Full text: Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Einunddreißigster Jahrgang. 1915. Erste Hälfte. (56a)

Pie österreichisch-ungarische Menarchie. (Oktober 23.) 685 
bieten ist, und jetzt kämpfen deutsche Truppen an unserer Seite auf dem Balkan. 
Nicht eine Spur von Neid ist in der Bewunderung, die wir unseren Ver- 
bündeten zollen, ihrer Tapferkeit, ihrer militärischen Begabung, ihrer Organi- 
sation. Oesterreich-Ungarn und Deutschland können wahrlich miteinander zu- 
frieden sein, und so können sie auch mit den Freunden zufrieden sein, die 
später hinzugekommen sind. Es ist ganz umsonst, uns auseinanderbringen 
zu wollen. Der Block ist nicht zu sprengen. Er hat in den Tagen zusammen- 
gehalten, in denen der endgültige Sieg noch fern war, und er wird auch 
fernerhin alle Hoffnungen und Ränke der Feinde zuschanden machen. 
Am 22. Okt. bemerkt die „Nordd. Allg. Ztg.“: Wir begrüßen die 
Auslassungen des Wiener „Fremdenblatts“ mit aufrichtiger Befriedigung. 
Zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn bedarf es keiner Aufklärung, 
weil es keine Mißverständnisse gegeben hat und keine gibt. Solche Miß- 
verständnisse konnten zwischen den zwei verbündeten Kaiserreichen nicht 
entstehen. Die Vorgeschichte des Krieges ist für jeden ehrlichen Beurteiler 
vollkommen durchsichtig und während des Krieges beherrschte uns und 
unsere Bundesgenossen ohne Schwanken der einheitliche Wille, für das 
durch nichts zu verdunkelnde gemeinsame Ziel, unseren Völkern eine freie 
und glückliche Zukunft zu verbürgen, alle Kraft einzusetzen. In den feind- 
lichen Ländern wird vorerst eine Aufhellung der durch Lügen und Ver- 
leumdungen verfinsterten geistigen Atmosphäre kaum zu erhoffen sein. Hier- 
gegen ist durch eine unübersteigliche Sperre wider die Wahrheit Vorsorge 
getroffen worden. Es wird aber einmal der Frieden kommen und mit 
ihm die Abrechnung der irregeleiteten Völker mit denen, die sie ins Ver- 
derben geführt haben. Dann werden die Feststellungen, wie sie die Aus- 
lassung des „Fremdenblatts“ enthält, nicht nur geschichtlichen Wert haben, 
sie werden als Künder der Wahrheit auch in uns jetzt feindlichen Staaten 
den Kampf gegen die Lüge und die friedensstörenden Bestrebungen er- 
leichtern. Die Feststellungen werden auch künftig um so größeres Gewicht 
haben, als sie mitten im Flusse der Ereignisse geschehen sind und durch 
diese Ereignisse selbst sichtbar gestützt werden. Die Zukunft wird lehren, 
wie unerschütterlich die Interessengemeinschaft Deutschlands und Oesterreich- 
Ungarns aus dem Kriege hervorgehen wird, und sie wird ein festes Funda- 
ment bilden, auf dem der Frieden Europas wahrhaft und sicher ruhen wird. 
23. Okt. Der Armeeoberkommandant Feldmarschall Erzherzog 
Friedrich weilte in den letzten Tagen an der Südostfront und 
sandte von Belgrad folgendes Huldigungstelegramm an Seine 
Majestät den Kaiser: 
Von dem Schauplatz blutiger aber siegreicher Kämpfe unserer tapferen 
Truppen wieder nach Belgrad zurückgekehrt, schätze ich mich glücklich, von 
dieser historischen Stätte aus, wo jetzt das Banner Eurer Majestät und der 
deutsche Adler die alles bezwingende Macht der treu verbündeten Heere 
verkünden, Eurer Majestät die aus treuen Soldatenherzen kommende Hul- 
digung unserer sieggekrönten heldenmütigen Armee zu Füßen legen zu können. 
Mit aufrichtiger Ergriffenheit konnte ich von der alten Feste Kalimegdan 
aus die großartigen Leistungen der verbündeten Truppen bei der Forcie- 
rung der mächtigen Strombarriere bewundern, die für alle Zeiten ein 
Ruhmesblatt in der Geschichte der Kriege bilden wird. Ich hatte Gelegen- 
heit, von der hohen Avala das ganze Kampfgebiet der tapferen 3. Armee 
zu überblicken, konnte mich von den bedeutenden Schwierigkeiten des An- 
griffs auf die von dem grimmigen und zähen Feind hartnäckig verteidigten 
Höhenstellungen überzeugen und kann der Führung und den Truppen nur
	        
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