194 Geschichtl. Entwickelung d. internat. Rechts-- u. Staatsbeziehungen rc.
Stehe den Triumphgesang Deborah's (IV—V) worin der Meuchelmorb am
Feinde verherrlicht wird.
5) So läßt es sich erklären, warum David's Gesandte von dem Ammoniterkönig
Hanum als Kundschafter angesehen und beschimpft wurden. (Maspero a. a. O.
S. 315.)
6) Maspero (a a. O.) S. 317.
7) Siehe die Nachweisungen bei Movers, Phönicier Bd. II, W. 2, S. 427.
— Maspero (a. a. O.) S. 298.
8) Von Maspero werden die Philister für eingewanderte, von Kreta herübergekommene
Pelasger gehalten, die nach ihrer Niederlaffung Sprache und Sitten
der einheimischen Semitischen Urbevölkerung angenommen hätten.
48.
Das Israelitische Volksthum und das alte Testament.
Literatur: Ewald, Die Propheten des alten Bundes. 2. Aufl. Bd. I. 1867.
— C. Twesten, Die religiösen, politischen und socialen Ideen der Astatischen
Culturvölker und der Aegypter. I. Bd. 1872. — F. Lenormant, Les origines
de histoire d'après la bible et les traditions des peuples orientaux
2. vol. Paris 1884. — Müller-Jochmus, Geschichte des Völkerrechts im
Alterthum S. 58 ff.
In demselben Maße, wie die politisch nationale Grundlage des jüdischen
Staatswesens durch siegreiche Feinde erschüttert ward und zahlreiche Israeliten,
freiwillig oder gezwungen, von Palästina aus, zunächst über Nordafrica, Syrien,
Kleinasien und die Euphratländer, späterhin über Europa zerstreut wurden,
wuchs die innere Macht der von den Propheten verkündeten messianischen
Idee, die als Wiederherstellung einheitlicher königlicher Macht mit ihrem
Mittelpunkte in Jerusalem aufgefaßt wurde. Unvermeidlich war dabei jedoch
die gleichzeitige Abschwächung der alten Gottesvorstellungen, nachdem man im
Exil und in der Diaspora wahrgenommen, daß monotheistische Jdeen auch anderwärts,
insbesondere unter dem Einfluß Griechischer Philosophie Bestand gewonnen
hatten, zumal nach der Zerstörung des Tempels die Verehrung Jehovahs
ihre ehemalige örtliche Basis verloren hatte. Gerade in zunehmender
Zerstreuung concentrirte sich das jüdische Volk religiös und gesellschaftlich. Der
Gegensatz, in den es gegen andere staatlich organifirte Nationen gerieth, hörte
auf ein politisch -theokratischer zu sein. An seine Stelle trat ein gesellschaftlicher
Gegensatz, wurzelnd in der Üüberall bewährten Anhänglichkeit an ein
heilig gehaltenes Schriftthum, zu dessen eigenartiger, welthistorischer Bedeutung
es gehörte, daß ein vermeintlich vorstaatlicher Gesetzgebungsact Moses, nachdem
er auf mannigfachste Weise während des Bestandes eines nationalen
Staatswesens erschüttert und verletzt worden war, als nachstaatliches Gesetz
in der ihm schließlich gegen das Jahr 600 v. Chr. gewordenen endgültigen