Contents : Geschichte der Deutschen Frauenwelt. Zweiter Band. (2)

Frauen  und  Dichter.  307

welschen  Parlirmeister  weg  210);  zerschlagt  die  ewigen
Klimperkasten,  welche  nachgerade  jedes  Haus  zu  einer
Klavierhölle  machen;  lehrt  die  jungen  Mädchen  zeitig  den
sittlichen  Werth  der  Arbeit  kennen  und  woher  das  Brot
komme;  lasst  sie  Hände  und  Finger  statt  auf  den  unverantwortlich
  viele  Zeit  raubenden  und  noch  dazu  die  Denkfähigkeit
  abstumpfenden  Tasten  lieber  in  Küche,  Vorrathskammer
  und  Garten  rühren;  bringt  ihnen  bei,  daß  die
wahre  Heimat  der  Frauen  nicht  der  Ball-,  Koncert=  und
Opernsal  sei,  sondern  das  Haus  und  die  Häuflichkeit;
lehrt  eure  Töchter  denken,  klar  und  folgerichtig  denken,
und  wär'  es  täglich  nur  eine  Viertelstunde,  nur  fünf

210)  Die  Narrethei,  daß  es  zur  „Bildung“  gehöre,  junge
Mädchen  französisch  plappern  zu  lehren,  hat  im  Jahre  1870  jenes
äffische  Kokettiren  mit  französischen  Gefangenen  zur  Folge  gehabt,
womit  auf  deutschen  Bahnhöfen  gar  häufig  Gänschen  von  Töchtern
mit  ihren  Müttergänsen  wetteiferten,  bis  der  allgemeine  Unwille
dem  Geschnatter  ein  Ende  machte.  Derartiger  Dummheit  —  in
aller  Milde  angenommen,  daß  es  nur  Dummheit  gewesen  —  gebührt
  die  strengste  Rüge.  Man  hat  nicht  vernommen  —  die  Gerechtigkeit
  heischt  dieses  Bekenntniß  —  daß  Französinnen  während
des  großen  Krieges  den  Feinden  ihres  Landes  gegenüber  solche
Blößen  sich  gegeben  haben.  Sie  wußten,  was  sie  den  Gefühlen
ihrer  Nation  schuldig  waren.  Zu  den  ärgsten  Modethorheiten  gehört
  das  Verschicken  junger  Mädchen  aus  Deutschland  in  die  Pensionate
  der  französischen  Schweiz  —  (in  der  deutschen  Schweiz  ist
dieser  Unsinn  ebenfalls  Mode  und  zwar  unter  der  Benennung
„Ins  Welschland  auf  die  Löffelschleife  schicken").  Sie  können  dort
nur  verlernen,  was  sie  allenfalls  zuvor  in  den  heimischen  Schulen
gelernt  hatten,  und  vermögen  schlechterdings  nichts  zu  lernen  von
alledem,  was  einer  gebildeten  deutschen  Frau  und  rechten  Hausmutter
  ansteht  und  ziemt.

20