Kosenheimer
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* Fersf#t#echer: Verlag ind Nedaktlon No. 72. Inseralen- Ablellung No 235.
Nummer 272 T Koth.: Katharina
Anzeiger
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HRosenheimer Tagblatt
Amticher Publliafions-Orgar
Sonntag, 25. November 1917
Drot.: Natharina 63. Juheguaq
Das russische Friedens-Ultimatum an die Entente.
Rußlands Leidensweg zum Frieden. — Absetzung des russischen Oberkommandierenden. — Der blutige Zusammenbruch der
englischen Anstürme vor Cambral. — Die Kämpfe in Palästina: Die Engländer auf dem Wege nach Jerusalem.
Die Rregslage.
Abendbericht.
W'h. Berlin, 23. Nov. An der Schlachtfront
südwestlich von Cambrai ist ein erneuler
englischer Durchbruchsversuch unter schwerilen
Verlusten für den Feind gescheitert.
Im Osten keine größeren Kampfhandlungen.
Aus Italien nichts Neues.
warlungen dürfen nicht allzuhoch gespann werden,
will man sich nicht schädl chen Rückwirlungen
aussetzen. Jedenfalls wird man beim Wiederzusammentritt
des Reichstags in nächster Woche
von zusländiger Stelle Auslunft erhalten.
Der Landgreifliche Erfolg des Vorgehens der
Bolscheuili. Regierung liegt zunächit woll darin.
dahß es die Entente. der es ge genwärtig miserab—
ler geht denn je, * langsam auf den Frieden
besinnen macht
das rulsische Iriedensulumalum.
Das Bild der russischen Friedensbewegung
hat seit vierundzwanzig Stunden an Schärfe gewonnen.
Zwar sind es noch immer nicht die amtlichen
Stellen, die über die positiven russischen
Friedensbemühungen berichten, allein die letzten
Meldungen aus russischer Quelle sin# von
solcher Bestimmtheit, daß an der Tatsache der
Friedensinitiative der gegenwärtigen russischen
Regierung kaum noch gezweifelt werden kann-.
Man mag in dem Stillschwei en der deutschen
amtlichen Organe auch eine Bestätigung der russisch
en und neutralen Meldungen finden, denn
nichts scheint natürlicher, als daß diese den in
Fluß gekommenen Ereignissen nicht vorgreifen
lönnen und wollen.
Einer Stockholmer Meldung zufolge berichtet
das russische extreme sozialistische Blatt „Narodnaja
Wolja“, daß die Bolschewikiregietung
Trotzky, den gegenwärtigen Außenminister, beauftragt
habe, an die Entente eine Note zu richlen,
in der diese zu einer Revision ihrer Kriegsziele
aufgefordert wird. Sollte Rußland bis
zum 23. Nov. keine Antwort erhalten, so stellt
sich die Volschewiliregierung auf den Standpunlt,
für sich Handlungsfreiheit zu haben. Sie
würde in diesem Fall mit den Zentralmächten
einen Sonderfrieden schließen.
Wi bhaben es hier also mit einem ausgesprochenen
Ultimatum an die Entente zu tun. Worauf
es den Bolschewili in der Hauptsache aulommt,
ist die Herbeiführung en allgemeinen
Friedens. Will die Entente einen solchen nicht
nun dann werden sie eibrem Friedensdrang durch
den Abschluß eines Sonderfriedens Geltung verschaffen.
s
Die Frage ist nur, ob die gegenwärtigen
Mackthaber in Nußland, die Vertreter der Arbeiter,
Soldaten und Bauern, auch die Macht
besitzen, ihre Friedensforderung durchzudrücken.
Machtmittel, ihren Bundesgenossen den Friedensgedanken
aufzuzwingen. besitzen sie nicht.
Ob sich die Bolschewiliherrschaft behaupten lann,
steht noch keineswegs fest.
Eine weitere Frage ist, wer bei Abschluß eines
Sonderfriedens mit Rußland der gewinnende
Teil wäre. Gewiß, auch wir hätten große Vorteile,
besonders nach der Richtung der militärischen
Jewegungefreibeit, aber in der Hauptsache
liegt der Friede doch in dem eigenen dringenden
Bedürfnis Rußlands. Zu Beginn der
russischen Revolution, im März dieses Zoahrres,
wäre der Fall noch wesentlich anders gelegen.
Aus# all dem eht hervor, daß man auf unserer
Seite ginem ause ischen Friedensangebot, sollte es
in der Tat erfolgk sein, mit größter Nüchternheit
und Besonnenheit begeguen muß. Die Er-
die Vorgäuge in Roßlaud,
Ein russs. Friedens-Ultimatum.
Die „Wolia Narrda“ meldet, daß Trotzky,
der derzeitige russische Minister des Aeußern,
den kriegsübrenden Mächten eine Ergänzunge.
nole gesandt hat, in der er die verschiedenen Ne
gierungen auffordert, ihre Kricgsiele unverzüglich
zu revidieren; er teilte den Verbündeien
mit, daß sich die russische Regierung, wenn sie
nicht bio zum 23. November Antwort erhaiie,
für berechtigt hält, einen Sonderfrieden Fu
schliefen und dann Neutralität zu bewahren.
Duchonin ist also von der maxünal'#tischen
Regierung algeseltrt und durch den Fäh#ri-Cryienko
ersezt worden. Es frägt iich nur, ob
Duckonin sich seine Kaltsiellung gesallen lassen
und ob er dann uber die Mittel verfügen wird,
seinen Willen gegen die Regierung durckzusetzen.
Andererseito muß abgewartet werden,
ob die Bolschewil jetzt tatsächlich die Herren der
Lage sind und sich behaupten lönnen. Einmwei
leu isl noch alles verworren und ungelklärt. Gar
viele Nachrichten liegen über die Vorgänge in
Rußland vor, bei denen eine Nachprüfung ni.l!
möglich ist.
Oespyerreich Ungarn und das
ru ssische Friedenangeb ot.
Auf eine soz. Interpellation über das russiche
Waffenstillstandsangebot erllärte Ministerpräsident
v. Seidler im Reichsrat: Auf Grund
von Mitteilungen des Ministers des Aeußern
ist bis zur Stunde kein Waffenstillstandsangebot
an der Ostsront ersolgt. Sollte ein solches ergehben,
so wird die l. u. k. Regierung dasselbe
sofort gemeinsam mit den Bundesgenossen einer
wohlwollenden Prüfung unterziehen. Annehmbare
Vorschläge werden angenommen. (Zur#-schenrufe.
Der Minister des Aeußern fügte jedoch
bei, daß die in Gärung befindlichen ungeklärten
russischen Verhältnisse noch nicht llar
erkennen lassen, ob die Friedenspartei tatsächlich
wird ihren Willen durchsetzen können. Ich
bitte das Hohe Haus, diesen? Mitteilung zur
Kenntnis nehmen zu wollen. ustimmung.
Ini ungarischen Wygeeordnetenhaus erllärte
Ministerpräsident Dr. Wekerle auf eine Anfrage
üler das russische Friedensangebot folgendes:
Wir haben keine unmittelbare Verbindung mit
Rußland, sondern wir erhalten die Nachrichten
teils über Stockholm, teils über andere skandinavische
Länder. Die in den heuligen Blättern
enthaltene Nachricht hat bisher keine amtliche
e#teligung erhallen. Jedenfalls müssen wir uns
Gicherheit verschaffen in der Richtung, ob derjenige,
mit welchem wir verhandeln, eine Macht
vpon dauerndem Charaller vertritt. Abgesehen
imon wird natürlich die Friedensbereitschaft un-»t
Vorgelen leuen.
Alsetzung der russischen
Lberbesehlohaberes.
Fien, 2;3. Nov. Meldung dis l. k. Tel.-und
Korr.-Bureaus. Lenin tekegraphierte an
die Soidaten und die Matrosen der russischen
Armee, der Rat der Vollskommissäre habe den
Oberlommandierenden Duchonin am 20. Nov.
beauftragt, allen Kriegsulrenden einen Waffenilis
Duchonin, dem diese
im am 20. November. mittags zugesiellt
worden sei. habe darauf bis zum 21. November
nicht geantworiet, worauf Lenin im Auftrage
des Rates der Volloiommissäre von Duchonin
Aufliärung verlangte. Da dieser ausweichend
antwortele, sei ihm befchlen worden, das Verlangen
nach einem Waffenilillstand unwerzäglich
auemfübren, woranf er sich latagorisch weigerte,
sich dieses Auftrages zu emtiedigen. Der Rat der
Voliolommissäre enthob ihn darauf seines Poleus
ale Oberbefehlshabers und ernannie Cry
iento zum O beriommandierenden.
Die Eniente -Votschafter in Velersburg.
Aus dem Vorgehen der Bolscheuili scheinen
die Boisch after der Verl undeten Rußlande
u smnusqende uoqckukqut gezogen zi haben.
Der „Matin“ meidet: „Die russische Negierung
hat den Chiffre Verlehr der Böichaster in Petersburg
unmöglich gemacht. Die Telegraphennerbindungen
der Boischafter, fin nach Gerüchten
unter Kontrolle geielli. Die Nachprüfung der
(Uerüchte ist nicht moglich, da der direkte Ver
lehr der Pariser Regierung mit der Petersburger
Votschaft wieder unterbrochen i#ll.“ Das
„Journal de Geneve“ behauptet mit Bestimmt
heit, daß die Entenlebotschafter Petersburg verlassen
haben.
Buchaunan hat Petercburg
verlassen.
Nach dem „Jon#mal de Geneve“ hat der eng-1
lische Botschafter Buchanan Petersburg verlassen.
6#
Russische Geheimalten. "*
Aus Petersburg wird gemeld:it: Trotzli erllärte,
er habe geheime diplomatische Aktenstücke in
seinem Besitz und würde sie demnächst veröf
sentlichen.
Die russische Not.
„Nowaja Schien“ teilt mit, daß der Nat
der Voltlslommissare von der russischen Armee
die Nachricht erhiell, e: sehle an Brot und die
Hungersnot greife um sich. Nach mehreren Petersburger
Zeitungen bat der Oberbefehlsha:
ber der Westfront telegraphisch um beschleunigte
Maßnahmen zur uschen von Pro
viant für die Armeen.
D
Der Borschlag der russischen
Regierung.
Peteroburg 25 1. Vio. (Peferburqer T—
legraphenagentur Eril- rung an die #tlfaf
ber. He tßer # orsschaft- et! Ich hal 1 die oꝛ **
mit diesen Zeilen miliuteilen, daß der Ko
der Generalränln der Arbeiter Soldate .
Ba uernabgeordnelen ganz Rußlands
Okrober (3. November eine neue Regier
der Republik ganz Rußlands gründete, die ei
Nat der Vollsbeauftragten darstellt. W.
Jlitsch Lenin wurde zum Vorsitzenden der N
gierung bestimmt. Die Politik it meiner Sergfalt
anvertraut, der 5 zum Beauftra dien fur
die auswärtigen Angelegenhei ten beue.
Judem ich Ibrer Aufmerlsamteil, Le "1 Voschafter.
solgenden von dem Kon greß der Ge
neralräte der Abgeordneten gebilligien Wor
laut unterbreite, der Vorschläge für eine
fenstilliand und für einen demotratischen, aur
dem Grundsatz der Unabhängigleit der Völer
und ihres Rechtes, ihre Entwichung selbit
stimmen, gegrundeten Frieden ohne A#ner
und ohne Kontribmionen enthait. habe i
Ehre, Ihnen vorzuschlagen, d ar-Schriftiiuck
als amtlichen Vorschl ⅛
tigen Waffeum ilitand:? an allen F
des sof erugen Ein er ens in Fricdensder
mngen anzusehen. Die Regierung der Neu##
blil ganz Rußlande mack die#en
allen Vollern und iuren "
-1«wsr«’sols-·«7«r,«i.
Indus-eiltenmdpdus1s 1. 12
der Generalrate. dem fra lu sisclen
--
Wi
zeaern
der gie
Volle
näch einem Frieden zu verlangen. we un-Frnalie
kriegfuhrenden, ausgebluneten und
durch das Gbenienel erschpften Noller1
Der Volislenuftragte fur Answarige: Angeler
genheiten: L. Trosin.
Ler neue englische Durchbrunsvetsoch.
Der engliche Duchbruchsversuch in der Ri.h
tung auf Cambrai ill nach dem üblichen ernen
zur Regel gewordenen Anfange orfola, trotz den
Einsatc# ungezählter englischer D#i#son#
und trotz gruppenweiser Verwe ndung von
mehreren hundert Tauls blutig gescheiter:. Der
dritte Tag dieser Schlacht war ein voller Er
folg der deutschen Truppen. Die Verlune der
Feindes waren an alen drei Kampftagen alßer
gewöhnlich schwer. Die neue Offemive der E: 9.
länder auf Cambrai ist ein Beweis dafür. da
der englischen Obersten Heeresleitung allmält icn
die Erleuntnis aufgegangen ist von der Stärle
und Unüberwindlichkeit der deutichen Flandern
front und der Unmöglichleit, dort ihr enlsche'
dendes operatives Ziel, die deutsche 1I Bootsbasis
zu erreichen. Sie ist zugleich ein Eingeständnis
der schweren dauernden Niederlagen,
die das an Zahl und Material ofelfach überle
gene britische Heer in den viermonatlichen an
dauernden Großlämpfen trotz de: Einsaues von
weit mehr ais 11. Millsonen Mann unter urgr
heuren Massenopserni im Kampfe um die deutsche
1 ootsbosis im slandrischen Sumpsgebtet er-
lilten hat.