Herrzsere's politische Stellung. sein Sturz. Die Politik in der Akademie. 515
eine Abhandlung über das zweite Jahr des Königs folgen und hielt
am Geburtstag des Königs eine hochpolitische Rede (a.a.O.); im
Jahre 1789 las er ein Memoire über das dritte Jahr des Königs »et
pour prouver que le Gouvernement Prussien n'est pas despotique«
(Memoires 1787, erschienen 1792), im Jahre 1790 eine Abhandlung
über das vierte Jahr und »sur la noblesse hereditaire« (a.a.O.) und
im Jahre 1791 endlich ein Memoire »sur les revolutions des Etats, externes,
internes et religieuses« (a. a. O.). HERTZBERG feierte in diesen
Diseursen die freiheitlich gestaltete Monarchie im Gegensatz zur
Despotie und die Segnungen der Öffentlichkeit und anderer moderner
Güter; aber er suchte auch Staat und Regierung zu einem Gegenstande
freudiger Wertlischätzung für alle Gebildete zu machen. Besonders
aber lag ihm daran, seine politischen Ideen überall zur Geltung
zu bringen und einen aufgeklärten preussischen Patriotismus zu erwecken.
In weiten Kreisen, selbst im Ausland, fanden seine Reden
Widerhall; wie sollte er ihnen in der Akademie fehlen? War sie
doch gewohnt, sich keiner Weisung, die von oben kam, zu entziehen,
und hier traf die eigene Gesinnung mit den Wünschen des Ministers
zusammen. Als nun gar Jdurch das schlimme Religionsediet von 1788
in der religiösen Frage alle Hoffnungen zerstört waren, die man auf
das neue Regiment gesctzt hatte, klammerte man sich um so fester
an die Aussichten, die in politischen Dingen eröffnet schienen. Ein
bisher fremder politischer Zug zeigte sich in den akademischen Festreden.
Der alte Former hielt am 27. September 1787 beim- Beginn
der Verwicklung Preussens mit den Niederlanden eine Rede gegen die
Generalstaaten und feierte die preussische Monarchie im Gegensatz
zur Republik'. Ungleich tiefer und wärmer hat Enerı im Hinblick
auf den Fürstenbund Preussens Bedeutung für Deutschland hervorgehoben:
»Erkannten nicht auch wir in dem Vortheile des Vaterlands
(Deutschlands) den unsrigen (den preussischen), und machte
nicht dennoch dieser Bund tieferen Eindruck auf uns, als ihn jeder
andere, auch mit den ersten Mächten Europas, würde gemacht
haben? Waren die Glückwünsche nicht allgemein, dass unsere Brüder,
durch gleiches Blut, gleichen Geist, gleiche Sprache uns theuer, sich
so uns anschlossen? so uns Herzen und Hände boten? so in unserer
Treue und Macht ihre Sicherheit fanden?« Und am Schlusse der Rede
hebt Eneer unter allem dem Edlen und Guten, worin das preussische
Volk unter Frienrıcn Wırneım’s Regierung scin Lob finden möge,
! Memoires 1786/87 p-31fl.
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