesetzt.  Die  vom  Braukapital  für
den  15.  Dezember  1915  vorgesehene  Erhöhung
ist  nach  Einverneht.  ien  mit  dem  Stadtmagistrat
am  1.  Jannar  1916  in  Kraft  getreten.  So
wurde  die  Erhöhung  öfsenklich  verlündet.  In
Wirklichkeit  mühte  es  laulen:  Magistrat  und
Preierrüzungsstelle  sind  vor  dem  mächtigen

Vrautapital  zusammengelnict.  In  der  Sitzung
vom  16.  Dezember  wurde  noch  beschlallen,  die
Notkentigien  einer  Erhöhung  sei  nicht  bewie
sen,  auch  müsse  erst  der  „Gehalt  der  Stamm.
würze  festgelegt  werden.  Die  letzte  Sitzung  vom
29.  Dezember  wurde  kurzerhand  agesagt,  so  daß
nicht  mehr  darüber  verhandelt  und  gesprochen
werden  konnte.  Jegt  kostet  der  Liter  dunlles
Bier  34  Pfg.,  der  Viters  helles  36  Pfg.  Daber
brauchen  die  Brauereibesiter  den  Stammwmürz.
gehalt  weder  anzugeben  noch  nachzuweisen.  Die
biesigen  Brauereien  haben  hier  nicht  den  hohen
Vieraufschlag  wie  in  München  zu  entrichten,  wodurch

  sie  schon  2  Pfg.  ertra  gewinnen.  Die
Stammwürze  beträgt  durchschnittlich  nicht  eim
mal  900.,  Das  bringt  den  Brauereien  wieder
einen  Gewinn  von  2  Pfg.  am  Liter.  Dabei  i#
nicht  zu  vergessen,  daß  die  jetzt  verzapften  Biere
schon  sertig  waren,  also  keinen  Pfennig  an
Mehrausgaben  beim  Einlauf  der  Rohprodukte
verursachten.  Trotzdem  holt  man  sich  aus  den
Taschen  des  Volkes  ansehnliche  Gewinne  heraus
ohne  die  geringste  Gegenleistung.  ie  Erbitterung
  der  Konsumenten  ist  groß.  Die  “
nisse  werden  unhaltbar.  Die  ganze  Preisprü
fungsstelle  ist  zum  Gespölt  der  Oeffentlichkeil
geworden.

Eine  billige  Bierquelle  soll  von  de
nächslen  Ta  een  ab  in  Nosenheim  fließen.  E#
ist  die  im  Wintergarten  des  Hotels  „Deutsches
Haus“  zurhne  „Kriegs-Kantine",  in  welche
das  Bier  um  30  Pfg.  für  den  Liter  ausg
schänkt  wird.  Es  muß  also  doch  noch  billig
Bier  geben.  Auch  kann  die  Bierknappheit  ni
so  groß  sein,  wie  es  sonst  gewöhnlich  hei
denn  sonst  würde  sich  die  betreffende  Brau
sicherlich  hüten,  das  Bier  billiger  abzuge
Am  meisten  werden  sich  die  Biertrinker  seen  7
vorausgese  W  daß  das  billige  Bier  auch  gu
Ob  auch  Bräuer  und  *  über  die
Bierguelle  Fr  6m—  ad  ,