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Es ward mir folgendes berichtet: Der zehnjährige wilde Knabe
hatte trotz des Verbotes einen Kahn bestiegen, der auf einem tiefen
Teich im Garten lag, und hatte, wie Kinder es gern tun, darin so
lange geschaukelt, bis der Kahn umgeschlagen und der Knabe ins
Wasser gefallen war. Ein Gärtner, der in der Nähe arbeitete, war
sogleich in den Teich gesprungen; doch war es ihm erst nach zehn
Minuten gelungen, den Knaben vom Grunde des Teiches heraufzuholen.
Als die Mutter herankam und den Knaben totenblaß und
leblos auf dem Rasen am Rande des Teiches hingestreckt liegen
sah, gab sie sich der wildesten Verzweiflung hin. Der Ruf nach
ärztlicher Hilfe war natürlich für den Augenblick vergeblich. Die
Bewohner des Gutes eilten von allen Seiten herbei, unter ihnen
ein alter Schöfer, der in dem Rufe stand, allerlei ärztliche Kenntnisse
zu besitzen. Dieser machte auch sogleich Vorschläge zu Wiederbelebungsversuchen:
er riet, das Kind bei den Beinen in die Höhe
zu nehmen und mit dem Kopfe nach unten so lange zu schütteln,
bis das Wasser aus dem Körper wieder entfernt sei; dann aber
müsse man den Knaben so lange reiben, bis die Wärme wiederkehre,
und wenn dadurch das Leben nicht zurückgerufen werde, sei
alle Hilse vergebens.
Da trat eine junge Dame, die erst seit wenigen Wochen als
Erzieherin im Hause war, vor und erhob bescheiden, aber mit großer
Bestimmtheit Einspruch gegen die vorgeschlagenen Maßregeln. Sie
habe erst vor kurzem an dem Unterrichte in einer Samariterschule
teilgenommen und dort gelernt, wie man sich bei Rettungsversuchen
an scheinbar Ertrunkenen zu verhalten habe. Das, was der Schäfer
vorgeschlagen, sei durchaus nicht zwecknäßig. Wenn man ihr gestatten
wolle, das Erlernte hier anzuwenden, so hoffe sie, daß
es noch möglich sei, den Knaben ins Leben zurückzurufen. Die
Ruhe und Zuversicht, mit der das junge Mädchen gesprochen hatte,
flößten der verzweifelten Mutter neue Hoffnung ein. Sie bat die
Erzieherin, alles zu tun, was sie für nötig halte. Der erste Rat war,
einen Eilboten nach der Stadt zu schicken, um den Arzt zu holen;
dann ließ die Erzieherin einige wollene Decken anwärmen. Nun
legte sie sofort selbst Hand an, indem sie das Hausmädchen aufforderte,
ihr Hilse zu leisten. Mit einigen Scherenschnitten trennte
sie Jacke und Hemd des Verunglückten und streifte die Kleider vom
Oberkörper völlig ab; mit einem Taschentuch entfernte sie den
Schlamm, der sich im Munde befand, zog die Zunge hervor und
band deren Spitze mit dem Taschentuch auf dem Kinn fest; dann
begann sie mit dem Hausmädchen die künstlichen Atembewegungen
auszuführen, wie sie es in der Samariterschule gelernt hatte. In