Full text : Rosenheimer Anzeiger. 62. Jahrngang (62)

Nummer  71.

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Sawmiskäg,  18.  Jebruar  1516

 

3  #l  #  Nes.

bemwmhee  Meuterelen  in  Aegypten.

Köl#,  17.  Febr.  Die  „Köln.  Vollsztg.“  erbrt
  von  sehr  zuverlässiger  Seite  aus  Kairo,
ob#schon  seit  längerer  Zeit  unter  den  indibten
  Truppen  eine  sehr  bedenkliche  Gärung
#u#sgebrochen  sei,  verursacht  durch  die  unerhöruen
  Gewaltmaßnahmen  der  Engländer,  die  die
siwersten  Prügelstrafen,  sowie  Hinrichtungen

ch  mihbrauchen  die  berüchtigten  australischen
pffiziere  ihre  Dienstgewalt  in  geradezu  empöender,
  unerhörter  Weise;  sie  knallen  rücksichtsbe
  ohne  Erbarmen  ihre  indischen  Untergebenen
ach  ihrem  eigenen  Gutdünken  nieder,  die  sich
ei  ihnen  in  irgend  einer  Weise  mißliebig  mahen.
  Besondero  haben  sie  es  auf  die  mohamnedanischen
  Inder  abgesehen;  ein  Hauptmann
lamens  Brown  schoß  am  10.  Januar  wegen
iner  Ungeschicklichkeit  seinen  mohammedanischen
Diener  nieder,  worauf  zwei  Inder,  die  den  bruolen
  Vorgang  aus  nächster  Nähe  beobachteten,
zerbeistürzten  und  den  Hauptmann  mit  dem
Bajonett  töteten.  Hierauf  erhob  sich  das  ganze
ndische  Regiment  gegen  seine  Offiziere;  der
röhte  Teil  von  diesen  rettete  sich  durch  schleurigie
  Flucht,  während  zwölf,  darunter  der  Rezimentskommandeur
  und  ein  Mojor,  getötet
purden.  Mehrere  benachbarte  indische  Abteiungen
  wurden  gegen  die  Aufrührer  vorgechidt:
  ein  Teil  weigerte  sich  jedoch,  auf  die
Meuterer  zu  schiesßzen,  während  ein  anderer
deil  zu  ihnen  überging.  Nach  zweistündigem,
charsem  Gefecht  australischer  Regimenter  gegen
die  Menterer  gelang  es  einem  großen  Teil  in
zie  Wüste  zu  entfliehen,  andere  wurden  getöset
  oder  verwundet.  Auch  bei  anderen  indischen
Truppenteilen  seien  schwere  Fälle  von  Meuteei
  vatgelommen.  Die  Engländer  wachen  mit
zößtet  Strenge  darüũber,  daß  nichts  in  die
Teifentlichleit  lommt.  (3.)

Der  Heilige  Krieg  in  Persien

Konstantinopel,  17.  Febr.  Die  persische
beistlichleit  fordert  vom  Schah  offen  den  Anchluß
  an  die  Türkei  und  die  Mittelmächte.  Die
llemas  drohen,  sie  würden  das  persische  Volk
eflichtgemäß  auf  die  richtige  Bahn  führen,  die
eder  gute  Mohammedaner  gehen  musse.

Beadieden:  Nachuchten.

Berlin,  17.  Febr.  Den  Inhabern  einer  Reide
  von  Lokalen  ist  im  Einverständnis  mit  den
Militärbehörden  polizeilich  zur  Pflicht  gemach!
worden,  jeden  Verkehr  weiblicher  Personen,  die
der  Gewerbsunzucht  verdächtig  find,  unbedingt
zu  verhindern.  Die  Durchführung  dieser  Maßnahmen,
  die  insbesondere  zum  Schut  der  Gesundheit
  der  Hecresangehörigen  geboten  ist,  bedingt
  eine  scharse  Aufmerksamkeit  der  Gastwirte
auf  einzelne  weibliche  Personen,  welche  die  Lokale
  aufsuchen,  um  sich  Heeresangehörigen  zu
nähern.  Daraufhin  preist  das  größte  u.  schönste
  Berliner  Cafe  seit  kurzem  sein  Lokal  als
„dezenten  und  soliden  Aufenthalt“  an  und  fügt
dieier  Bezeichnung  noch  die  Bemerkung  hinzu:

„Anschlußsuchenden  Damen  ist  der  Eintritt
finengstens  untersagt.“

Folitische  Rundschan.

München.  17.  Febr.  Zum  Entwurf  eines
Knappschafts  gesetzes  haben  die  Abgeoroneten
Auer  (Toz.),  Bühler  (lib.;  und  Giehrl  (Ztr.)
Amtrag  in  der  Kammer  der  Abgeordneten  eingelracht,
  daß  nach  Artikel  5  des  Entwurfes
solgende  Bestimmungen  als  neuer  Art.  6  eingesügt
  werden:  Die  Leistungen  der  Pensionslasse
  sind  auch  dann  zu  gewähren,  wenn  ein
Knappschaftevereinsmitglied  im  gegenwärtigen
Krieg  verschollen  ist.  Es  gilt  als  rerschellen,
denn  während  eines  Jahres  keine  glaubhaften
Nachrichten  von  ihm  eingegangen  sind  und  die
Umsände  seinen  Tod  wahrscheinlich  machen.
Auch  vor  Allauf  eines  Jahres  seit  Eingang  der
lezten  gluulhaslen  Nachrichten  können  die  Leilungen
  der  Pensionslasse  gewährt  werden,  wenn
der  Tod  des  VBerschollenen  mit  hoher  Wahrscheinlichleit
  anzunehmen  ist.  Das  Versicherungsamt
  lann  auf  Antrag  des  Knappschaftsvereins
von  den  Hinterbliebenen  die  eidesstattliche  Er.
llarung  verlangen,  daß  sie  von  dem  Leben
des  Vermißten  keine  anderen  als  die  angezeiglen
  Nachrichten  erhalten  haben.  Den  Todeslag
  Verschollener  stellt  der  Knappschaftsverein
nach  lilligem  Ermessen  fest.  Für  die  auf  der
See  Verschollenen  gilt  §  1100  Abs.  1  der
eich  heversichkerungsordnung.  Wird  nachgewiesen,
daß  ein  Knappschaftsvereinsmitglied,  das  als
verschollen  gilt,  noch  lebl,  so  wird  die  weitere
Gewährung  der  Leistungen  der  Pensionskasse
eingestellt.  Der  Knappschaftsverein  braucht  die
ir  Miecht  bezahlten  Betrage  L  zurückzu-—

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begen  geringer  Vergehen  verhängen.  Nament- 



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chen  Einberufungen  des  männlichen  Personals  sahen
  sich  manche  Zweige  der  Staatsverwaltung
genötigt,  zu  untergeordneten  Dienstleistungen,
insbesondere  zu  Schreibarbeiten,  weibliche  Hilf--kräfte
  heranzuziehen.  Insbesondere  bei  den  Verwaltungsbehörden
  hat  sich  dieser  Behelf  schon  seit
langem  als  notwendig  erwiesen.  Nun  ist  auch
bei  den  Gerichten  der  Anfang  gemacht  worden,
weibliche  Schreibkräfte  heranzuziehen.  Nachdem
vor  kurzem  erst  ein  weiblicher  Gerichtsschreibergehilse
  bei  dem  Münchener  Jugendgericht  angestellt
  worden  ist,  wurde  nun  auch  am  Amtsgericht
München,  Abteilung  für  Strafsachen,  eine  weibliche
  Hilfskraft  zur  Versehung  des  Dienstes  eines
  Gerichtsschreiber  gehilfen  verpflichtet.  In  der
Hauptsache  wird  die  Dame  zu  Schreibarbeiten
Verwendung  finden,  da  ihr  die  Tätigkeit  eines
Assistenten  durch  das  Gesetz  verschlossen  bleibt.

Kufstein,  17.  Febr.  Ueber  den  Kronenkurs
teilte  das  Postsparkaosseamt  Wien  unterm  15.
Februar  mit:  Der  Umrechnungskurs  für  Zahlungen
  nach  dem  Deutschen  Reiche  ist  bis  auf
weiteres  mit  100  Marl  leich  145  Kronen,  für
Zahlungen  nach  der  Schweiz  mit  100  Francs
gleich  150  Kronen  festgesetzt.  Am  14.  Februar
war  der  Kurs  in  Wien  mit  100  Mark  gleich
143  Kronen,  am  13.  Februar  mit  142  Kronen,
  am  12.  Februar  mit  141.50  Kronen  feil.
gesetzt  worden.  Es  zeigt  sich  demnach  eine  sehr
schnelle  Steigerung.  Der  Umrechnungskurs  für
Kronen  nach  der  Schweiz  betrug  am  14.  Februar
  noch  146  Kronen.

Kufstein,  17.  Febr.  Originelle  Brotkarten
sind  gegenwärtig  im  Zillertal  im  Umlauf.  Dort
wurden  nämlich  bis  zum  Eintreffen  der  neuen
Brotkarten  von  den  Gemeindevorstehungen  Anweisungen
  ausgegeben.  Eine  Gemeinde  benügle
nun  hiefür  das  reichlich  vorhandene  Papier  alter
Viehpässe.  Ein  älterer  Herr  erhielt  auf  diese

Weise  eine  Brotkarte  mit  der  schmeichelhaften
Bezeichnung  „Grauer  Ochs“,  eine  Frau  mit
einem  Mädchen  eine  solche  mit  der  Aufschrift
„Alte  Kuh  mit  Kalb“.  Wieder  andere  erhielten
ahnungslos  Anweisungen  mit  der  Bemerkung:
„Geflecktes  Schaf“,  „Schweinefresser“  usw.,  wa#
natürlich  später  viel  Heiterkeit  verursachte.

##iGs.

Grafing,  17.  Febr.  Nachdem  Pfarrer  Krauthofer
  von  Emmering  auf  die  Dekanswürde  infolge
  Kränklichteit  verzichtet  hatte,  wurde  Montag
  im  Pfarrhof  zu  Grafing  Pfarrer  Josef
Sittler  von  Grafing  zum  Dekan  gewählt.  Seine
bisherige  Kammerer-Würde  ging  auf  Pfarrer
Scherer  von  Zorneding  über.

Neukirchen  (Sr.  Blut),  17.  Febr.  Welcher
Geldüberfluß  auf  dem  Lande  zurzeit  herrscht,
geht  daraus  hervor,  daß  beim  hiesigen  Darlehenskassenverein
  im  Laufe  des  letzten  Monats

Mark  bar  eindezahlt  wurden.

würzburg,  17.  Febr.  Mit  einem  österreichischen
  Los  hat  ein  vor  mehreren  Monaten
in  Würzburg  verstorbener  altadeliger  Herr
500  000  Kronen  gemonnen.  Das  Geld  erhalten
keine  in  Bayern  und  im  Auslande  wohnenden
en.

Bamberg,  17.  Febr.  Im  hiesigen  Gemeinde.
lollegium  wurde  einstimmig  eine  Entschließung
gegenüber  einem  eventuellen  Beitritt  städtischer

 

 

 

Beamter  zu  dem  geplanten  Beamtenwarenhaus
gefaßt.  .....

Hmmuuvllawetter.

Rosenheim,  18.  Februar.

Das  stürmische  Wetter  hält  immer  noch  an.
Am  Mittwochabend  setzte  der  Sturm  mit  aller
Stärle  ein.  Dabei  hatte  er  heftiges  Schneegestöber
  im  Gefolge.  In  der  Nacht  folgte  Regen,
  und  heute  früh  schneite  es  von  neuem.
Wie  bei  uns,  so  ist  es  in  weiten  Strecken
Bayerns  und  Deutschlands.  Von  allen  Seiten
laufen  Meldungen  ein  über  orkanartige  Stürme,
die  zum  Teil  mit  Gewittern,  Hagelschlag  und
Schneefällen  verbunden  waren  und  vielfach  grohen
  Schaden  anrichteten.

In  München  gab  es  viele
fälle.  In  der  Leopoldstraße  traf  eine  umstürzende
  Pappel  einen  65  Jahre  alten  Kaufmann,
der  eine  Gehirnerschütterung  erlitt  und  in  seine
Wohnung  transportiert  werden  mußte.  Bäume
wurden  in  verschiedenen  Anlagen  geknickt,  hesonders
  in  den  Isaranlagen  holte  sich  der  Sturm
seine  Opfer;  hier  wurden  mehrere  hohe  und  starke
Bäume  entwurzelt.  Ein  großer  Baum  bei  den
Ueberfällen  wurde  in  einer  Höhe  von  8  Metern
  abgeknickt  wie  ein  Strohhalm;  ein  GElück,
daß  der  fallende  Stamm  das  hart  daneben
stehende  bewohnte  Wärterhäuschen  verschonte.
In  der  Stadt  wurden  wieder  Häuser  beschädigt.
Die  Feuerwehr  mußte  vielfach  eingreifen.  In
der  Waldkolonie  Pasing,  in  Solln,  Allach,  Berg
am  Laim,  Planegg,  Daglfing,  Deming,  Haar
und  Trudering  wurden  Bäume  entwurzelt,
Dachplatten  herabgeworfen,  Zäune  und  Telegraphen=
  und  Telephonmasten  umgelegt.  Am
meisien  wütete  der  Sturm  im  Orte  Puchheim.
Dächer  wurden  abgedeckt,  Fensterscheiben  zertrümmert,
  die  Obstgärten  beschädigt,  Zäune
niedergelegt.

In  Niederbayern  herrschte  hefriger  Sturmwind,
  teilweise  mit  Schneesall.  Auf  die  elektriche
  Hochspannungeleitung  in  Landau  a.  J.
türzte  ein  Baum,  sodaß  die  Stromzufuhr  unterbrochen.
  Besonders  stark  wüteten  Schneestürme
  im  Bayerischen  Wald,  sodaß  viele  Wege  ungangbar
  wurden;  dagegen  ist  der  starke  Schneesall
  für  die  Holzarbeit  nur  zu  begrüußen,  da  diese
in  dem  schneearmen  Winter  fast  ganz  ruhte  und
Mangel  an  Brennholz  erzeugte.  IZu  Ingolstadt
hat  der  Sturm  das  Dach  der  Si.  Morigkirche
schwer  beschädigt.  In  Nürnberg  wurde  an  Dechern,
  Fenstern  und  Schornsteinen  vielfach  Schaden
  angerichtet  und  die  Fernsprechverbindungen
  unterbrochen;  an  der  Eilgutrampe  wurde
ein  Arbeiter  durch  ein  vom  Sturm  abgerissenes
Blech  schwer  verletzt;  in  den  Waldungen  der
Umgegend  hat  der  Sturm  viele  Baume  geknickt
und  entwurzelt.

In  der  Theresienstraße  in  Würth  legte  der
Sturm  den  massiven  Schlot  der  Möbelfabrik
Scheidig  nieder.  In  Bamberg  sehzte  nach  einem
kurzen  Gewitter  ein  orkanartiger  Sturm  ein,  der
in  der  Pöddeldorferstraße  eine  Mauer  umriß
und  zahlreiche  Telegraphenstangen  zerslörte;
auch  in  den  Wäldern  und  Anlagen  verursachte
der  Orkan  erheblichen  Schaden;  so  wurde  im
Theresienhain  eine  mehr  als  hundertjährige  Eiche
entwurzelt.  Größeren  Schaden  verursachte  das
Unwetter  in  Neustadt  a.  A.,  wo  bei  einem  hef.
tigen  Gewitter  mit  starkem  Hagelschlag  der
Blitz  in  die  Dehmsche  Dampfziegelei  schlug  und
zündete;  die  gesamte  Ringofenanlage  und  das
Maschinenhaus  brannten  bis  auf  die  Grundmauern
  nieder,  nur  zwei  kleine  Anbauten  blieben
  stehen.  Der  Sturm  jagte  dabei  große  Tcerklumpen
  über  die  benachbarten  Stadtteile  hin,
sodaß  auch  dort  Feuerwachen  aufgestellt  werden
mußten.

On  Eichstätt  entwurzelte  der  Sturm  auf  dem
Nesidenzplatz  einen  Baum.  In  Aschaffenburg

Schäden  und  Un- 



schleuderte  der  Orkan  ein  großes  Erkerfenster  des
Kaufhauses  Rüth  u.  Schneider  mit  den  ausgelegten
  Waren  auf  die  Straße.  In  Schweinfurt
brachte  Schneetreiben  unter  Donner  und  Regenschauern
  mittags  solche  Dunkelheit,  *  die
Lichter  angezündet  werden  mußten.  Auch  in
Würzburg  richtete  der  Sturm  an  Dächern,  Kaminen,
  Fenstern,  Läden  und  Bäumen  vielen
Schaden  an.

Schwer  hat  das  Unwetter  auch  im  Fichtelge
birge  gehaust,  ebenso  im  Großherzogtum  Hes.
sen  und  Hessen-Nassau.  Im  Rhein=  und  Maingebiet
  haben  Stürme  und  Wolkenbrüche  großen
Schaden  an  Gebäuden,  Forsien  und  Telephon
angerichtet.  Die  Rheinschiffahrt  ist  unterbrochen.
  Oberrhein,  Neckar  und  Main  steigen.

Ueber  die  Hochwassergefahr  in  Bayern
meldete  das  Hydrotechnische  Bureau  am  16.
Febr.:  Nachdem  schon  von  Montag  auf  Dienstag
  insbesondere  in  den  drei  fränkischen  Kreisen
und  in  der  Pfalz  sowie  nuch  im  Bayerischen
Wald  Niederschläge  gesallen  sind  und  sich  von
Dienstag  auf  Mittwoch  gleich  starke,  stellen.
weise  sich  sogar  stärkere  Niederschläge  eingestellt
  haben,  ist  für  Pfalz  und  Nordbayern
Hochwasser  in  Aussicht.  Für  Südbayern  iist
die  Hochwassergefahr  vorläufig  noch  nicht  groß.
da  nirgends  der  Boden  gefroren  ist,  in  den  hoheren
  Lagen  auch  noch  Schnee  liegt,  sodaß  vorläufig
  ein  großes  Schadenhochwasser  nicht  zu  befürchten
  ist.  Am  17.  Februar  teille  dann  da
Hydrotechnische  Bureau  mit:  Die  erwarteten
Niederschläge  sind  in  der  Tat  eingetreten  und
haben  insbesondere  den  nördlich  der  Donan
gelegenen  Teil  Bayerns  getroffen.  Es  liegen
Hochwassermeldungen  vor  aus  dem  Wörnit
Tauber-,  Naab=  Cham-,  Rott-  und  oberen
Maingebiel,  auch  von  Main  und  Rednitz  in

amberg.  Die  Wasseritände  sind  im  allgemeinen
  keine  ungewöhnlich  großen,  stellenweit#e
sind  sie  bereits  im  Fallen  (Bapyreuth,  Mirwitz.
  Pfarrkirchen).  Ein  größeres  Schadenhockwasser
  in  Banern  nördlich  der  Donau  ist  auch
heute  nicht  zu  befürchten,  wenngleich  stellenweise
mit  dem  weiteren  Anschwellen  der  Gewässer
noch  zu  rechnen  ist.

Hamburg,  17.  Febr.  Die  Slurmslut  erreichte
  ihren  hochsten  Stand  nachts  zwischen  —
und  4  Uhr.  Tas  über  die  Ufer  getretene  Wasser
des  Hafens  überschwemmte  die  in  der  Näbe
gelegenen  Straßen  und  trat  in  die  Keller,  au?
denen  die  Bewohner  fluchten  mußten.  Zahlreiche
losgerissene  Fahrzeuge  trieben  führerlos  auf  der
Elbe  umher.  Die  Feuerwehr  war  ununterbrochen
tätig,  um  das  Wasser  aue  den  Kellern  zu  pumpen.
  Morgens  ging  das  Wasser  zurück.  In  Altona
  war  das  Hochwasser  in  die  Maschinenräume
des  Elektrizitätewerkes  gedrungen,  was  den
Stillstand  des  Betriebes  zur  Folge  hatte.  Die
Straßenbahn  konnie  erst  morgens  um  9  Uhr
in  der  gewohnten  Weise  verkehren.  Menschen
leben  waren,  soweit  bekannt,  nicht  gefährdet.
In  Gluckstadt  war  die  Sturmflut  der  vorigen
Nacht  so  hoch,  wic  seit  Jahrzehmen  nicht,  Das
Wasser  erreichte  3  Meter  über  den  normalen
Wasserstand.  Der  Seegang  richtete  an  den  Holzund
  Kohlenlagern  im  Außenhafen  großen  Schaden
  an.  Die  Molde  ist  zerstört.

Bukareit,  17.  Fehr.  Nach  Meldungen  der
Blätter  find  infolge  des  schlechten  Wetters
in  der  Dobrudicha  und  in  Beßarabien  große
Ueberschwemmungen  eingetreten,  die  enormen
Schaden  verursachten.  In  Beßarabien  sind  etwoe#.
50  Quadratkilometer  Land  unter  Wasser.  In
der  Dobrudscha  flüchteten  sich  Hunderte  vor:
Einwobnern  nur  mit  dürftiger  Habe  vor  den:
Hochwasser.  Die  Regierung  hat  eine  Hilfsaktior:
eingeleitel.

Handel,  Juduftrie  und  Gewerbe.

Baumwallspinneren  Kolbermoor.
In  der  am  Donnerslag  in  Muünchen  abgehallenen
  vuiteolschfammilan,  in  der  12  Akrionäre
mit  1736  Stimmen  ein  Aktienkapital  von  Mart
669  500.  vertraten,  wurde  die  Bilanz  nebn
Gewinn=  und  Verlustrechnung  pro  1915  geneb
migt  und  der  vorgeschlagenen  Verwendung  de-Reingewinnes
  Zustimmung  erteilt.  Danach  wer.
den  aue  dem  Reingewinn  von  Mark  843  070.
Mark  180  000.  als  neunprozentige  Dividende
verteilt,  Mark  100  000.  für  Umänderung  der
Kraftanlage,  Mark  100  000.  als  Reserve  fur
Kriegsgewinnsteuer  und  andere  Kriegezmede  zurückgenellt,
  Mark  15  000.  der  Beamtenumer
#unungskasse,  Mart  30  000.—  der  Arbeiterunterstützungskasse
  zugewiesen,  Mark  43  115.10  ale
vertragsmäßige  Tantieme  des  Aussichtsrats  ge.
nehmigt.  Mark  30  000.-  als  auherordentliche
Kriegounterstützung  für  die  Arbeiter  der  Fabrik
ausgesent  und  Mark  344  925.  auf  neue  Rcch
nung  vorgetragen.  Dem  Vorstande  und  dem
Aufsichtsrate  wurde  hierauf  Entlastung  erteii#t.
Die  aus  dem  Aufsichterate  ausscheidenden  Herren:
  Bankdireltor  Dr.  Haus  Chr.  Dietrich  und
Rentner  Peter  Fuchs,  wurden  wieder-,  Fabrik
besitzer  Dr.  Robert  Riemerschmid-München  an
Stelle  des  verstorbenen  Aufsichteratsmitgliede:,
Herrn  Gustav  Riedinger,  Rentner  in  Augsburg.
neu  in  den  Aussichtsrat  gewählt.