Volltext : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1849. (26)

D.  Die  organisierte  Berufswahl  und  Lehrstellenvermittelung.


Eine  systematische  Organisation  der  Berufswahl  und  Lehrstellenvermittelung
  ist  vornehmlich  in  Bayern,  Baden  und  Elsaß-Lothringen
in  die  Wege  geleitet  und  zum  Teile  auch  durchgeführt  worden.  Die
Ausgestaltung  dieses  Vermittelungszweiges  in  den  betreffenden
Bundesstaaten  ist  verschieden  und  wird  daher  getrennt  behandelt.

I.  Bayern.

Wir  beginnen  mit  München,  weil  hier  zum  ersten  Male  unter
der  Initiative  des  Rechtsrats  Dr.  Menzinger  planmäßig  voraeognaen
  wurde,  und  zwar  geschah  dies  seit  dem  Jahre  1902.

n  München  werden  alljährli  ausende  von  Kindern  aus  der
Volslsschule  entlafen=  slhelsch  ist  es  äußerst  schwer,  für  jedes
einzelne  derselben  sofort  einen  passenden  Lehrplatz  zu  finden.  Dazu
kommt,  daß  viele  Eltern  danach  streben,  daß  die  schulfreien  Kinter
ihnen  nicht  nur  nicht  mehr  zur  Last  fallen,  sondern  auch  noch  zu  den
Kosten  des  gemeinsamen  Haushalts  beisteuern.  So  trachteten  nur
zu  oft  junge  Leute,  die  wohl  befähigt  gewesen  wären,  ein  lohnendes
Gewerbe  zu  erlernen,  sefort  nach  dem  Schulaustritte  danach,  eine
Stelle  als  Hausbursche,  Ausgeher  u.  dgl.  zu  finden,  und  begründeten
sich  so  eine  nur  wenig  sichere  Existenz.

In  den  ersten  sieben  Jahren  wurde  eine  verhältnismäßig  beringe
Zahl  ven  Stellengesuchen  beim  Arbeitsamte  durch  Lehrlinge  angeme


Dies  änderte  sich  bedeutend,  als  es  dem  Vorsitzenden  der  Kommission
  gelang,  die  Mitarbeit  der  Schule  und  der  gewerblichen  Korporationen
  bierfür  zu  gewinnen.  Auf  seine  Anregung  wurden  bereits
im  Jahre  1902  Lehrer  und  Schüler  durch  die  Lokolschulkommission
auf  die  Lehrlingsvermittelung  des  Arbeitsamts  hingewiesen,  und
am  15.  Juni  1903  erging  seitens  der  genannten  Schulbehörde  an
die  sämtlichen  Oberlehrer  der  Volksschulen  eine  grundlegende  Verfügung.
  Hiernach  haben  sich  jedes  Jahr  alle  zur  Entlassung  kommenden
  Kinder  —  Knaben  und  Mädchen  getrennt  —  in  einem  geeigneten
Raume  in  Gegenwart  der  Klassenlehrkräfte  zu  versammeln.  Sie
werden  sodann  auf  die  Wichtigkeit  und  Bedeutung  einer  richtigen
Berufswahl  hingewiesen.  Hieran  reiht  sich  eine  eingehende  Belehrung
  über  die  Zweckmäßigkeit,  bei  jedem  Stellengesuche  die  Vermittelung
  des  städtischen  Arbeitsamts  zu  benützen.  Dabei  wird  die

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