Volltext : Bismarck´s Glaube.

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sich  auch  in  der  Mitteilung  seiner  Frau  10),  daß  er  dringend
nach  Musik  verlangte  und,  als  sie  eines  Morgens  ihn  auf
einem  heimlich  beschafften  Klavier  überraschte,  in  helle
Tränen  ausbrach  vor  Sreude  und  Wonne.  So  sah  ich  ihm
die  dicken  Tränen  über  die  verwitterten  Backen  laufen,  als
wir  ihm  vor  dem  Schwarzen  Bären  in  Jena  mit  500  Stim—
men  die  Saale-Lieder  sangen,  darunter:  „Kuf  den  Bergen  die
Burgen"“:  „Ein  Dolk,  das  solche  Tiefen  der  Empfindung
im  Liede  zeigt,  kann  nicht  verloren  gehen“,  sprach  er.

Aber  freilich,  solche  stimmungsreiche  Seele  konnte
leicht  umschlagen.  Sür  diese  Beweglichkeit  soll  nur  ein
Beispiel  angeführt  werden:  „Wie  verängstigt  du  wieder
bist  am  Montag“,  schreibt  er  der  Frau  1°5),  „und  am
Dienstag  hat  Gott  schon  geholfen;  es  ist  gar  nicht  möglich,
daß  die  Kinder  schon  gesund  sind;  das  Kranksein  dauert
jedenfalls  6  Wochen  bei  Scharlach.  Gott  verläßt  uns  nicht,
da  er  uns  so  weit  geholfen  hat;  sei  nur  freudig  in  deinem
Dertrauen  zu  ihm,  mein  Ciebling;  die  großen  Gefahren
hat  er  gnädig  abgewandt,  er  wird  auch  über  die  kleinen
helfen.  Was  will  der  Esel  mit  Jod  mit  dem  Jungen,  leide
das  nicht,  laß  lieber  Scheunemann  kommen,  der  säuft  nicht.
Gott  behüte  euch  Hlle.“

So  mag  sein  Gemüt  rasch  umgeschlagen  haben  von
tiefer,  in  Gott  ruhender,  seelenvoller  Beschaulichkeit  zu
völliger  hingenommenheit  von  Stunde  und  Kugenblick,
denen  handelnd  genugzutun  sein  Beruf  von  ihm  forderte.
Kber  die  Sehnsucht  aus  dem  Beruf  und  seinem  der  Gegenwart
  verknechtenden  Treiben  heraus  verließ  ihn,  wie  wir
sahen,  nie,  und  in  dieser  Sehnsucht  wie  in  der  stets  aus-