III. Die Intervention in Frankreich. 305
Unruhen an? Bekämpfte es nicht eben die Ideen, denen es
selbst sein Gedeihen verdankte?
Angesichts des nahen Krieges war die Wahl des neuen
Reichsoberhaupts ungewöhnlich schnell und einmütig geschehen.
Bereits am 5. Juli wurde Franz II. in Frankfurt zum Kaiser
gewählt; am 14. empfing er die Krönung. Dann traf er in
Mainz mit dem preußischen König zusammen, und um sie ver-
einigte sich ein glänzender Kreis von Fürsten und Großen, die
als Gäste des Kurfürsten Karl Friedrich von Erthal von einer
prunkenden Festlichkeit zur anderen eilten, während ihre Minister
bereits berieten, was nach dem Siege geschehen sollte. Dabei
handelte es sich namentlich um die den Rettern der Monarchie
zuzubilligende Entschädigung. Preußen blickte wieder nach Polen,
Oesterreich, für das erst Elsaß und Lothringen, dann das fran-
zösische Flandern und Hennegau in Aussicht genommen war,
glaubte jetzt Belgien gegen Bayern tauschen zu können, und
wollte, da es sich so zwar arrondiere, aber für das Aufgegebene
doch nicht vollen Ersatz erhalte, Ansbach und Bayreuth zugelegt
haben. Daß Preußen das nicht einfach abwics, sondern seine
Hilfe zur Erlangung Bayerns zusagte, war kein geringer Er-
folg der österreichischen Politik. So hatte in dem Moment,
wo es gegen Frankreich zu schlagen galt, Oesterreich Bayern
und Preußen Polen im Auge, und da dieses von der Abtretung
der fränkischen Fürstentümer nichts hören wollte, suchte jenes
einen anderen Weg, um die Gleichheit des beiderseitigen Ge-
winnes herzustellen.
Gewiß war nur eines: Rußland erhielt im Osten ganz
freie Hand. Seit Anfang des Jahres 1792 des türkischen
Krieges entledigt und durch die Verwickelung im Westen vor
Oesterreich und Preußen sicher, durfte Katharina II. ihre pol-
nischen Pläne jetzt zu verwirklichen hoffen. Ihre Anhänger,
die Gegner der Verfassung vom 3. Mai 1791, einigte sie in
der Konföderation in Targowicze. Ihre Truppen rangen die
nationale Opposition nieder. Am 14. Juli 1792 ging Oester-
reich, am 7. August Preußen ein Defensivbündnis mit ihr ein
zur Aufrechterhaltung der alten Ordnung in Polen. Während
ihre Verbündeten sich im Westen auf Kosten Frankreichs ver-
Prutz, Preußische Geschichte. III. 20