Die Jugendbewegung. 159
Bewegung in ihm verspürt, sogar entgegengesetzt verlaufende,
nicht durch endlose Polemiken, sondern durch selbständige tief
gegründete, aktivgerichtete Außerungen.
4. Die Haltung der Zeitschrift muß durchaus kritisch und wissenschaftlich
(dies Wort in Fichtes Sinne)g sein, in deutlicher
Unterscheidung der gegenwärtig erscheinenden Schriften der
freideutschen Jugend7).
5. Sie muß ferner die gegenwärtigen Dichter, unsere Dichter, vernehmen
lassen (Franz Werfel, R. M. Rilke, Stephan George).“
Von dem Herausgeber des „Aufbruch“ wurden ferner die „Flugblätter
an die deutsche Jugend“ zusammengestellt, die vor allem in
studentischen Kreisen weite Verbreitung und Anerkennung fanden.
Diese Jugendbewegung vertrat, wenn ich sie recht verstanden habe,
zunächst eine Erziehung der Jugend zu sozialethischem Handeln. Als
Hauptgebiet praktischer Betätigung betonte sie die Siedlung in der
Füber, ähnlich dem englischen Settlement und dem Hamburger
olksheim.
Mit diesem Joêälschen Kreise standen ursprünglich die Gründer der
„Zentralarbeitsstätte für Jugendbewegung“" in
näherer Beziehung, die die verschiedenen Jugendbewegungen unter
dem erwähnten, aber noch allzu abstrakten Oberbegriffe „Jugendbewegung“
vereinigen und zugleich nach außen vertreten möchte.
Insbesondere erstrebt diese Zentralarbeitsstätte eine in Beziehungsetzung
zwischen den genannten Jugendbewegungen und einer sich
in letzter Zeit aus der sozialdemokratischen Jugendpflegeorganisation
abzweigenden, angeblich von der proletarischen Jugend selbst
getragenen sozialdemokratischen Jugendbewegung.
ber diese bin ich nicht hinreichend unterrichtet, um darüber berichten
zu können. Die „Zentralarbeitsstätte“ hat unseres Wissens bisher
von keiner der Jugendbewegungen, ein Vertretungsmandat übertragen
bekommen.
Der Jugendkulturbewegung, der Anfangbewegung, der Aufbruchbewegung
und endlich der sozialdemokratischen gegenüber steht die
Jugendgemeinschaftsbewegung, die ursprüngliche Bewegung
der reinen Jugendgemeinschaften, die aus der Jugend selbst
heraus, völlig unbegünstigt aber auch unabhängig von Autoritäten,
entstanden ist, als ein Akt der Selbsthilfe der Jugend. Erst in den
letzten Phasen ihrer Entwicklung beginnen Gemeinschaften, die von
jugendlich empfindenden Erwachsenen für die Jugend geschaffen
wurden, z. B. freie Schulen, sich mit ihr zu vereinigen.
7) Sowohl durch diese Bemerkung als auch durch die Überschrift: „Zur Entwicklung
des Freideutschen Jugendgedankens“ Über einem Propagandaaufsatze
den „Aufbruch“ in der „Tat“ (Septemberheft 1915) von Eugen Diederichs
wurde in der Offentlichkeit der Anschein erweckt, als beständen n Beziehungen
wwischen der Aufbruch-Bewegung und der Freideutschen Jugend. Auf eine öffentche
Richtigstellung von freideutscher Seite hin gab Ernst Josl Erklärungen
ab, die diesen falschen Anschein beseitigten.