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Und als ihr aus der Schule kamt mit verwehten Haaren,
kalten Fingern und nassen Stiefeln, da hieß es: Schnell die Schuhe
ausgezogen! Den nassen Mantel aufgehängt! Und dann tratet ihr
in die warme Stube und erwärmtet die verklammten Hände. Ja,
in der Stube hier ist's gemütlich. —
Es dämmert, es dunkelt, und bald kommt die Nacht. Kaum
kann einer noch das Gesicht des andern erkennen. Es ist Zeit, die
Lampe anzuzünden.
Da öffnet der Vater, der im Lehnstuhl am Ofen sitzt und
schweigend seine Pfeife geraucht hat, die Ofentür, und siehe da:
das Feuer im Ofen kann nicht nur wärmen, es kann auch leuchten.
Hell fällt der Schein der glühenden Kohlen auf die Zimmerwand,
so daß die Kinder sogar das Muster in der Tapete erkennen können.
Seht nur, wie unsere alte breite Kommode glänzt und glitzert; das
sieht ja aus, als wäre sie vom Tischler frisch aufpoliert. Fritz sitzt
auf der Erde und macht im hellen Feuerschein ein Schattenspiel:
ein niedliches Kaninchen hüpft an der Wand dahin und frißt und
macht Männchen. Da läßt der Vater mit seinen Händen ein großes
Krokodil auf das Kaninchen losspringen, und es beginnt eine Jagd
an der Wand, das Kaninchen springt, und das Krokodil schnappt.
Die Kinder lachen und jubeln, bis endlich das Krokodil das Kaninchen
aufgefressen hat.
Nun kommt auch die Mutter ins Zimmer und fragt: „Soll
ich auch die Lampe bringen?“ „O nein! O neinl“ rufen alle;
„wir brauchen sie noch nicht.“ Auf die Ofenplatte legt die Mutter
Apfel, die fangen bald an zu puffen und zu zischen, und setzt sich
auch mit in den Kreis um das Feuer.
Da sitzen nun alle, und es ist einen Augenblick ganz still im
Zimmer und nichts zu hören als das Ticken der Uhr, das Knistern
des Feuers und das Heulen des Windes da draußen. — „Bitte,
Vater, eine Geschichte!“ sagt Erna, und die andern drei Kinder
stimmen ein: „O jal O jal Eine Geschichte, Vater! Bitte, erzähl
uns eine Geschichte!“
Der Vater im Lehnstuhl hat in die rote Ofenglut gestarrt und
blickt nun verloren über die Köpfe seiner Kinder und dann wieder
in das Feuer und sagt: „So wie ihr jetzt um mich herumsitzet dicht
am Feuer und auf das Heulen des Windes hört, und wie die Bratäpfel
im Ofen schmoren, so hab' auch ich, als ich so alt war wie
ihr, oft zu Hause bei meinem Vater gesessen und ihn um eine Geschichte
gebeten. Und euer Großvater hatte schon als Kind viel
erlebt, und manches, was jetzt in euern Büchern steht aus der Franzosenzeit,
hat er mit eigenen Augen gesehen und eigenen Ohren ge-