Volltext : Der Reichstag von Nürnberg 1522-23.

sie  sich  eingehender  darüber  beraten  und  ıhm  dann  Antwort
geben  könnten.

Wir  sehen,  sowol  der  Vortrag  des  Nuntius,  wie  die
darauf  erfolgende  Antwort  der  Stände  —  das  Regiment  wird
bei  derselben  nicht  erwähnt  —  hielt  sich  in  sehr  allgemeinen
  Grenzen.  Nur  hatte  aber  Chieregati  vielleicht  geglaubt,
es  würden  bestimmte  Vorschläge  zur  Beseitigung  des  kırchlichen
  Zwistes  ihm  entgegengebracht  werden;  er  durfte  das
umso  eher,  als  ihm  bereits  im  Privatgespräch  solche  Vorschläge
  geäussert  worden  waren  —  von  einem  lutherisch
gesinnten  Regimentsmitglied,  von  dem  kursächsischen  Rat
Hans  von  der  Planitz.

Es  dürfte  der  Mühe  wert  erscheinen,  hier  etwas  näher
auf  dies  Gespräch  einzugehen,  welches  wenige  Tage  vor  der
eben  besprochenen  Sitzung  stattgefunden  hatte,  am  7.  December,
  eines  Sonntags,  im  Predigerkloster.  Veranlasst  wurde
dieses  Gespräch!)  dadurch,  dass  Planitz  von  seinem  Kurfürsten
  beauftragt  worden  war,  dessen  Antwortsschreiben  auf
das  bereits  oben?)  erwähnte  Breve  dem  Nuntius  zu  überreichen.
  ?)

Chieregati  sprach  seine  Freude  über  den  Brief  aus,  pries
den  Kurfürsten  als  einen  weisen,  klugen  und  christlichen
Fürsten  und  unterliess  es  nicht,  bei  dieser  Gelegenheit  die
umlaufenden  Gerüchte  zu  erwähnen;  als  unterstütze  der  Kur-1)

  Gedr.  bei  Jordan  1.  c.  S.  26—38.  Vgl.  Maurenbrecher,  Gesch.
d.  kath.  Ref.  S.  221f.  —  Baumgarten  S.  231—33  lässt  d.  Gespräch  am
8.  December  stattfinden.

2)  Seite  8  f.

8)  Planitz  an  den  Kurf.  am  11.  December:  „Do  ich  im“  (dem
Nuntius)  „auch  euer  curf.  gn.  briff  uberantwortt  kam  er  mit  myr  und
ich  mit  ym  yn  eyn  gesprech,  wie  euer  curf.  gn.  dasselb  hiebey  vorzceychentt
  fynden  werden,  hab  es  in  eyner  eyll  von  stund  an  auffgezceychentt
  ob  ich  im  aber  zcu  vill  ader  wenigk  gethan  hab  in  gebungh
  der  antwortt......  ich  underthenigklich  euer  cf.  gn.  wollen
myrs  gnedigklichen  zcu  gnaden  halten,  den  es  auss  undertheniger
Meynungh  im  besten  beschehen.“  —  Im  Corpus  Reformatorum  |].
S.  585  ff.  findet  sich  eine  Antwort  des  Kurf.  auf  Adrians  Brief  in
latein.  Sprache  in  zwei  versch.  Fassungen,  wohl  v.  Melanchthon  verf.
Jedenfalls  bezieht  sich  dieselbe  nicht  auf  jenes  Breve  v.  5.  Okt.  1522.