Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 2. (2)

232 Gefahr der Verstimmung Napoleons. Vothschild. Vastatt. 
Wenn wir dagegen Frankreichs dermalige Werbungen um uns ablehnen, wenn wir 
namentlich dem in Paris fast zum Bedürfnis gewordenen Wunsch eines Susommentreffens 
der Monarchen, eines Besuchs bei uns unerfüllt lassen, so wird der Kaiser Aa#poleon den 
Grund unseres Verhaltens nicht in politischen CErwägungen, sondern in seiner Person suchen, 
und die Empfindlichkeit darüber kann nicht anders als auf die gegenseitigen Bejiehungen 
mrückewirken. Es kann ohne Sweifel auch eine golche Gestaltung der preußischen Politik 
gedacht werden, die es mit sich bringt, auf kühlem Fuße mit Srankreich zu stehen, wenn sich 
auch sichere Unterlagen für eine solche in der augenblicklichen Lage Europas nicht er- 
kennen lassen. Solange aber eine solche Politik nicht entschieden von uns adoptiert ist, dürfte 
es sich unter allen Gesichtspunkten empfehlen, unseren Beziehungen zu Grankreich jede 
Dflege angedeiben zu lassen, welcher nicht unabweisliche Rücksichten entgegenstehen. 
254. Vericht vom o. Juni 1857 an Minister v. Manteuffel, betr. die 
Erböhung der Sirkulationsfähigkeit der preußischen Staatspapiere in Süd- 
deutschland. — Vgl. Poschinger III, Nr. 65. Dort ist S. 114 Seile 7 des Be- 
richts binter „zurückkktommen“ einzuschalten: „indem er darin bervorhebt, wie 
er der von der Kgl. Bank übernommenen Anleihe von 1856 nicht nur Eingang 
in Süddeutschland verschafft, sondern auch den Absatz von 7 Millionen Talern 
vermittelt habe. Daß Herr von Nothschild sich die Ausführung des von der 
Kgl. Bank ihm erteilten Auftrages bat angelegen sein lassen, ist mir auch ander- 
weit bekannt geworden, indem er, wenn er wegen Unterbringung von Kapi- 
talien konjultiert wurde, diese Anleihe vielfach empfohlen hat. Vamentlich ist 
dies in bezug auf bedeutende Bermögensanteile der Kgl. baperischen und Gr. 
badischen Samilie der Fall gewesen. Ist dem Haufe Notbschild für die 4½pro- 
jentigen Anleihen von 1850 und 1852, weil es für deren Vertreibung tätig ge- 
wesen, die Einlösung der Zinskupons zugestanden worden, so dürfte jener Grund 
auch bei den Anleiben von 1856 vorliegen. Auch für die Abnehmer scheint es 
billig, daß ihnen die Erbebung der Zinsen erleichtert wird. Es rechnen aber 
auch diejenigen, welche hier bei Rothschild Kopitalien übernommen haben, wie 
mir bekannt ist, darauf, auch schon vom 1. Juli c. ihre Zinsen auf diesem Wege 
erheben zu können.“ 
235. Vertrauliches Schreiben an Minister v. Manteuffel. 
(Ansfertigung.) 
17. Juni 1857. 
Graf Rechberg hat mir vertraulich mitgeteilt, daß der österreichisch-badische Antrag) 
wegen der Besatzung von Nastatt in der morgen stattfindenden Sitzung werde eingebracht 
werden, wenn ihm bis dahin nicht noch anderweitige Weisungen mugingen. Er 
sprach sich dabei mit Bitterkeit über die Einmischung fremder MNächte, nament- 
lich Frankreichs aus, und erging sich in Schilderungen aller Übel, welche für Deutschland, 
und namentlich für Preuhen, aus derselben folgen könnten. Ich gab die Möglichkeit bier- 
von zu, konnte aber nicht den Schluß daraus nichen, daß Preußen sich einem ieden von 
Ofterreich einfeitig gestellten Verlangen zu fügen habe, sondern vielmehr denjenigen, daß 
1) Vgl. Ar. 238.