Metadata : Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

352—353.  1611  803

Kammergericht  geredet  werden  soll,  dieses  aber  durch  die  so  stark  an-  Sept.  19.
gewachsenen  Revisionen,  besonders  durch  die  vier  Klostersachen
„gesteckt“  wird,  so  wird  man  in  Nürnberg  auch  von  der  Beseitigung
dieser  Hindernisse  reden  müssen.  „Und  erinnern  wir  uns,  dass  etwan
von  den  mainzischen  räthen  gleichsamb  obiter  gedacht  worden,  wan
man  pabstischen  theils  versichert  werden  könte,  dass  man  diser  orts  mit
einzihung  der  geistlichen  güter  nit  wieder  zugreifen  sonder  sich
an  den  albereit  habenden  genug  zu  lassen  bedacht,  dass  villeicht  solches  aus
den  sachen  zu  kommen  ein  mittel  sein  möchte“!  Um  nun,  falls
diese  Sache  beim  Kurfürstentag  vorkommt,  mit  gewisser  Resolution
gefasst  zu  sein,  was  wir  hierin  gegen  die  andern  evangelischen  Stände
verantworten  könnten,  80  begehren  wir  hierüber  Dein  Gutachten.  Datum
Heidelberg  den  9.  septembris  1611.
Ma.,  547|14,  f.  280;  Kpt.  von  Hausmann.

853.  Die  Provisoren  und  die  evangelische  Gemeinde  Sept.
zu  Köln  an  die  Kurfürsten  insgesamt.  [zum  22.)

Hinweis  auf  die  Bestimmungen  des  Religionsfriedens  zum  Schutz
der  Bekenner  der  augsburger  Konfession.  An  diese  Satzungen  ist.  der
hiesige  Rat  wiederholt  erinnert  worden;  „es  hat  sich  doch  wolermelter
raeth  dardurch  keineswegs  erweichen  lassen  sonder  immer  vortgefahren,
die  hochbeschwerliche  und  wider  den  religionsfrieden  ufgerichte  statuta,
edicta  und  morgensprachen  mit  schmehelichen  gefengnissen,  unträglichen
geltstrafen  und  stattverweisungen  zu  exequiren,  haben  uns  auch  durch
ihre  gefährliche  anbrengere  auf  alle  wege  nachgetrachtet,  wie  sie  uns
zum  creutz  bringen  konnen.”  Da  sie  in  unserm  gottsdienst  den

1  Diese  Aeussornng  fiel  bei  der  bensheimer  Unterredung  der  kurpfälzischen
  und  kurmainzischen  Räte  am  22.  November  1607;  vgl.  Briefe
und  Akten,  I.,  no.  508,  S.604,  V.,  no.  897  und  unten  no.  361  auf  8.  827.

?  Vgl.  über  die  Bedrängnis  der  evangelischen  Bürgerschaft  zu  Köln  ausser
L.  Ennen,  Geschichte  der  Stadt  Köln,  V.,  Düsseldorf  1880,  8.  472  f.,  648  f.  die
Verhandlungen  beim  rotenburger  Unionstag  in  no.  305,  S.  720  (Protokoll  vom
12./22.  August)  und  den  rotenbarger  Hauptabschied  in  no.  330,  8.770.  —  Andie  Bedrängnis
  der  evangelischen  Kölner  knüpftauch  der  mühlheimerStreit  an.  Die
Bedrängten  suchten  Zuflucht  in  der  „Freiheit“  Mühlheim  a.  Rh.,  die  im  Gebiet  der
Possidierenden  lag.  Schon  am  15.  September  1611  berichtet  eine  Zeitung  aus  Köln,
da  Mühlbeim  den  vertriebenen  Kaufleuten  aus  Köln  für  deren  Handlung  wol  gelegen
sei,  80  hätten  vergangene  Woche  die  Pogsidierenden  ihren  Baumeister  P.  Pasquil  und
den  Amtmann  dortgehabt,  um  die  „Gelegenbeit*  zu  besichtigen  und  Anstalten  zur
Erweiterung  des  Ortes  zu  treffen;  es  sollen  tausend  und  mehr  Häuser  gebaut
werden;  man  habe  in  diesem  Sommer  schon  einen  guten  Anfang  gemacht
und  solle  im  nächsten  damit  fortgefahren  werden;  man  wolle  auch  Patente
in  allen  Sprachen  anschlagen  und  grosse  Privilegien  gewähren  (De.,  A  9a,  Ic,
no.  10;  Avisen).  —  Besonders  Pfalzgraf  Wolfgang  Wilhelm  nahm  sich  der

.  24.  August
Belrängten  an  und  wandte  sich  am  3.  September  an  den  Kurfürsten  von

Sachsen  mit  der  Bitte,  die  Sache  der  Kölner  beim  Kurfürstentag  wahrzunehmen
  ‚Drm.,  1.  7388/6,  f.  560,  Or.).  ’
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