Full text: Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Sechzehnter Jahrgang. 1900. (41)

Die Nämische Kurie. (März 2.— August.) 247 
der Dinge habe die Erklärungen, die seinerzeit im Senat abgegeben wurden, 
bestätigt. Seitdem die Gesandtschaften entsetzt seien, dürfe man sich nicht 
wundern, wenn zwischen den Mächten vorübergehend sich Meinungsver- 
schiedenheiten gezeigt hätten. Diese seien aber stets beigelegt worden, da 
allgemein der Wunsch nach Einigung vorgeherrscht habe. Das hohe Streben 
nach Solidarität habe niemals aufgehört, im Rate der Mächte vorzuherrschen. 
Diesem Solidaritätsgefühl sei Italien stets treu gewesen. Die Verhand- 
lungen seien nicht leicht gewesen. Nach dem Entsatz der Gesandtschaften 
hätten die Mächte eine Genugthuung für die Vergangenheit und Bürgschaft 
für die Zukunft verlangen müssen. Italien stimmte den Grundsätzen, die 
für die Einigung unter den Mächten maßgebend waren, zu. Die Teilung 
Chinas in große Sphären, auch solche in handelspolitischer Art, würde eine 
Maßnahme sein, zu der sich Italien nicht bereit finden lassen würde. Im 
Gegenteil sei jene Politik ersprießlich, die die Häfen, wo die Beziehungen 
mit Europa am stärksten entwickelt seien, dem internationalen Handel öffnet. 
Diese Friedensgrundlagen seien von den Kabinetten den Vertretern in Peking 
mitgeteilt worden, die sie zum Gegenstande einiger Ergänzungen machten, 
worüber sich die Mächte weiterhin einigen werden. 
  
VIII. 
Die Nömische Kurie. 
2. März. Der Papst empfängt an seinem 90. Geburtstag 
die Kardinäle und andere Prälaten. Er erklärt in seiner Ansprache 
die Kundgebungen zur Giordano Bruno-Feier für nicht römische, 
wenngleich sie auch in Rom stattgefunden hätten und richtet an alle 
die Aufforderung, Gott zu bitten, daß er dem blutigen Kampfe in 
Südafrika ein Ende mache. 
März. (Rom.) Der deutsche Reichstagsabgeordnete Frei- 
herr v. Hertling unterhandelt mit der Kurie über die Errichtung 
einer katholisch-theologischen Fakultät in Straßburg. (Vgl. S. 79.) 
August. Die Kurie und der Tod König Humberts. 
Die „Tribunga"“ behauptet, der Papst habe die italienische Geistlich- 
keit angewiesen, sich an den Trauerfeierlichkeiten für den König zu be- 
teiligen. Ein Gebet, das die Königin Margherita verfaßt, wird vom Erz- 
bischof von Cremona approbiert. Es wird vielfach angenommen, daß es 
im Einverständnis mit dem Papst geschehen sei und daß der Papyst selbst 
der Königin kondoliert habe. Dagegen schreibt das „Wiener Vaterland",: 
1. Der Heilige Vater hat für König Humbert keine heilige Messe appliziert. 
2. Der Heilige Vater hat weder den Kardinal Ferrari beauftragt, in 
seinem Namen zu kondolieren, noch hat er selbst ein Telegramm gesendet. 
3. Als der Heilige Vater vernahm, daß man davon spreche, der König sei 
gar nicht exkommuniziert gewesen, äußerte er sich entrüstet und wies auf 
die Konstitution Apost. Sedis hin. 4. Da der König nicht namentlich