J. Die neue Aera. 345
bereiten, die ehemalige Linke dem Wahlkampf selbstverleugnend
fern geblieben war. Dennoch beunruhigte den Prinzregenten
das Wahlergebnis: nicht eine freudige Zustimmung zu seinem
Programm entnahm er ihm, sondern daß man seinen Worten
einen anderen Sinn unterlege und ihm durch die Minister,
deren Parteigenossen die sichere Mehrheit hatten, weitere Zugesiändnisse
abdringen und ein die Vergangenheit rückhaltlos
verleugnendes liberales Regiment aufnötigen wolle. Ihm selbst
wurde der Widerspruch, an dem die neue Aera krankte, damit
bereits unbehaglich fühlbar, zumal der Wandel in Preußen
auch auf die übrigen deutschen Staaten mächtig einwirkte.
Ueberall wurden die so lange als aussichtslos ruhenden nationalen
Bestrebungen, die auch für den Prinzen eines revolutionären
Beigeschmacks nicht entbehrten, eifriger und planmäßiger als
früher erneut. Es schien fast, als ob, wie einst Radowitz
gewollt, die Wiederaufnahme der deutschen Frage zur Lösung
der preußischen beitragen solle, während Bismarck vergeblich
darzuthun suchte, daß jene nur von dem Standpunkt der
europäischen Politik aus angegriffen werden könne, ihre Lösung
aber die der anderen einschließen werde.
Am meisten und dankbarsten empfand man den Segen
der neuen Aera in dem Gebiete des geistigen Lebens. Die
Presse konnte wieder ihre hohe und verantwortliche Aufgabe
erfüllen. Eine große Zahl bisher ruhender Talente wurde
durch sie der politischen Tagesarbeit gewonnen und immer
weitere Kreise zu verständnisvollerer Teilnahme daran gebildet.
Getreu ihrem in einer großen Vergangenheit wurzelnden
Berufe konnten die Universitäten wieder nicht bloß die
Wissenschaften, sondern auch deren Verbindung mit dem gesamten
nationalen Leben pflegen. Aus den Reihen ihrer aus
politischen Gründen so lange zurückgesetzten Lehrer erstanden der
neuen Aera einige der tüchtigsten Vorkämpfer und Mitarbeiter.
Der Historiker Mar Duncker, einst wegen seiner vernichtenden