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getreu, glaubte Nichts gethan zu haben, wenn er nicht das feindliche Heer
gänzlich aufgerieben hätte. Vergebens stellten ihm alle seine Generale vor, daß
er Unmögliches von seinen Truppen erheische, und da sich selbst Seydlitz, dessen
sonst so kecker Muth zu jedem Wagniß geneigt war, sich in derselben Weise
erklärte, so hätte der König von der Nothwendigkeit einzuhalten überzeugt sein
müssen. Schon wankte er auch in seiner Ansicht, da wendet er sich mit der
Frage: „Wedell, was meint er?“ an den Mann, der schon einmal durch den
Mangel an Umsicht eine schwere Niederlage für das preußische Heer herbeigeführt
hatte, und auf seine Zustimmung zur Fortsetzung des Kampfes ertönte von
Neuem das verhängnißvolle „Marschl“
Vor Allem handelte es sich um eine große Batterie, welche das Schlachtfeld
wirksam bestrich, und von deren Besitz daher der Erfolg dieses letzten Angriffs
abhing. Die Russen, bestürzt über einen Reiterangriff des Prinzen von
Würtemberg, hatten sie verlassen. Nur hundert und funfzig Schritt etwa waren
die stürinenden preußischen Grenadiere von diesem wichtigen Punkte entfernt, da
warf Laudon, jetzt nicht mehr durch die preußische Reiterei gehemmt, seine
frischen Truppen in die verlassenen Schanzen, und von Neuem schmetterten
todbringende Kartätschenlagen in die Reihen der von maßlosen Anstrengungen
erschöpften Krieger. Ihre bisher geschlossenen Reihen theilten sich und erlitten
durch Laudons Reiter furchtbaren Verlust.
Ein anderer Punkt, auf welchem der König den vollständigen Sieg begründet
sah, war der sogenannte Spitzberg, eine steile Hohe, zu welcher ein
tiefer Grund von 400 Schritt Länge und 50 bis 60 Schritt Breite hinaufführte.
Auch hier mißgluckte der Versuch, und trotz der wiederholten muthigen
Angriffe blieb der gefahrliche Posten in den Handen der Russen. Unaufhörlich
wüthete nun das Feuer der Gegner in den Reihen der erschöpften Preußen.
Vergebens strengte General Finck, dessen Tapferkeit bisher überall die Feinde
hatten weichen müssen, alle seine Kräfte an; vergebens durchbrach Seydlitz mit
seinen sieggewohnen Reitern, was sich von Truppen ihm entgegenwarf, und
eroberte sogar Batterien — auch er und seine Schaaren ermatteten zuletzt in
dem ungleichen Kampfe, besonders, als der unerschütterliche Führer selbst verwundet
das Schlachtfeld verlassen mußte. Sein Schicksal theilte der Prinz
Eugen und die Generale Finck und Hülsen, andere deckten todt die Wahlstatt.
Der König selbst gerieth persönlich in die größte Gefahr. Zwei Pferde
wurden unter ihm erschossen; ihn selbst traf eine feindliche Kugel, doch ein
goldenes Besteck in seiner Tasche hemmte ihren tödtlichen Lauf. Ein drittes
Pferd wurde verwundet und unbrauchbar; er nahm das seines Flügeladjutanten.
Da bestürmte der Generaladjutant Oberst von Krusemark nebst dem ganzen
übrigen Gefolge den Monarchen, den gefährlichen Ort zu verlassen, ohne jedoch
Eindruck auf ihn zu machen; denn er erwiederte ihnen: „Wir müssen Alles
versuchen, um die Schlacht zu gewinnen, und ich muß hier so eut wie Ihr
meine Schuldigkeit thun.“ 1