180 Zweites Buch. Die Zeit der Anläufe, Enttäuschungen und Irrungen.
Partei“ menigstens mittelbar gegen den Kaiser zu gebrauchen.
Sehr willkommen waren ihm dazu die Verhandlungen zwischen
Brandenburg und Schweden, die zu dem Vertrage vom 11. Dezember
1673 führten. Unter Erneuerung der Desensivallian:
vom 27. März 1666 einigten sich beide Mächte, gemeinsam
für Herstellung des Friedens zu wirken, und nach deren Mißlingen
auch gemeinsam zu erwägen, was weiter zu thun sei;
würde aber auch dann nichts erreicht, sollte jede von ihnen die
Freiheit haben, ausschließlich nach Maßgabe ihrer besonderen
Interessen Partei zu nehmen, also auch sich den Gegnern des
bisherigen Verbündeten anzuschließen. Deutlich kommen in
diesem Vertrage, mit dem man sich im Kreise herumdrehte,
höchstens etwas Zeit gewann, die ratlose Verlegenheit und die
widerspruchsvolle Zweidentigkeit der brandenburgischen Politik
zum Ausdruck, und es bleibt unklar, was er eigentlich bezweckte.
Schweden sollte dadurch, so scheint es, an die Aktion Brandenburgs
gebunden, Brandenburg gegen Schweden gedeckt werden.
Aber Schweden wurde dadurch doch nicht gehindert, sich nach
dem Scheitern der gemeinsamen Mediation Brandenburgs
Gegnern anzuschließen, dem Kaiser, wenn der Kurfürst zu
Frankreich, diesem, wenn er zu dem Kaiser stand. Sollte
Schweden dadurch bloß an der Unterstützung Pfalz-Neuburgs
gehindert werden, so war das ein geringer Vorteil gegen die
Beschränkung, die Brandenburgs Bewegungefreiheit angesichteo
einer großen europäischen Krisis erfuhr. Dieser Pakt hatte nur
dann Sinn, wenn der Kurfürst entschlossen war, nach dem
Mißlingen der Mediation gemeinsam mit Schweden entweder
zu Frankreich zu halten oder neutral zu bleiben: sonst mußte
er gewärtig sein, von Pommern her angefallen zu werden,
ohne den bisherigen Verbündeten des Vertragsbruchs zeihen zu
können. Aeußerst zufrieden, daß der Vertrag vom 11. Dezomber
1673 Schweden in keiner Weise hinderte, ihm Hilfe zu
leisten, suchte Frankreich dennoch auch Brandenburg zu sich
herüberzuziehen. Im Februar 1674 bot Verjus dem Kurfürsten
nicht bloß Erhöhung der Subsidien, sondern auch Rückgabe
von Wesel und Rees, ja selbst Ausantwortung der Schenkenschanze
für den Augenblick, wo er gegen den Kaiser in Aktion