Full text : Die Begründung des Deutschen Reiches durch Wilhelm I. Fünfter Band. (5)

Beunruhlgende  Nachrichten  aus  Paris  und  Petersburg.  347

theile  nicht  von  der  Entscheidung  eines  Congresses  abhängig
machen.  Man  könne  also  einem  solchen  nur  zustimmen,
wenn  vorher  eine  Basis  feststehe,  welche  Preußen  diese  Vorheile
  sichere.  Der  König  erwarte  von  der  Gerechtigkeit  und
Freundschaft  des  Kaisers  Alexander,  daß  dieser  keine  weitern
Schritte  in  der  Richtung  des  Congresses  thue,  ohne  sich  vorher
  mit  Preußen  zu  verständigen.

Von  dieser  Erwartung  schien  aber  das  Gegentheil  einzutreten,
  als  am  30.  Juli  der  Militärbevollmächtigte  am
russischen  Hofe,  Herr  von  Schweinitz,  berichtete,  daß  Rußland
  auf  dem  Congresse  bestehe  und,  was  besonders  schwer
in  das  Gewicht  fiel,  dafür  bereits  Frankreichs  Zusage  erhalten
  habe.  Wenn  zwischen  Paris  und  Petersburg  ein
solches  Einverständniß  wirklich  geschlossen  war,  so  lag  die
Besorgniß  nahe,  daß  dann  auch  Osterreich  demselben  nicht
fremd,  und  damit  der  ÜUbergang  von  den  Präliminarien  zu
dem  definitiven  Frieden  gefährdet  sei.  Demnach  nahm  Bismarck
  in  energischer  Weise  Stellung  nach  allen  Seiten.  Am
31.  Juli  erging  ein  (von  dem  Könige  genehmigtes)  Telegramm
  an  Schweinitz,  er  möge  bei  dem  Kaiser  in  vorsichtig
freundlicher  Weise  geltend  machen,  daß  es  für  uns  ohne  Revolution
  in  Preußen  und  Deutschland  vollständig  unmöglich
wäre,  auf  die  Früchte  unserer,  mit  Gefahr  der  Existenz  erkämpften
  Siege  zu  verzichten,  oder  die  Gestaltung  Deutschlands
  von  den  Beschlüssen  eines  Congresses  abhängig  zu
machen.  Der  König,  fuhr  die  Depesche  fort,  ist  abwesend;
ich  kann  aber  Sr.  Mojestät  nur  rathen,  wenn  die  Einwirkung
des  Auslandes  auf  unsere  Verhältnisse  schärfere  Umrisse  annehmen
  sollte,  die  volle  nationale  Kraft  Deutschlands  und
der  angrenzenden  Länder  zum  Behuf  des  Widerstandes  zu