Contents : Der Fehlspruch von Versailles.

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reich  sich  im  Laufe  der  Geschichte  stark  genug  dazu  fühlte,  hat  es  den
Versuch  gemacht,  sich  die  Vorherrschaft  über  die  ganze  Welt  anzumaßen.
Jetzt  gibt  ihm  die  Entente  cordiale  mit  England  den  Mut  dazu.“

In  England  gewöhnte  sich  das  Volk  mehr  und  mehr  daran,  die  internationalen
  Fragen  ‚als  ausschließliche  Domäne  König  Eduards  zu  betrachten,
  dessen  tiefen  politischen  Sinn  und  erfolgreiche  Staatskunst
es  mit  Recht  bewunderte‘““.  Die  von  ihm  herbeigeführte  Monarchenbegegnung
  in  Cartagena  am  8.  April  diente  nach  belgischem  Urteil
dem  Zwecke,  ‚den  deutschen  Einfluß  in  Madrid  möglichst  zu  schwächen‘).
Befürchtete  auch  das  konservative  Kabinett  in  Spanien,  durch  den  Besuch
  des  englischen  Königs  in  der  marokkanischen  Angelegenheit  weiter.
festgelegt  zu  werden,  als  ihm  lieb  sei,  so  wurde  doch  Englands  Vorteil
hierbei  wiederum  aufs  beste  gewahrt.  ‚Niemand  könnte  darüber  erstaunen,
den  König  Eduard  mit  Schaffung  einer  Allianz  der  iberischen  Länder
beschäftigt  zu  sehen,  die  doch  eine  Verlängerung  des  befreundeten  Frankreichs
  bilden“,  heißt  es  in  einem  Madrider  Bericht  vom  8.  April  19072).

Der  Auffassung,  als  sei  der  englische  Königsbesuch  ein  reiner  Höflichkeitsakt
  gewesen,  widerspricht  ein  Madrider  Bericht  vom  16.  April
energisch?):  „Diese  Behauptung  stimmt  schlecht  mit  der  Aufeinanderfolge
der  Tatsachen  überein.  Gestern  war  es  die  Schaffung  eines  Oberbefehls
der  britischen  Streitkräfte  im  Mirtelmeer,  der  dem  Herzoge  von  Connaught,
dem  Bruder  des  Königs  übertragen  wurde,  morgen  wird  es  die  Begegnung
von  Ga£ta  sein.  Schließlich  zeigt  sich  auf  englischer  Seite  allzu  deutlich
eine  gewisse  Genugtuung,  als  daß  diese  Begegnung  von  Cartagena
nicht  den  in  sie  gesetzten  Hoffnungen  entsprochen  haben  sollte.“  Greindl
aber  meint  am  18.  April®):  „Wie  der  Bündnisvertrag  mit  Japan,  die  Entente
  cordiale  mit  Frankreich,  die  mit  Rußland  schwebenden  Verhandlungen,
  so  ist  der  Besuch  des  Königs  von  England  beim  Könige  von
Spanien  ein  Manöver  in  dem  von  Seiner  Majestät  Eduard  VII.  persönlich
  mit  ebensoviel  Ausdauer  wie  Erfolg  geleiteten  Feldzuge  zur  Isolierung
Deutschlands...  Dieser  Eifer,  Mächte,  die  niemand  bedroht,  angeblich
  zu  Verteidigungszwecken  zu  einigen,  kann  mit  vollem  Rechte  verdächtig
  erscheinen.  Man  kann  in  Berlin  das  vom  Könige  von  England
Herrn  Delcasse  gemachte  Angebot  von  100000  Mann  nicht  vergessen.
Wir  selbst  haben  die  seltsamen  Eröffnungen  des  Obersten  Barnardiston
an  General  Ducarne  zu  verzeichnen,  und  wer  weiß,  ob  es  nicht  noch
andere  ähnliche  Intrigen  gegeben  hat,  die  nicht  zu  unserer  Kenntnis
gekommen  sind.“

Als  Baron  Greindl  diese  Zeilen  schrieb,  stand  er  unter  dem  Eindrucke
der  gerade  eben  —  am  10.  April  —  erfolgten  Zusammenkunft  des  Königs
Eduard  mit  dem  Könige  Victor  Emanuel  zu  Ga&@ta.  Greindl  versteht  es,
daß  Italien  trotz  seiner  Zugehörigkeit  zum  Dreibunde  mit  England  und

!)  London,  12.  April  1907,  belg.  Akt.  Nr.  28.
2)  Bd.  II,  S.  151  ff.

8)  Bd.  Il,  S.  153/154.

*)  Belg.  Akt.  Nr.  29.

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