Metadata : Meyers Fach-Lexika; Lexikon der deutschen Geschichte.

Herwarth  von  Bittenfeld  —  Hessen.

pfen  der  Byzantiner  an  der  Donau  als  unbändige,
  aber  tapfere  Streiter  erwähnt.

Herwarth  von  Bittenfeld,  preuß.  Generalfeldmarschall,
  geb.  4.  Sept.  1796  zu
Großwerther  in  Sachsen,  trat  1811  in  die
preußische  Armee,  machte  die  Feldzüge  von
1813—15  mit  und  übernahm  1  die
Führungdes  7.  Armeekorps.  Im  dänischen
Feldzug  erhielt  er,  als  Prinz  Friedrich  Karl
an  die  Spitze  der  verbündeten  Armee  trat,
den  O  ehl  über  das  preußische  Korps
und  führte  den  Übergang  nach  Alsen  29.
Juni  1864  aus.  1865  wurde  er  kommandierender
  General  des  8.  Armeekorps  und
1866  im  preußisch-deutschen  Krieg  an  die
Spitze  der  Elbarmee  berufen.  Er  besetzte
Sachsen,  drang  von  Westen  her  in  Böhmen
ein  und  focht  bei  Königgrät  auf  demrechten
  preußischen  Flügel  gegen  Osterreicher
und  Sachsen.  Er  erhielt  als  Anerkennung
den  Schwarzen  Adlerorden  und  eine  Dotation
  und  übernahm  nach  dem  Frieden
wieder  die  Führung  des  8.  Armeekorps.
Im  ersten  norddeutschen  Reichstag  gehörte
  er  der  konservativen  Partei  an.
Im  deutsch-französischen  Krieg  1870/71
wurde  er  Generalgouverneur  des  westlichen
Deutschland  und  trat  1871  als  Feldmarschall
  in  den  Ruhestand.  Seitdem  lebt  er
in  Bonn.

Hessen,  deutscher  Stamm,  welcher  dem
germanischen  Bolk  der  Katten  verwandt
ist  und  deren  Wohnsitze  an  der  Fulda  und
Eder  in  Besitz  nahm.  Seine  Geschichte
fällt  mit  der  Thüringens  (s.  d.)  bis  in  die
Mitte  des  12.  Jahrh.  zusammen.  Als  mit
Fermann  II.  1242  das  Geschlecht  der

andgrafen  von  Thüringen  und
Hessen  im  Mannsstamm  erlosch,  entstand
  der  thüringische  Erbfolgekrieg  zwischen
  Heinrich  dem  Erlauchten  von  Meißen
und  der  Schwester  des  Verstorbenen,  Sophie,
  der  Gemahlin  Herzog  Heinrichs  II.
von  Brabant.  Derselbewurde  1264dadurch
beendet,  daß  Heinrich  der  Erlauchte  Thüringen,
  Sophie  die  Landgrafschaft  Hessen
erhielt.  Ihr  Sohn  Heinrich  das  Kind
(gest.  1308)  ist  der  Stammvater  der  folenden

  Landgrafen  von  Hessen.  Die  Söhne
hudwige  des  Fiikgferiigen  gest.  1458),
Ludwig  II.  (gest.  1471)  und  Heinrich  III.
(gest.  1483),  begründeten  durch  Teilung

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die  Linien  Kassel  und  Marburg.  Alsletztere
1500  erlosch,  vereinigte  Wilhelm  II.  von
Hessen-Kassel  das  ganze  Land.  Sein  Sohn
Philipp  I.,  der  Großmütige  (1509—67,  s.
Philipp  2)  führte  1527  die  Reformation
ein  und  wurde  einer  der  Führer  der  Protestanten
  in  Deutschland.  Als  Haupt  des
Schmalkaldischen  Bundes  wurde  er  im
Schmalkaldischen  Krieg  von  Kaiser  Karl  V.
1547  gefangen  genommen  und  erst  1552
der  Haft  entlassen.  Seine  Söhne  teilten
1567  das  Land,  und  es  begründeten  Wilhelm
  IV.  die  Einie  essenKaf.  sel,  Ludwig
  IV.  Hessen-Marburg,  Philipp  II.
Hesseen-Rheinfels.  Grorg  L.  Hesseenarmstadt.

  Während  die  Linien  Marburg
  und  Rheinfels  schon  mit  dem  Tod
ihrer  Stifter  1604  und  1583  erloschen,
haben  sich  die  beiden  andern  Linien  bis  in
die  neueste  Zeit  erhalten.  Das  Weitere  f.
unter  Hessen  und  Hessen-Kassel.  Vgl.
v.  Rommel,  Geschichte  von  Hessen  (1820
bis  1858,  10  Bde.).

Hessen,  deutsches  Großherzogtum,  bis
1866  H.-Darmstadt  genannt,  entstand
  durch  die  Teilung  von  1567  und
fiel  damals  als  Landgrafschaft  Georg  1.
(gest.  1596)  zu.  Sein  Land  bestand  aus
der  obern  Grafschaft  Katzenellnbogen  mit
Darmstadt  und  wurde  nach  dem  Todh  seiner
  Brüder  Philipp  II.  und  Ludwig  III.
durch  das  Ländchen  Dietz  (1583)  und  einen
Teil  von  H.  Marburg  (1604)  vergrößert.
Während  die  Landgrafen  von  H.-Kassel
zum  reformierten  Bekenntnis  übergetreten
waren,  beharrten  die  von  H.-Darmstadt
bei  der  lutherischen  Lehre,  und  Ludwig  V.

1596—1626)  gründete  für  diese  1605  die

niversität  Gießen.  Sein  jüngerer  Bruder,
  Friedrich  I.,  stiftete  die  Linie  H.-Homburg
  (s.  d.).  Unter  dem  Landgrafen  Ernst
Ludwig  (1678—1739),  der  zunächst  unter
Vormundschaft  regierte,  wurde  das  Land
von  den  Franzofen  arg  verwüstet.  Er  und
noch  mehr  sein  Sohn  Ludwig  VIII.  (1739
bis  1768)  verschafften  französischer  Sitte
und  Pracht  Eingang  am  hessischen  Hof
und  stürzten  dadurch  das  Land  in  Schulden.
  Ludwig  VIII.  beendete  den  langen
Streit  mit  H.-Kassel  über  die  Erbfolge
in  der  Grafschaft  Hanau  und  erwarb  dabei
  1736  die  Herrschaft  Lichtenberg.  Wäh-