1162 Schwaben u. Neuburg.
berg, Pfarrdorf im Landkapitel Stiefenhofen, gehörte mit dem Kirchensatze
zur Grafschaft Königseck-Rothenfels und war eine ausgedehnte Pfarrei, auf
welche, wie jetzt die Krone Bayern, die frühern Grafschaftsinhaber das Patrenatsrecht
besaßen.
Achtzehntes Kapitel.
Bezirksamt Wertingen mit dem gleichnamigen Laudgerichte.
Dieser Amtsbezirk ist zusammengesetzt aus der ehemaligen kurbayerischen
Cabinets Herrschaft Wer tingen und Hohenreichen, aus dem Hochstift-Augsburg'schen
Pflegamte Westendorf, aus dem Domkapitel'schen Pflegamte
Zusamaltheim, aus dem Reichsstift Kempten'schen Orte Binswangen,
aus dem zum Damenstift St. Stephan in Augsburg gehörigen
Amte Pfaffenhofen, aus dem Kloster-Kaisheimischen Pflegamte Ober-=thürheim
mit Unterthürheim, aus mehreren Orten, wovon die Klöster
St. Ulrich, Heiligkreuz und St. Katharina Ortsantheile besassen, aus dem
größern Theile des burgau'schen Pflegamtes Butteuwiesen und aus den
ehemaligen Patrimonial-Gerichten Holzen und Meitingen.
Hier folgen die geschichtlich bedeutsamern Orte des Bezirksamtes: Wertingen,')
Stadt im gleichnamigen Landkapitel an der Zusam, kam nach dem
Abgange der Hohenstaufen in verschiedene Hände, in die der von Hohenstein,
von Oettingen, der bayerischen Herzoge 2c. Von Herzog Ludwig dem Strengen
von Bayern, welchem der ganze Ort mit dem Schloße von dem letzten
Hohenstaufen Konradin zufiel, gelangte derselbe lehnweise an die Truchsesse
von Hohenreichen, welche diesen ihren lehnbaren Besitz 1318 an den Augsburger
Bürger Johann Langenmantel verkauften. Von dieser Familie überließ
Wilhelm Wertingen mit Zugehörden als bayer. Lehn dem Erbmarschall
Mang in Hohenreichen im Jahre 1467, nachdem dasselbe zweimal, 1388 und
146.4, durch Brand verunglückt war. Nach dem Aussterben dieser Familie
im Jahre 1700 zog Bayern das Lehn an sich und bildete daraus die zwei
Cabinetsherrschaften: Wertingen und Hohenreichen, welche unter dem
Kurfürsten Max Emanuel nach der Schlacht bei Höchstädt oder Blindheim
1701 von Kaiser und Reich eingezogen und dem Fürsten von Lobkowitz als
Reichslehn verliehen, aber in Folge des Rastadter Friedeus 1714 au Bayern
wieder zurückgegeben wurden. Auch das Kirchenlehn war ein herzoglich bayerisches
und denselben Wechselfällen, wie die Herrschaft unterworfen. Wertingen,
welches in wohlbebauter und getreidreicher Gegend liegt, hat ein Schloß,
ein Armenhaus, vier Viehmärkte und ein Stadtwappen mit einer gewöhnlichen
zweithürmigen Kirche. Die Stadt ist der Hauptort und Sitz des kgl.
Bezirksamtes, eines Landgerichtes, Rentamtes und Pfarramtes. Allmanns-1)
Raiser's Mappen der Städte u. Märkte S. 84, Nr. 12 u. S. 95 ½ 96.