Full text: Kriegsbuch. Erster Band. (1)

Bek. Über die Bewilligung von Zahlungsfristen v. 7. Aug. 1914 / 20. Mai 1915. 8 1. 221 
um eine Anordnung des Gerichts nach § 1 St VO. handelt. Liegt aber eine 
wirkliche Vereinbarung der Vertragsparteien vor, so hat diese die Bedeutung, 
welche die angeblich herrschende Lehre der kassatorischen Klausel zu Unrecht ganz 
allgemein zuspricht: die sofortige und fortgesetzte Fälligkeit und Vollstreckbarkeit 
der Forderung des Gläubigers festzustellen und dem Schuldner das Recht ein- 
zuräumen, die Vollstreckung durch pünktliche Ratenzahlung abzuwenden. — 
Jr. Bendix, JW. 15 69: Allgemeine, für alle kassatorischen Klauseln 
geltende Regeln lassen sich grundsätzlich nicht aufstellen. Mag die angeblich 
jetzt herrschende Lehre für das Gebiet der notariellen Urkunden und gerichtlichen 
Vergleiche, das ist für das Vertragsrecht, richtig sein oder nicht, auf alle 
Fälle muß es als methodisch unrichtig bezeichnet werden, die Grundsätze, 
welche auf den angegebenen Gebieten allgemein gelten sollen, auf die kassatorische 
Klausel in Stundungsurteilen ohne weiteres zu übertragen, obgleich hier der ver- 
tragliche Charakter der Klausel ganz wegfällt. Die Ausführungen in JW. 14 964 
(oben aa) müssen aufrecht erhalten werden, weil und soweit die Bedeutung 
der kassatorischen Klausel bei den neu eingeführten Stundungsurteilen aus 
der Rechtsnatur der Zahlungsfrist als eines materiellen Eingriffs in die Gläubiger- 
rechte mit Notwendigkeit folgt. Denn diese werden danach in ihrem Bestande 
geändert, und ihre Geltendmachung in der Tat „unter die Bedingung der Nicht- 
zahlung der im Urteil festgesetzten Raten“ gestellt. Deshalb hat der Gläubiger 
bei dieser Auffassung im vorliegenden Falle — und nur in ihm — die Beweislast 
des § 726 3PO. 
585. Mendel, JW. 14 1073: Ist ein die kassatorische Klausel enthaltendes 
Urteil ergangen und die die Fälligkeit des Anspruchs abwendende Ratenzahlung 
an einem kalendermäßig bestimmten Termin zu bewirken, so hat der Gerichts- 
schreiber nach § 751 3PO. die Vollstreckungsklausel sofort zu erteilen, anderen- 
falls auf die unbewiesene Behauptung des Gläubigers hin, die Rate sei nicht 
pünktlich bezahlt; dem Schuldner liegt es dann ob, gemäß § 767 3PO. Ein- 
wendungen zu erheben. Der § 726 3PO. ist nicht anwendbar. Denn er enthält 
keine selbständige Vorschrift über die Beweislast, die ohne Rücksicht auf die Be- 
stimmungen des materiellen Rechts vom Gläubiger stets den Beweis dafür ver- 
langt, daß die Tatsachen, von denen die Vollstreckung abhängt, eingetreten sind. 
5 726 will nur da die Erteilung der Vollstreckungstlausel von einem Nachweis 
abhängig machen, wo dem Gläubiger auch nach allgemeinen materiell-rechtlichen 
Bestimmungen die Beweispflicht obliegt. 
e#. Mayer a. a. O. 59: Die Vollstreckungsklausel ist auch zu er- 
teilen, wenn das Gericht die Zahlungsfrist nur mit der kassatorischen Klausel 
bewilligt hat. Es muß hier nicht etwa der Gläubiger durch öffentliche oder 
öffentlich beglaubigte Urkunde den Nachweis erbringen, daß eine Rate nicht ein- 
gehalten worden sei. Diese negative Tatsache hat der Glaubiger überhaupt nicht 
zu beweisen; vielmehr ist es, wenn auf Grund der Behauptung des Gläubigers, daß 
eine Rate nicht eingehalten worden sci, vollstreckt wird, Sache des Schuldners, 
gemäß § 767 ZPO. Vollstreckungsgegenklage zu erheben. 
e. Die Fassung der Urteilsformel. 
aa. Hallbauer, SächsRpfl A. 14 340: Der Urteilstenor hat bei Bewilligung 
der Frist zu lauten: Der Beklagte wird verurteilt, dem Kläger &X Mark zu zahlen, 
doch wird ihm dazu eine Frist von 2 Monaten bewilligt. Bei Versagung der Frist 
wird es zweckmäßig sein zu sagen: Der Beklagte wird unter Ablehnung seines 
Antrags auf Fristbewilligung verurteilt, dem Kläger X Mark zu zahlen. 
S8. Fürnrohr, ISW. 15 205: Die einfachste Art der Lösung der Frage, 
wie das Urteil im Fall der gerichtlichen Zahlungsfristbewilligung mit kassatorischer 
 
	        
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