Full text : Königlich-Baierisches Regierungsblatt. 1812. (8)

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inzwischen  von  Hause  Bescheid  hätten,  die  Sache  anhängig  zu  belassen,
  und  zwar  einstweilen  solange,  bis  man  sehe,  welchen  Erfolg
  die  vom  Reichstage  beschlossene  Gesandtschaft  an  den  Kaiser
haben  werde.  ').  —

War  somit  auf  dem  Reichstage  selbst  keine  weitere  Förderung
der  evangelischen  Verständnissache  zu  erhoffen,  so  hatte  wohl
überhaupt,  wie  die  Dinge  nun  einmal  lagen,  niemand  mehr  den
Wunsch,  dafs  der  Reichstag  noch  verlängert  würde.  Als  am
18.  August  der  Pfalzgraf  Friedrich,  direkt  aus  Spanien,  wo
er  den  Kaiser  aufgesucht  hatte?),  nach  eiliger  Reise  in  Speier
am  Reichstag  eintraf?),  erregte  seine  Ankunft  lediglich  die  Besorgnis,
  zumal  auf  evangelischer  Seite,  dafs  durch  ihn  allerlei
auf  die  Bahn  kommen  möchte,  was  Änderung  und  Irrung  der  bisherigen
  Reichstagshandlung  nach  sich  ziehen  werde?).  Doch  war
diese  Besorgnis  ohne  Grund;  der  Pfalzgraf  war  vom  Kaiser  keines
bestimmten  Auftrages  an  das  Reich  gewürdigt  worden;  dagegen
hatte  Karl  ihm  bis  zu  einem  gewissen  Grade  einen  Einblick  in
seine  Angelegenheiten  verstattet®).  Der  Pfalzgraf  konnte  daher
dem  Reiche  höchstens  die  Bestätigung  bringen,  dafs  der  Monarch
noch  weit  davon  entfernt  sei,  sich  den  deutschen  Angelegenheiten
in  völliger  Hingabe  widmen  zu  können,  sodals  Friedrichs  Ankunft  in

ı)  Bereits  aber  wurde  von  den  Städten  (worauf  auch  Nürnberg  im  angezogenen
  Schreiben  vom  20.  August  dringt)  eine  Zusammenkunft  zur  Beredung
  des  Weiteren  —  nach  Frankfurt,  in  nächster  Fastenmesse  —  angesetzt.


2)  S.  0.8.  123  fl.

3)  Nürnberger  Relation  vom  19.:  Pfalzgr.  Friedrich  ist  nächten  aus  Hispanien
  angekommen,  hat  „fast  postiert  und  geeilt“.  Nördlinger  Relation
vom  gleichen  Tage:  der  Pfalzgraf  [ei  „eilend  in  postweis*  aus  Hispanien
hieher  gen  Speier  angekommen.  Neuburger  Relation  vom  20.:  der  Pfalzgraf
sei  Samstag  spät  samt  dem  von  Heideck,  Prantner,  Johann  Marie  und  seinen
Scheerer  gesund  per  Post  eingetroffen.  Memminger  Relation  23.  Aug.:  er
sei  eilends  aus  Spanien  gekommen.

%)  Nürnberger  Relation  a.a.0.

5)  Der  Kaiser  schreibt  über  den  Besuch  des  Pfalzgrafen  seinem  Bruder
Ferdinand  unter  dem  27.  Juli  (Beilage  nr.  14):  „luy  ay  communique  auleuns
des  affaires  qui  moccurent  maintenent,  pour  luy  monstrer  confidence,  le
requerant  vous  assister  et  servir  comme  a  moy  propre.  et  en  conclusion  il
est  icy  demeure  peu  de  jours  et  desia  est  party“.  Dieser  letzte  Passus
schliefst  auch  Kluckhohns  Vermutung  (Histor.  Zeitschr.  N.F.  20  S.  214,  1)
aus,  der  Pfalzgraf  möchte  das  kaiserliche  Schreiben  vom  27.  Juli  mitgebracht
haben  (vgl.  übrigens  darüber  unten  Kap.  9);  auch  giebt  bereits  Leodius