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naturgemäß nur das Werk von Generationen sein
kann, der Produktionssteigerung ziemlich enge Grenzen
ziehen. Die Vermehrung der Getreideerzeugung
über den eigenen Bedarf hinaus erfordert aber eine
Anregung durch gesicherten Absatz zu lohnenden Preisen.
Bezeichnend hierfür ist z. B., daß sich die Erzeugung
Ungarns seit einer Reihe von Jahren annähernd
innerhalb des Bedarfs des mit Osterreich
gemeinsamen Zollgebietes hält, nicht zuletzt deshalb,
weil ein regelmäßiger stärkerer Ausfuhrüberschuß die
Ausnutzung der Zölle im Preise verhindern würde.
Wichtig ist ferner, daß auch schon in Friedenszeiten
der Ausfuhrüberschuß der erzeugenden Länder nach
den verbündeten Ländern mit Einfuhrbedarf geht, weil
sich die Güterbewegung während eines Krieges nur
mit Schwierigkeiten neuen Verkehrsstraßen anpaßt.
Rohstoffe. Von den industriellen Rohstoffen stehen
Baumwolle, Schafwolle, Metalle und Kautschuk in
erster Reihe. Schon vor dem Kriege hat sich die Textilindustrie
lebhaft um die Ausdehnung des Baum.
wollbaues außerhalb der Vereinigten Staaten bemüht,
um aus der Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten
herauszukommen, deren Produktion nicht mehr viel gehoben
werden kann, während der Eigenverbrauch mit
der Zunahme der dortigen Bevölkerung und der Entwicklung
der eigenen Textilindustrie beständig zunimmt.
Anbauversuche in Kleinaßeen waren sehr erfolgreich,
und die natürlichen Bedingungen für den
Baumwollbau sind in Mesopotamien, wenn erst einmal
Bewässerungsanlagen hergestellt sind, durchaus
gegeben. Sowohl der Balkan wie Kleinasien verfügen
über große, zum größten Teil aber noch nicht erschlossene
Erzreichtümer. Die Wollschafzucht ist in der
Türkei noch sehr steigerungsfähig, und mit Ausnahme
rein tropischer Produkte, die ja zum Teil nur Genußmittel
sind und daher entbehrt werden können, dürfte
Mesopotamien die meisten Bodenerzeugnisse liefern
können, wobei übrigens selbst in bezug auf Kautschuk
keineswegs das letzte Wort gesprochen ist.
Kapitalanlagen. Eine Steigerung der Erzeugung
hat natürlich auch die Investition von Kapital
ur Voraussetzung, woran industrielle Länder übersß-.
Länder der Rohproduktion Mangel haben; für
den Vierbund kommen das Deutsche Reich und Österreich
als Geldgeber, Ungarn, Bulgarien und die Türkei
als Geldnehmer in Betracht, ein Verhältnis, das
schon vor dem Kriege bestand, sich nach dem Kriege
aber in verstärktem Maße herausbilden wird. Viele
Deutsche, die sich vor dem Kriege im jetzt feindlichen
oder unfreundlich neutralen Ausland wirtschaftlich
betätigt und dort durch den Krieg die schwersten materiellen
Verluste erlitten haben, werden es sich selbst
für den Fall, daß sie diese teilweise ersetzt erhalten,
zweimal überlegen, ihre Tätigkeit dort wieder aufzunehmen;
in vielen Fällen werden hierfür überhaupt
die Voraussttungen fehlen. Gerade diese Kräfte, die
sich als deutsche Auslandspioniere schon bewährt haben,
werden sich gerne einem Betätigungsfelde zuwenden,
das ihnen die Sicherheit gibt, die schlimmen
Erfahrungen des Weltkrieges nicht etwa noch einmal
machen zu mlssen.
Formen des wirtschaftlichen Iusammenschlasses.
All dies drängt dazu, die politische Gemeinschaft auch
durch eine wirtschaftliche zu ergänzen ohne Rücksicht
darauf, ob uns deftr guemmeeseleh durch das Verhalten
unsererjetzigen Feinde aufgezwungen wird oder
nicht. In der Form dieses Zusänzmenschlufses wird
man aber kein gleichmäßiges Schema anwenden kön-I.
Politik und Geschichte
nen. Sie vermag zwischen Ländern fortgeschrittener
wirtschaftlicher Entwicklung, wie dem Deutschen Reich
und ÖOsterreich-Ungarn, viel enger zu sein als zwischen
diesen und den Balkanländern sowie der Türkei, die
noch auf einer ursprünglicheren Stufe stehen.
Deutschland und Österreich-Ungarn. Ein
wirtschaftlicher Zusammenschluß Deutschlands mit
Osterreich--Ungarn hat eine fast siebzigjährige Vorgeschichte.
Anfangs der fünfziger Jahre des vorigen
Jahrhunderts suchte Osterreich den Eintritt in den
preußisch-deutschen Zollverein; wie dieser Versuch
hauptsächlich durch politische Momente bestimmt war,
so wurde er von Preußen aus Gründen, die auf dem
leichen Gebiete lagen, abgelehnt. Der österreichische
Landels- und spätere Finanzminister Baron Bruck
schlug einen völligen Zusammenschluß mit einer allmählich
abzubauenden Zwischenzollinie vor. Auch
heute hat dieser Gedanke insbesondere in Osterreich
manche Anhängerjzes hatsich freilich herausgestellt, daß
die wirtschaftliche Entwicklung des letzten halben Jahrhunderts
die Durchführung eines solchen Planes keineswegs
erleichtert hat. Während in Osterreich ein Teil
der Industrie fürchtet, durch den Wettbewerb der unter
günstigeren Produktionsbedingungen arbeitenden
rei vdeutschen Industrie erdrückt zu werden, glaubt die
Großindustrie des Deuischen Reiches, daß die Gemeinsamkeit
der Handelspolitik den Ausfuhrinteressen der
deutschen Industrie, für die Osterreich-Ungarn ein verhältnismäßig
bescheidenes Absatzgebiet darstellt, nicht
genügend werde Rechnung tragen können. Ein anderer
Plan, der vom mitteleuropäischen Wirtschaftsverband
und zahlreichen Volkswirtschaftlern vertreten wird, geht
dahin, daß die beiden Wirtschaftsgebiete sich zolltarrfarische
Zugeständnisse machen sollen, die nicht unter
den Begriff der Meistbegünstigung fallen (Präferenzsvstem),
wogegen vielfach eingewendet wird, daß dies
den Abschluß von Handelsverträgen mit anderen Staaten,
auf den man angewiesen sein werde, erschweren
würde. Großer Wert wird insbesondere von österreichisch-ungarischer
Seite auf Bestimmungen über
den gemeinsamen Abschluß von Verträgen mit dritten
Staaten und auf Vereinbarungen, die einen rücksichtslosen
Wettbewerb der Verbündeten auf dem Balkan
und in der Türkei hintanhalten sollen, gelegt. Ferner
sind eine Angleichung auf dem Gebiete des Rechts, was
für die kaufmännischen Kreise praktische Bedeutung
hat, und eine Ausgestaltung des Verkehrswesens, insbesondere
ein Ausbau der Donaustraße und ihr Anschluß
an das mitteleuropäische Wasserstraßennetz, in
Aussicht und teilweise auch schon in Angriff genommen.
Balkan und Türkei. Auf dem Balkan und in
der Türkei werden sich die beiden Mittelmächte in die
Aufgaben der wirtschaftlichen Erschließung teilen
müssen, wobei Osterreich-Ungarn durch seine geographische
Lage, Deutschland durch seine größere Finanzkraft
und industrielle Entwicklung begünstigt ist.
Im Orient sind wirtschaftliche Fragen stets ein Politikum
gewesen. Die militärische Stärke jedes Staates
hängt von seinen wirtschaftlichen Hilfsmitteln und
dem Stande seiner Finanzen gewiß nicht ausschließlich,
aber doch in hohem Maße ab. Die Verteidigungsfähigkeit
der Türkei fordert auch, wie wir in diesem
Kriege deutlich sehen, den Ausbau seines Bahnnetzes.
Zur Lösung dieser Aufgaben ist die Türkei aber nur
mit Unterstützung der Mittelmächte befähigt.
Jnteressen= und Machtpolitik. Die Interessengemeinschaft
ist es, die den Weiterbestand des Bundesverhältnisses,
das sich im Kriege gebildet hat, auch für