82 Das Deutschtum in übersee
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find im Gegensatz zu Vereinigungen innerhalb eines Einzelstaates der
Union Organisationen, die das Gesamtgebiet umfassen. Jede ihrer
Kundgebungen stellt den Gedanken voran, daß sie in Erfüllung ihrer
Staatspflichten sich von niemandem übertreffen lassen wollen. Ganz
in demselben Geiste hat die vornehmste deutschamerikanische Zeitung,
die „New-Vorker Staatszeitung“, die Aufgabe der deutschen Presse in
den Vereinigten Staaten umgrenzt:
„Die in deutscher Sprache erscheinenden Tagesblätter sind keine deutschen
Zeitungen, sondern in deuticher Sprache abgefaßte amerikanische. Sie vertreten
die amerikanischen Interessen ganz in derselben Weise wie die englischen.
Sie bilden die Deutschen, die herüberkommen, zu guten und zuverlässigen
amerikanischen Bürgern heran.“
Ein selbständiges, abgesondertes deutsches Volkstum hat gerade nach
dem Willen der Deutschamerikaner drüben keinen Raum. Es handelt
sich für das deutsche Element in Amerika nur um die Wahrung deutscher
Kulturgüter. Und das hat seine Bedeutung für das gesamte Deutschtum
in der Welt. Möglich, daß die Tage der deutschen Umgangssprache
in der Union gezählt sind. Nur wird niemand die Frist bemessen
können. Sicher ist vorerst, daß der Einfluß der deutschen Kultur derzeit
im Steigen ist. Die Außerung des amerikanischen Austauschprofessors
Coar: „Deutschland ist unser Griechenland!“ zeichnet in glücklicher
Prägung, was Amerika an edelsten Gütern aus Deutschland
bezogen hat und weiter zu beziehen nicht aufzuhören braucht. Und es
sind Kräfte erfolgreich am Werk, die deutsche Bildung und Kultur nicht
nur dem Deutschamerikanertum, sondern dem ganzen großen amerikanischen
Volke zuzuführen bestrebt sind. Wir vertrauen, daß auf solchen
Wegen die guten Beziehungen, die zwischen der Republik jenseits
des Meeres und dem deutschen Kernstaat stets bestanden haben, eine
höhere Weihe erhalten, daß die beiden großen Gemeinwesen im innerlichsten
Sinne Verbündete werden und für alle Zukunft bleiben. Direktor
Josef Winter-Neuyork, der im August 1912 auf der Tagung
des „Nationalen Deutschamerikanischen Lehrerbundes“ in Berlin solchen
Erwartungen bderedten Ausdruck gab, wünschte, daß zur Förderung
der Annäherung mehr Deutsche in die führenden amerikanischen Zeitungen
hineinkämen und daß die amerikanische Presse ihre Nachrichten
aus der Alten Welt nicht nur über London beziehe. Nur in der
letztgedachten Beziehung kann vom Deutschen Reich aus etwas geschehen.
Nicht nur in Amerika, sondern überall draußen in der Welt werden