Full text : Demokratie und Kaisertum.

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Im  Jahre  1000  wohnten  21,0  %  unserer  Bevölkerung  in  Städten
mit  über  50  000  Einwohnern.  Die  Einwohnerzahl  der  Grte  unter
10  000  Einwohnern  steigt  nur  um  weniges;  alles,  was  als  Überschuß,
als  Dolkszuwachs  geboren  wird,  drängt  nach  den  kreisförmig  sich  erweiternden
  Riesenlagern  der  Giovilisationsmenschheit.  Txatürlich  liebt  die
Demokratie  diese  Orte,  denn  hier  hat  sie  ihre  großen  Sahlen,  ihre  durchschlagendsten
  Wahlerfolge,  hier  gibt  es  Masse,  die  nur  einmal  eine  friedliche
  Harade  abzuhalten  braucht,  um  in  sich  das  Gefühl  einer  wachsenden
Wacht  zu  wecken.  Aber  auch  die  Demokratie  muß  sich  sagen,  daß  eine
Selbständigkeit  der  Einzelpersonen  bei  Dezentralisation  der  Menschen  vielmehr
  gepflegt  werden  kann,  als  in  der  überwältigenden  Anhäufung  der
Menge.  Welche  Talente  für  die  Sozialdemokratie  liefert  denn  Berlin  im
Dergleich  mit  den  Drovinzen  d  Ist  es  Berlin,  wo  die  neuen  Gedanken
zuerst  Fuß  fassend  Wie  gering  ist  hier  der  Hrozentsatz  derer,  die  an  der
Stadtwerwaltung  beteiligt  werden  können,  selbst  wenn  kein  Klassenwahlrecht
hindert!  Massenquartiere  verschlingen  die  Individualitäten,  und  in  diesem
Derschlingen  liegt  eine  Gefahr  für  die  Volksfreiheit  überhaupt.  Nun  ist
ja  nicht  zu  erwarten,  daß  man  Stadtbewohner  in  größerer  Sahl  wieder
aufs  Land  verpflanzen  kann;  aber  möglich  ist,  die  Derteilung  der
Industrie  und  damit  der  Bevölkerung  über  das  ganze  Land
systematisch  zu  regeln.

Eine  solche  Regelung  muß  selbstverständlich  einen  freien  Charakter
tragen;  zwangsweise  Kolonisierung  nach  Art  Friedrich  Wilhelms  I.  ist
heute  ausgeschlossen.  Akan  kann  den  Strom  der  Bevölkerung  nur  lenken,
wenn  man  ihm  bequeme  Laufgräben  öffnet.  Auf  einer  Dersammlung
für  Innere  Mission  in  Frankfurt  a.  M.  haben  vor  einigen  Jahren  dortige
Derren,  die  jetzt  zum  Derein  Reichswohnungsgesetz  gehören  (Latscha  und
Teudt)  einen  weitgehenden  Hlan  entwickelt,  man  soll  zwischen  Großstädten
Industriestraßen  anlegen,  ihnen  alle  modernen  Derkehrsvorteile  zuführen
und  durch  bodenreformatorische  Behandlung  des  Grund  und  Bodens  das
gewaltsame  Steigen  der  Wohnungspreise  verhindern.  Der  Mittellandkanal
würde  eine  solche  Industriestraße  werden  können,  und  eine  wirtschaftspolitisch
  weitdenkende,  demokratische  Bolksvertretung  würde  sicher  bereit  sein,

nicht  nur  den  Kanal  zu  bewilligen,  sondern  auch  den  Ankauf  breiter
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