Full text : Geschichte der Hohenzollern.

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Bundesgenossen  aus,  obgleich  er  sich  über  die  steigenden  Laflen  wohl  beklagen
konnte.  9000  Rekruten  hatte  er  bis  zum  Jahre  1707  nach  Italien  geschickt,
und  für  das  folgende  waren  wiederum  4000  gefordert  worden;  Subsidien  jedoch,
sowohl  von  Seiten  des  Kaisers  als  der  Generalstaaten,  waren  fortwährend
rückständig  geblieben.

So  nahmen  denn  die  preußischen  Truppen  an  allen  glorreichen  Ereignissen
des  thatenreichen  Krieges  Theil;  immer  werden  sie  in  den  Berichten  vor  allen
hervorgehoben.  Dies  hören  wir  auch  bei  der  Schlacht  von  Oudenarde  (1708).
Ein  Jahr  später,  als  die  Verbündeten  bei  Malplaquet  nach  äußerst  blutigem
Kampfe  den  kriegskundigen  Marschall  Villars  aus  seinen  Verschanzungen  vertrieben
  hatten,  gebührte  wiederum  nach  Eugen's  Zeugniß  der  größte  Antheil
an  dem  glücklichen  Erfolge  den  Preußen.  Der  Kronprinz  hatte  diesem  fiegreichen
Kampfe  beigewohnt.

Die  große  Coalition  gegen  Ludwig  XIV.  war  aus  dem  natürlichen  und
wohlbegründeten  Bedürfniß  entstanden,  die  Uebermacht  Frankreichs  in  den  politischen
  Angelegenheiten  zu  brechen.  Zu  diesem  Zweck,  und  gereizt  durch  nationale
Eifersucht,  hatte  namentlich  England  die  Last  des  Krieges  über  sich  genommen.
Dieses  Ziel  war  erreicht;  Ludwig  bat  um  Frieden,  und  war  sogar  zu  großen
Opfern  bereit;  allein  jetzt  steigerten  die  Verbündeten,  vorzüglich  der  Kaiser
(Joseph  l.  seit  1705),  in  eben  dem  Maaße  ihre  Forderungen,  als  sich  der  stolze
Gegner  vor  ihnen  demüthigte.  Es  schien  fast  auf  eine  Vernichtung  des  Hauses
Bourbon  abgesehen.  Ein  solches  Ziel  konnte  in  England  keinesweges  der
Nation  nützlich  erscheinen,  daher  war  die  Politik  der  Whigs,  denen  Marlborough
damals  angehörte,  unpopulär  geworden  und  das  Ministerium  seinem  Falle
nahe.  Die  Anmaßung  der  Herzogin  von  Marlborough  der  Königin  Anna  gegenüber,
  und  die  persönlichen  Zwecke,  welche  man  dem  Herzoge  schuld  gab,  kamen
hinzu,  um  eine  politische  Katastrophe  in  England  zu  bewerkstelligen.  Das  Whig-Ministerium
  fiel,  und  obgleich  man  den  berühmten  Feldherrn  noch  an  der  Spitzze
des  Heeres  ließb,  so  waren  doch  die  Tories,  welche  jetzt  die  Staatsangelegenheiten
  leiteten,  zur  Annäherung  an  Frankreich  bereit.  Da  starb  ganz  unerwartet
Kaiser  Joseph  I.;  der  Erzherzog  Karl,  für  welchen  die  Verbündeten  um  den
Besitz  der  spanischen  Monarchie  gekämpft  hatten,  bestieg  den  kaiserlichen  Thron
(17.  April,  1711),  und  vereinigte  so  in  seiner  Person  die  ganze  Macht  des
habsburgischen  Hauses.  Dieser  Umstand  beschleunigte  den  Friedensabschluß.
Getrennt  von  den  Bundesgenossen  schlug  das  englische  Kabinet  dem  König
Ludwig  Friedenspräliminarien  vor,  und  sendete  an  die  Stelle  Marlborongh's
den  Herzog  von  Ormond  an  die  Spite  des  Heeres  in  den  Niederlanden.
Bald  darauf  folgte  ein  Waffenstillstand  (1712).

Unter  die  deutschen  Truppen,  welche  sich  diesem  Waffenstillstand  nicht
anschließen  wollten,  gehörten  die  Preußen;  Leopold  von  Dessau  war  durchans
geneigt,  bei  dem  österreichischen  Oberfeldherrn  auszuharren.