Full text : Rosenheimer Anzeiger. 63. Jahrngang (63)

6.  Kapitel.  Die  Ausbreitung  der  Goldwährung  und  die  Silberentwertung.  $1.  181

Welche  Wandlungen  sich  seit  dem  Beginne  der  Münzreform  und
seit  ihrem  verfrühten  Abschlusse  im  Jahre  1879  in  der  Größe  und  der
Zusammensetzung  des  deutschen  Metallgeldbestandes  vollzogen  haben,
ergibt  sich  aus  der  folgenden  Übersicht:

|  |—  1  6  ——  —  Cihuuikı

Goldgeld
.  “Deutsche  |  Ausländ.  Silber-  Nickel-  Gesamt
Zeitpunkt  Gold-  |  Gold-  Zu-  geld  |  Kupfer-  Beldmünzen
  u.  'münzen  u.|  sammen  MUunzen  |nestand
Barren  :  Barren
Mill.  |  %0  |  Mill.]|  %o  |  Mill.  |  %  |  Mill.  |  oy,  |  Mill.  |  %  |Mill.  M.
M.  M.  |  MN.  M.  |!  M.
1.  Beginn  d.  Münzreforın.
  .  .  95)  4,8|  1501  7,6  245|12,4]  1  735|87,4  3,6  0,2  1  985
2.  Ende  1879  .  .  1  470|60,0  60)  2,51  1530/62,51|  875135,7|  45  |1,8  2  450
3.  Ende  1909  .  .  |  3300[70,2|  350]  7,4]  3650j77,6|  950|20,2]  100  12,21  4700
Zunahme  3  gegen  1j+3  205!  —  1200:  —  I+3  4051  —  |—785)  —  |+96,4|—  |  +2  715
Zunahme  3  gegen  2|-+1830|  —  2390|  —  142  120,  —  |+  75°  —  I+55  |—  |  +2  250

6.  Kapitel.  Die  Ausbreiinng  der  Goldwährung
und  die  Silberentwertung  von  der  deutschen  Münzreform
bis  zur  Gegenwart.

$  1.  Die  Gestaltung  der  internationalen  Währungsverfassung
in  den  ?der  Jahren  des  19.  Jahrhunderts.

Indem  Deutschland  sich  im  Jahre  1871  entschloß,  von  der  Silberwährung
  zur  Goldwälhrung  überzugehen,  hat  es  als  erster  Staat  die
Folgerung  aus  der  durch  das  kalifornische  und  australische  Gold  bewirkten
  Änderung  der  internationalen  Währungsverhältnisse  gezogen.
Seit  Jahren  hatte  man  die  Annahme  der  Goldwährung  in  den  wichtigsten
  Staaten  eifrig  erörtert;  Deutschland  machte  nun  von  der  durch
den  Krieg  geschaffenen  Gunst  des  Augenblicks  Gebrauch,  um  zuerst
zu  handeln  und  sich  in  dem  als  unvermeidlich  erscheinenden  Prozesse
der  Umwandlung  der  Währungsverfassung  einen  Vorsprung  vor  den
übrigen  Nationen  zu  sichern.

Wenn  die  Annahme  richtig  war,  auf  Grund  deren  Deutschland
sich  in  erster  Reihe  zum  Übergange  zur  Goldwährung  entschlossen
hatte,  dann  konnte  Deutschland  auf  der  eingeschlagenen  Bahn  nicht
lange  allein  bleiben,  und  in  der  Tat  fand  es  bald  genug  Nachfolger.

Bereits  im  Jahre  1872  betraten  die  skandinavischen  Königreiche
Schweden,  Norwegen  und  Dänemark  den  von  Deutschland  eingeschlagenen
  Weg,  getreu  dem  von  ihrem  Vertreter  auf  der  Pariser
Münzkonferenz  von  1867  aufgestellten  Grundsatze,  daß  sie  ihren  Übergang
  zur  Goldwährung  von  dem  Verhalten  Deutschlands  abhängig
machen  müßten.  Die  drei  Staaten,  die  bisher,  wie  Deutschland,  Silberwährung
  hatten,  beschlossen  durch  einen  Vertrag  vom  18.  Dezember  1872
die  Einführung  eines  gemeinsamen  Münzsystems,  das  auf  der  Gold-