Volltext : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Dreiunddreißigster Jahrgang. 1917. Zweiter Teil. (58b)

238  Spesien.  (oi  6.—Mine.)

um  die  Unabhängigkeit  der  kleinen  Bölker  gekämpft  wird;  daß  es  nicht  wahr
it,  daß  um  die  politicche  Freiheit  der  Bölker  Krieg  geführt  wird;  daß  es
nicht  wahr  ist,  daß  darum  gestritten  wird,  daß  es  in  der  Welt  kein  militärisches
  Uebergewicht  mehr  gebe:  wir  müssen  wissen,  daß  das  militärische
Uebergewicht  zur  See  ebenso  militärisch  ist  wie  jenes  andere  zu  Lande,
nur  mit  dem  Unterichied,  daß  es  sich  auf  olle  Meere  und  Kontinente  erüreckt.
  Man  sagt  auch,  daß  sich  in  den  kriegführenden  Parteien  zwei  Lebensauffassungen
  gegenüberstehen,  zwei  Menschlichkeilsideale;  das  ist  gewiß.
Soll  aber  jenzt,  im  Namen  der  Freiheit,  die  fremde  Lebengauffasfung  vernichtet
  werden?  Gibt  ihre  Verschiedenartigkeit  Grund  genug,  um  mit  den
Wafsen  eine  zu  vernichten  und  ersticken  zu  wollen?  ir  haben  in  unserem
Verhalten  gegenüber  England,  Frankreich  und  Veus#  chland  die  liebenswürdigste
  Form,  das  größte  Entgegenkommen,  die  höchste  mit  unserer
Stellung  vereinbare  Untergebenheit  zu  erkennen  gegeben.  Wir  sind  ihre
Freunde  und  zeigen  uns  als  solche,  wir  bleiben  aber  dem  Kampfe  fern.
will  man  von  uns?  Wir  sollen  den  Abbruch  der  diplom.  Beziehungen
mit  Deutschland  erklären,  wir  sollen  uns  mit  Deutschland  verfeinden.
eutschland  hat  uns  kein  Unrecht  zufeügt  das  einen  Abbruch  der  Beziehungen
  rechtfertigte.  Wir  kennen  kein  Unrecht  das  den  Abbruch  der
diplom.  Beziehungen  begründete,  ir  können  die  Ungerechtigkeit  nicht  begehen,
  die  Beziehungen  zu  jemand  abzubrechen,  der  diese  nicht  verletzt  und
keinen  Anlaß,  sie  zu  lösen,  gegeben  hat.  Spanien  hat  genug  Würde,  um
nicht  Waffenpage  iampienden  tationen  zu  werden.  Larganhaltender  Beisall
  und  Zwischenrufe:  „Es  lebe  Maura!"“  „Es  lebe  der  Retter  Spaniens!“)
Ich  höre,  groste  Geringschätzung  steht  uns  in  Ausfche,  betrübliche  Vereinsamung,
  überall  im  Frieden  Feindseligkeiten.  Ja,  es  gibt  Leute,  die  glauben,
daß,  nachdem  die  Bettlerorden  aufgehoben  sind,  es  (Bettlernnonch  geben
wird;  daß  Spanien  auf  die  angewiesen  sein  wird,  die  ihm  elwas  geben:
daß  es  von  den  Trinkgeldern  derer  wird  leben  müssen,  die  an  den  Friedenskonferenzen
  teilnehmen  werden.  Wenn  dem  so  wäre,  würde  ich  verzichten
Spanier  zu  sein.  Nein,  nein,  sie  werden  uns  nichts  geben  von  dem,  was
wir  verdienen,  sie  werden  uns  nichts  geben  von  dem,  auf  das  wir  Unfpruch
haben.  Die  Unobhängigkeit,  die  Würde  Spaniens  liegen  in  seiner  eigenen
Rraft,  in  seinem  eigenen  Sein.  Im  Austausch  brauchen  wir  vieles,  im  Austausch,
  nicht  ohne  diesen!  Das  ist  der  Boden,  auf  dem  die  internationale
Politik  Spaniens  erwachsen  soll;  das  ist  die  Grundlage  aller  unserer  auswärtigen
  Beziehungen;  nur  einen  Ruf  kennen  wir:  das  Wohl  des  Reiches.
6—11.  Mai.  (Sevilla.)  6.  Kongreß  der  span.  Gesellschaft  f.

d.  M  der  Wissenschaften.

t  Eroffnungsrede  fuhrt  König  Alsens  aus,  daß  Spanien,  das
eine  Tr  Neutralität  bewahren  wolle,  in  er  glücklichen  Lage-  sei,  sich
derarligen  friedlichen  und  fruchtbringenden  —  zu  widmen  und  sich  dadurch,
  während  in  Europa  eine  Tragödie  sich  abspiele,  die  einst  der  Schrecken
der  Geschichte  sein  werde,  als  eine  treue  Hüterin  des  Friedens  zu  erweisen.

Mitte  Mai.  Antwort  Deutschlands  auf  die  Note  v.  20.  April.

Das  Madrider  Blatt  „AB“  veröffentlicht  ein  Interviem  seines
Berliner  Vertreters  mit  dem  deutschen  Unterstaatssekretär  von  dem  Bussche.
Dieser  machte  über  den  Inhalt  der  Antwort  auf  die  span.  Protestnote
  wegen  der  Versenkung  der  „San  Fulgencio“  (s.  S.  234)  folgende
Mitteilungen:  Die  Antwort,  die  bereits  dem  span.  Bokschafter  übergeben
wurde,  ist  von  dem  aufrichtigen  Wunsche  geleiret,  mit  Spanien  die  herzlichsten
  Beziehungen  aufrechtzuerhalten.  Sie  legt  dar,  daß  die  Versenkung