Kriegsberichte:
Fronten lag völlig verlassen das Dorf Flaucourt. Es
wurde erst in der Nacht vom 3. zum 4. vom Feinde
besetzt. Inzwischen waren hinter dem Südabschnitt
erhebliche Verstärkungen an Artillerie und Infanterie
eingetroffen; die erstere nahm die neuen feindlichen
Stellungen unter scharfes Feuer, die letztere brachte
den erschöpften und zurückgezogenen Truppen der
vordersten Linie die wohlverdiente Ablösung. Durch
Offizierpatrouillen stellten wir fest, daß der Feind
sich an den äußeren Rändern von Flaucourt und
Assevillers eingrub. Am Abend dieses Tages begannen
weitere feindliche Vorstöße auf der Linie
Belloy—Estrées-Soyéêcourt. Der Feind nahm
Belloy und stieß weiter nach Süden vor, wurde aber
durch Gegenangriff wieder in das Dorf hineingeworfen
und auf die Straße Barleux-Berny zurückgedrückt,
welche noch heuten den Verlauf unserer vorderen
Stellungen bezeichnet. Vergebens brach der
Feind zwischen Estrees und Soyccourt nach Deniécourt
vor und herein, unsere Reserven warfen ihn
wieder hinaus. Am äußersten rechten Flügel des
Südabschnittes, am Somme-Ufer, drückte der Feind
eine weit vorgeschobene Kompanie auf das rechte
Somme Ufer zurück, die Weichenden sprengten hinter
sich die Sommebrücke bei Halle in die Lust. Im
übrigen hielt der rechte Flügel bei Biaches. Noch in
der Nacht vom 4. zum 5. Juli scheiterte ein feindlicher
Angriff auf Biaches in unserem Sperrfeuer.
Inzwischen waren weitere Verstärkungen eingetroffen.
In heftigen Kämpfen um den Besitz von Belloy
und Estrées blieb ersterer Ort schließlich in der Hand
des Feindes.
So hatte sich in den Kämpfen der ersten fünf Julitage
für den Südabschnitt eine neue, rechts stark zurückgebogene
Frontlinie gebildet. Sie verlief nunmehr
in ihrem Nordteil nördlich der Somme von
Hem über die Monacu- Ferme am Südrande von
Clery und Halle entlang bis nach Sainte Radeponde
der Vorstadt von Peronne, ging dann bei Biaches
auf das linke Somme-Ufer über, umschloß Biaches
einschließlich der Ferme La Maisonette und Barleux,
von hier aus folgte sie der Straße Barleux-Berny
bis zur Römerstraße, schwang sich an dieser entlang
in weitem Bogen um Belloy herum, dann wieder
nördlich, so daß das gane Dorf Estres nebst seinem
Gürtel von etwa 1 km Breite noch in unserer Hand
war, und traf etwa 1 km südlich der Römerstraße
wieder auf unsere unerschütterten alten Stellungen.
Die nächsten Tage wurden damit verbracht, die
nunmehr festgelegten Stellungen auszubauen und
die Verhältnisse neu zu ordnen. Erst am 9. Juli beann
eine Reihe von Einzelangriffen. An diesem
Lag konnte nach kurzem Trommelfeuer der Feind
Biaches, La Maisonnette und Barleux nehmen.
Barleux wurde aber sofort durch zwei Kompanien
der mecklenburgischen Grenadiere wieder erobert,
und eingetroffene Verstärkungen holten am 10.
auch La Maisonnette zurück.
Der 11. Juli brachte auf dem gesamten Abschnitt
südlich der Somme einen neuen großen Angriff der
Franzosen, der indessen abgeschlagen wurde, ebenso
wie ein fernerer Angriff auf Barleux.
Am 15. gelang es, Biaches zurückzuerobern,
während am 16. die Maisonnette-Ferme verlorenging
und bis heute noch in den Händen des Feindes
blieb. Der nördlich der Ferme gelegene Wald fiel
1 Ende August 1916.
Sommeschlacht 215
ebenfalls am 16. an den Feind, er wurde aber bald
wiedergenommen. Am 16. waren heftige Angriffe
geoen iaches, am 17. solche gegen Biaches und den
aisonnette-Wald zu bestehen. Dann trat am 18.
und 19. im Südabschnitt verhältnismäßige Ruhe ein.
V.
Während dies sich im Südabschnitt abspielte, hatten
im mittleren Abschnitt, Sois chen Somme und
Anere, ebenfalls heftige Kämpfe stattgefunden. Wir
hatten gesehen, daß es hier den Engländern in den
nördlichen zwei Dritteln des Abschnittes am ersten
Tag lediglich gelungen war, in die vorderste deutsche
Stellung einzudringen und bis zum Rande der Dörfer
Mametz und Montauban vorzudringen.
Gleichzeiti ½“. die Franzosen bis an den Westrand
von Larderourk vorstoßen und südlich noch das
Dorf Curlu nehmen können. Ein geringer Erfol
in Anbetracht dessen, daß auch hier eine womögli
noch stärkere Artillerievorbereitung vorausgegangen
war bei beispiellosem Einsatz schwerer und schwerster
Geschütze. Von nun an wurde in diesem Adschnitt
fast ohne jede Unterbrechung gekämpft. Der Feind
war fortgesetzt in der Lage, die gleichen ungeheuren
Massen von Geschützen aller Kaliber, ferner Minenfeuer
und Gasangriffe wirken zu lassen und seiner
Feuertätigkeit durch eine Überzahl von Flugzeugen
die Richtung zu geben. Auch setzte er bei seinen Infanterieangriffen
starke, völlig frische Truppenmassen
mit einer rücksichtslosen Menschenvergeudung ein,
wie wir sie bisher nur vom östlichen Kriegsschauplatz
kannten. Jedoch auch hier für ihn dieselbe überraschung:
Nicht zertrümmert hatte die Artillerie die
Verteidiger, sondern nur hart gehämmert. Schrittweise,
unter furchtbaren Verlusten, drängte die vielfache
Übermacht sich wohl bis zum 20. Juli vorwärts,
nach diesem Tage aber hatsietrotz grimmigster Kämpfe
nur noch an einer einzigen Stelle einen unbedeutenden
Gewinn erzielt.
Die langsamen Geländefortschritte des Feindes
lassen sich im einzelnen in einer Überschauenden Darstellung
nicht verfolgen. Ihre Hauptabschnitte werden
bezeichnet durch die Dörfer und Waldstriche, welche
das Kampfgelände beherrschen.
Die Kämpfe im mittleren Abschnitt zwischen
dem 1. und 20. Juli gliedern sich deutlich in den franösischen
und englischen Anteil. Die Grenze der beien
Frontabschnitte liegt in ihrem allgemeinen Verlauf
etwa 1 km südlich der Straße Mametz-Montauban—Guillemont.
Den beherrschenden Platz in diesem
Abschnitt nimmt das Dorf Hardécourt ein. Es
wurde nach erbitterten Kämpfen am 3. Juli von den
Franzosen erreicht und vom 8. Juli ab behauptet.
Besonders schwierig gestaltete sich die Lage der deutschen
Truppen in dem Sübdteil des französischen Nordabschnittes.
Den gegenüber dem südlichen Somme-Ufer
gelegenen — hatten wir bekanntlich gleich
u Anfang geräumt. Von hier aus war es dem
einde möglich, nun unseren linken Flügel nördlich
der Somme unter Artillerieflankierung zu nehmen.
Aus diesem Grunde wurde das Dorf Hem alsbald
unhaltbar und mußte samt den nördlich vorgelagerten
Höhen schon am 5. Juli aufgegeben werden. Im
übrigen hielt hingebungsvolle Ausdauer der dort zur
Ablösung herangezogenen schlesischen Truppen den
nördlichen Somme-Rand und die Linie Monacu-Fermebis
etwa zur Mitte zwischen den Dörfern Hardécourt
und Maurepas im wesentlichen unerschüttert fest.