Full text : Rosenheimer Anzeiger. 62. Jahrngang (62)

Rosenheimer  Anzeiger

 

 

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Rosenheimer  Tagblatt

Amtlliches  Publikakions-Organ

 

NMummer  14  Kathollsc  Kanut,  Marus.

Mittwoch,  19.  Jannar  1916

###u  Sara.  s  62.  Jahrgans

Bedingungslose  Kapitulation  Montenegros.

Vor  den  Friedensverhandlungen.

Der  Reichstag  über  Militärfragen.  —  Neuerliche  Kampfpause  an  der  befsarabischen  Front.  —  Das  Ende  des  montenegrinischen
Feldzuges  und  dle  Bitte  Montenegros  um  Frieden.  —  Griechenland  verlangt  den  Abzug  der  Engländer  und  Franzosen.  —
Die  Vedrohung  Atheus  darch  den  Vilerverband.  —  Die  Hetze  gegen  den  König  von  Griechenland.  —  Die  ruffischen  Niederlagen
im  Kankasus.

Die  Unterwerfung  Montenegros.

Durch  Extrablatt  bekanntgegeben  am  Montag,  den  17.  Januar,  nachmitt  ½5  Uhr.

Die  riegsiage.
WITB.  Großes  Haupk  quartier,  den
17.  Jan.,  vormittags.  Amtlich.

Westlicher  Kriegsschauplatz.
Keine  wesentlichen  Ereignisse.  In  der  Stadt
Lens  wurden  durch  das  feindliche  Artilleriefeuer
  16  Bewohner  gelötet  und  verwundet.

-u.  Gestlicher  Kriegss####pla.

Schneestürme  behinderten  auf  dem  größeren
Teile  der  Front  die  Gefechtstätigkeit.  Es  fanden
  nur  an  einzelnen  Stellen  Patrouillenkämpfe
statt.

Valkan-Kriegsschauplatz.
Nichts  Neues.
Oberste  Heeresleitung.

L□  2  n
Der  amtliche  österreichische  Bericht.

W'N.  Wien,  17.  Jan.  Amtlich  wird  verlautbart:


Ruffscher  Kricgss##la.“

Die  an  der  bessarabischen  und  ostgalizischen
Front  angesegten  russischen  Armeen  haben  auch
gestern  eine  Wiederholung  ihrer  Angriffe  unterlassen.
  Es  herrschte  im  allgemeinen  Ruhe.
Nur  ösllich  von  Rarancze  vertrieben  unsere  Truppen
  unter  beftigen  Kämpfen  den  Feind  aus
einer  vorgeschobenen  Stellung,  schütteten  seine
Gräben  zu  und  spannten  Drahthindernisse  aus.

Im  Bereiche  der  Armee  des  Erzherzogs  Josef
  Ferdinand  wurden  drei  russische  Vorstöße
gegen  unsere  Feldwachenlinie  abgewisen.

Staltenisser  Koiensis##iean.

Die  Geschützkämpfe  an  einigen  Punkten  der
küstenländischen  und  der  Tiroler  Front  dauern
sort.  Der  Kirchenrücken  von  Oslavija  wurde
von  unseren  Truppen  wegen  des  dorthin  rereinigten
  feindlichen  Artilleriefeuers  wieder  geräumt.


Im  Görzischen  zwangen  unsere  Flieger  mehrere
  italienische  Fesselballone  zum  Niedergehen
und  bewarfen  italienische  Lager  mit  Bomben.

Des  Stelko.  des  Chef#  des  Tbeneralstal#
non  Oblen  Feldmarscho-Ventvan.

s  i
Ein  italienisches  Eingeständnis.
Lugano.,  17.  Jan.  „Secolo“  meint,  die
Entente  könne  König  Nikolaus  leine  Vorwürfe
machen,  wenn  er  von  allen  verlassen  in  einem
Dilemma  zwischen  Eril  und  Frieden  für  den
Frieden  sich  entscheidet.  Dae  Blatt  enthüllt
lei  dieser  Gelegenheit,  daß  der  Plan,  217/000
italienische  Freiwillige  im  Herbst  1914  zischen
Gudua  und  Antivari  zu  landen  und  Train  dem
Serbenheere  zuzuführen,  der  durch  zwei  hobe
italienische  Offiziere  ausgearbeitet  war,  in  12.
Stunde  nur  daran  scheiterte,  daß  die  italicnische
Regierung  damals  den  Schein  der  Neutralität
zu  lemahren  wünschte.  (J.)

 

WIB.  Wien,  17.  Jannar

Amtlich  wird  verlautbart:

Der  König  von  Montenegro  und  die  montenegrinische
  Regierung  haben  am  13.  Jannar  um  Einstellung
  der  Feindseligkeiten  und  Beginn  der  Friedensverhandlungen
  gebeten.  Wir  antworteten,  daß  dieser
Bitte  nurnach  bedingungsloser  Waffenstreckung  des  montenegrinischen
  Heeres  entsprochen  werden  könne.  Die
montenegrinische  Regierung  hat  gestern  die  von  uns
gestellte  Forderung  bedingungsloser  Waffenstreckung

angenommen.

WTB.  Budapesl,  17.  Jan.  Im  Abgeordnetenhause
  erhob  sich  in  der  heutigen  Siyung
Ministerpräsident  Graf  Tisza  und  sagte:  Ich
bitte  um  die  Erlaubnis,  die  Verhandlungen
mit  der  Mitteilung  unterbrechen  zu  dürfen,
daß  der  König  und  die  Regierung  von  Montenegro
  um  die  Einleitung  von  Friedensverhandlungen
  baten.  Als  Antwort  darauf  verlangten
wir  als  Vorbedingung  von  Friedensverhandlun-.
gen  die  unbedingte  Wassenstreckung.  Eben  jetzt
erhalte  ich  die  Nachricht,  daß  Montenegro  die
unbedingte  Waffenniederlegung  annahm.  Infolgedessen
  werden  nach  Durchführung  der  Kapitulation
  die  Friedensverhandlungen  beginnen
können.  Ohne  die  Bedeutung  dieses  Ereignisses
zu  überschägen,  glaube  ich,  dasselbe  jedenfalls
als  ein  wichtiges  und  erfreuliches  Ereignis  bezeichnen
  zu  können,  worin  die  Monarchie  und  die
ungarische  Nation  die  erste  Frucht  des  bisherigen
  Ausharrens  und  Heldenmuts  ernten.  (Lang
anhaltender  Beifall,  Elienrufe  im  ganzen
Hause.)  Die  Sitzung  wurde  auf  fünf  Minuten
unterbrochen.

Bedingungslose  Unterwerfung.

Wien,  17.  Jan.  Die  Kapitulation  Montenegros
  ist  bedingungslos.  Auf  Verhandlungen
über  gewisse  Bedingungen  hätte  man  sich  in
Wien  unter  keinen  Umständen  eingelassen  und
nur  die  Form,  die  Graf  Tisza  im  ungarischen
Abgeordnetenhause  mitgeteilt  hat,  blieb  für
Montenegro  möglich.  Dementsprechend  waren
vor  wenigen  Tagen  die  Bitten  Montenegros
um  einen  Waffenstillstand  rundweg  abgelehnt
worden.  König  Nikolaus  hat  allerdings  noch  die

 

Möglichkeit,  den  angebotenen  Zufsluchtsort  als
Pensionär  des  italienischen  Hofes  in  Florenz
anzunehmen,  er  hat  dies  jedoch  selbit  mit  rauhen
Worten  abgelehnt  und  die  Erllärung  hinzuge
fügt,  daß  ihm  der  Gedanke  einer  Flucht  aus
seinem  Lande  fernliegt.  Konig  Nikolaus  soll
auf  seinen  italienischen  Schwiegersohn  aäußerst
erbittert  sein.  König  MViltor  Emanuel  ist  nach
Tarent  abgerein,  wo  er  mit  dem  Prinzen  Mirio
von  Montenegro  miammentrifft.  (3.)
"·  "  "

König  Nilita  unlerwirft  sich  bedingungslos:
Er  sieht  die  hoffnungslose  Lage  fur  sich  und
sein  Land  und  verläßt  daher  das  sinkende  Schiff
des  Vierverbandes  und  ergibt  sich  auf  Gnade
und  Ungnade  dem  Sieger.

Dieser  Schritt  kug  berechnender  Spekulation
macht  einen  germoaltigen  Strich  durch  die  Rech
nung  des  Vierverbandes.  Noch  ror  menigen
Tagen  erzählten  ieine  Federhelden,  daß  Konig
Nilita  gar  nicht  daran  dente,  einen  Sonderfriedeu
  mit  Oesterreich  Ungarn  zu  schließen.  Um
die  gleiche  Zeit  aber  hatle  Nilita  schon  die
Friedensverhandlungen  mit  der  österreichischen
Monarchie  eingeleitet.  Der  geriebene  Spekn
lant  entzieht  sich  dem  Horigleitsverhaltnis  zu
England  und  sucht  in  zwoliter  Stunde  zu  retten.
was  noch  zu  retten  int.

Damit  ist  in  die  Berechnungen  des  Vierver
bandes  eine  merkliche  Bresche  geschlagen.  Ni.
lita  von  Montencgro  imnm  der  erite,  der  sich  ge
zmungen  sieht,  mit  den  Mittelmächten  einen
Sonderfrieden  zu  schlietzen.  Wir  wollen  dieses
Ereignis  trotz  seiner  großen  Bedeutung  nicht
überschaven.  Aber  das  Loch,  das  dadurch  in
die  Vierverbandopläne  gerissen  wmurde,  wird  sich
nicht  wieder  schließen,  eller  lann  er  noch  grötzer
merden.  Denn  auf  die  Stimmung  innerhalb

 

der  Entente  kaln  die  lllerwerfung  Montenegros
  nicht  ohne  Folgen  sein,  und  wenn  diese
Folgen  auch  niur  h  oralischer  Natur  ind.  Tat-    


  

      
  
 

 

sache  ist  eben,  daß  der  gerid#ene  Nikita  die  Sache
des  Vi  erver#  andes  iut  verloren  gibt:  deoshalb
such:  er  dor:  Reitung.  wo  für  ihn  noch  eiwos
beraussoringen  fönnte.

Ein  eltene  n  uüber  die  Kavitul  lalion  Montenegros
  *?d  noch  o  brB  ,  sie  werden  erit.
jetzt  vereini  zi:  werden.  zunächst  wärd  die  vollftändige
  r  maffnung  Mo-  ne  ro  durchge-Vevor

  diele  nicht  beendet  und
dung  rich=  d  inus  vollzogen
iandlich  ler  Friedensbedinen
  werden:..  Bezüglich  diee
  Pen  ter  Llond“,
ch  Grohnn  walten  laifuhrt

  werde:.
die  Wasse#it
is.  Uird  selr
gungen  nich!  *

 
 
      
 
 

 

sen,  aber  ger  orgau  et  und  genauer  Wah—
rung  der  Le  c  der  Monarchie.  Konig
Nikolaus  Le'inder  sion  derienn  in  Skutari.

 

Zu  der  I
um«  .
mus;  des  ..«.Ii.  en.  wenn  sie
fagt:  Die  Wafffe7  linreckuna  der.  montenegrinischen
Streillrafte  in  eine  der  so.  niten  Riederlagen
der  Entente.  ein  Schl  aa  degen  ihr  politisches
untd  militäriiches  Ameben,  ein  Eriolg  unierer
*  ec  in  der  Fron  u#ld  uon  rer  Ausdauer  im
merland.  Der  Vein  Mo  sdßieregros  ist  ein
westerer  und  sicher  Schrit:  zur
Beher  eschung  der  ur  wo  unsere  Gegner
nier  weiter  nac;  dent  Suden  gedrängt  werden.
Nach  15  „epart  lr  Kriegsdauer  bilte:  Nilita
  als  erfrer  uirn  Friedern.
Ooffentlich  au  rons  der  nachsre  nach,  und

 

l  l#  rofere  öirerreichiich
L  Denn  man

  

 

 

*7  leuten  beien  die  Vunde“,  dagie  der  Prä-"
  .1««  Mk  :  Ulracw  ·Ic1cnlmusec—  als
n  aus  Budarei:  betanntgab.
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Agerielnes  ean  eieg.
Cine  begrabene  franzoiiiche  Hoff—
nung

a  S  ergotz  ich

Norlauf  der  Nor  rutiern.  age  #  Indochina:
last  erlennen,  das  Phrasendaftigtein  und  Vor
eiligleit  auch  die  iranzoiiĩche  Heeresleitung  be
heirscht.  Der  Wunsch,  fur  die  „hommende  Fruh
gbrsoifenĩive  wonlicht  ie!  Truppen  anzu
sammeln,  hat  in  Aerl  andlungen  uber  eine  stär
lere  Leran:iellung  von  Koloni  jaltruppen  1  geführ:.
—o  nar  vor  kuren  #  der  franzosischen  Na-  ·

Zurich.

 

 
 

wer  ein  vomn  ielen  Akgeordneten  untern#
Autlag  eingegangen.  Jelbaten  in  den  fran
ichiien  Koldren  in  Hintetindien  in  gron.

amsange  auszubeben.  d  iran
behauptete.  datz  Indochina  eine
einer  hallen  Million  Mann  liefern  konnec.
inogl#chermeise  nach  und  nach  bis  auf  eine  MWV.
lion  Mann  gebracht  werden  konne.  Man
sich  voritelle'1,  nelche  gemalln.  Begeister##-=diese

  Aus  Fführungen  in  Frankreich  hervorrie  se

Nachdem  Lir  Dislussiom  uber  diese  Frage  #l#
nnd  ler  gegangen  war.  lam  endlich  der  bieher
nicht  lerragte  Gonberrenr  :  3  #dochina  in

zosischer  e  n
Armee  ##
die