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Aber Sie sind schlimm daran, das muß zugestanden werden. Denn Sie können die
Versprechungen, mit denen Sie viele Leute zu sich gezogen und zur Revolution veranlaßt
geben, niemals halten! Sie wissen das heure schon selbst am besten. Sie haben den
euten Wohlleben, geringste Arbeitszeit, höchste Löhne und „Freiheit“ versprochen! Was
das letzte gegen den früheren Zustand sein soll, weiß ich nicht und Sie wohl auch nicht!
In Wirklichkeit, vor dem Auge des klarsehenden Kaufmanns und Volkswirtschafters ert
geben Ihre Versprechungen aber: Stillstand der gesamten Wirtschaft, Aufhören jeder Kon-
kurrenz mit dem Auslande, Verelendung und Sklaverel, Not und Hunger für das arbei-
tende Volk. . Sie haben Soldaten zu eidbrüchigen Verrätern, Deutschland zu einem
hilflosen Wrack, Reche, Gesetz, Ordnung zum Gespött zuchtloser Horden gemacht und für
die Jukunft vernichten Sie den Wohlstand und Wiederaufstieg des deutschen Volkes durch
die irrsinnigen Ideen und Phrasen der „sozialistischen“ Republik.
Dr. Deerenberg erwähnt unter den Versprechungen nicht die des raschen Friedens“
schlusses und der sofortigen Beschaffung der Nahrungs-, Lebens= und anderer Be“
darfsartikel; wie es mit beiden stand, ist schon wiederholt erwähnt. Die Kohlen“
und Kartoffelnot war schlimmer als in den schlimmsten Kriegszeiten unter der
„verrotteten“ alten Regierung. Aber zwei Drittel des deutschen Volkes erteilen
als Jeichen ihrer Reife der neuen Regierung in den Wahlen ein glänzendes
Vertrauensvotum!
Von dem letzten Orittel entfallen 18,36 Prozenk, also wieder fast zwei
Drittel auf das Zentrum, 0,62 auf die Konservativen, 3,8 auf die National"
liberalen. Oie Politik des Zentrums, sein rückhaltloser Anschluß an die Demo“
kratie und an die Sozialdemokratie in der Reichstagsmehrheit, hat den deutschen
Sieg verhindert, hat Kaiser und Reich das Rückgrat gebrochen und hat den
Spartakisjen und Sozialdemokraten in den Sattel geholfen.
So oft der belgische Kardinal Mercier vom Papste zurückkam, trat er noch deutsch“
hetzerischer in Belgien auf als vorher. Deutschlands Friedensverhandlungen mit
der Entente hatten noch nicht begonnen, da nahm der Papft den „freiwilligen“ Ver-
zicht der deulschen Bischöfe Fritzen und Benzler auf Straßburg und Metz an und er
nannte am 27. April 1010 auf Grund des 1801 zwischen der Kurie und Napoleon
geschlossenen und 1905 durch das französische Trennungsgesetz gewaltsam aufge-
hobenen Konkordats die von der französischen Regierung vorgeschlagenen Ruch
und Pelf zu Bischöfen von Straßburg und Metz; vorausgegangen waren päpst"
liche Unterhandlungen mit dem Kirchenfeind und Katholikenfresser Clemenceau
über kirchenpolitische Fragen in Polen, im Balkan und im Orient. Damit hat die
römische Kurie als erste Regierung die französische Staatshoheit über Elsaß-Loth-
ringen amtlich anerkannt, noch ehe sie rechtlich irgendwie bestand. Bei der Ein-
leitung der Heiligsprechung der Jungfrau von Orleans hatte der Papst bereits in
feierlicher Ansprache erklärt: „Wir bedauern, nur dem Herzen nach Franzosen sein
zu können, und wir bitten, ohne in Frankreich geboren zu sein, der Freund Frank-
reichs genannt zu werden“.
In seiner Weihnachtsansprache vom 25. Dezember 1917 hatte der Papft ge-
sagt: „Niemand gibt es, der nicht in den Ereignissen, die sich kürzlich in Jerusalem
abgespielt haben (Einnahme durch die Engländer), eine besondere Bedeutung ert
blicken würde, daß wir an die Völker dringender die Einladung ergehen lassen,
zurückzukehren zu Gott“. Diese harmlosen Worte erhielten eine eigene Färbung
durch die Bemerkungen des päpstlichen Organs, des „Osservatore Romano“, zu
dem gleichen Ereignis. „Dieses Gefühl der Genugkuung (über die Einnahme Jerusa“
lems durch die Engländer) ist um so größer und um so begründeter, wenn wir uns
der vom Geiste der Freiheit und Gerechtigkeit beseelten Handlungsweise Englands