Full text : Rosenheimer Anzeiger. 63. Jahrngang (63)

Rosenhei

 

 

erscheint  täglich  nachmittags  4  Uhr  (mit  Ausnahme  der  Sombonnementsprels
  beträgt  oierte
fenmig.  Für  Postabormenten:  Zustellgeblhr

Bernsprecher:  Verlag  und  Redattion  Rr.  72;  Inseraten  ·  Abtellung  Nr.  A.

—  Der
—m—

ammer  75  —  —

qahriich  Mart  Vseunig.
frei  ins  Haus  14  Pfennig  monatlch.

 

 

  

t  Anzeiger

 

 

 

Di  5  Kaelle  im  Anzeigemtel  kostet  10  Pf.,  die  Peiltzelle  im  Neklametell  80  Bi.
1—  4  Vogler  A.  #%  kgen  München,  Rürnberg,  Berlin  us#
*  Schluß  der  unzeigen.  Annahme  1  Uhr  mittags.

und  Beilaogen  durch  die  Annoncen-Expedition  Haofen- 



 

Rosenheimer  Tagblatt

Amtliches  Publitations/Organ

Samstag  31.  März  1917

Hretestantisc:  Traugett  .  63.  Jahrgang

Die  Rede  des  Reichskanzlers  über  die  innere  und  auswärtige  Politik.

Keinerlei  Einmischung  Deutschlands  in  die  russische  Umwälzung  —  Die  Gerüchte  über  einen  rufsischen  Sonderfrieden.
Spaltung  im  russischen  Arbeiterausschuß.  —  Die  wirtschaftlichen  Einschränkungen  in  Frankreich.  —  Schweizerische  Friedensbestrebungen
  —  Spanien  im  Belagerungszustand.

Die  Kriegslase.

Nr.  BroLesn  Sauptquartier,  be#

30.  März,  vormilttags.  Amtlich.  ·
Westlicherlcrkegssckzauplaij.

An  der  Arlois-Front  war  der  Artilleriekampf
lebhaft.  Oestlich  von  Neuwille-St.-Vaast  griffen
lanadische  Regimenter  unsere  Stellungen  vier  mal
während  der  Nacht  an.  Sie  sind  stets  verlustreich
  zurüclgeschlagen  worden.  Einige  Fefangene
  sind  in  unserer  Hand  geblieben.

Beiderseits  der  Straße  Peronne-Fins  wichen
unsere  Sicherungen  nach  Gesecht  mit  stärkeren
englischen  Kräflen  in  der  Linie  Nunankcourt=Sorel
  aus.  Nordöstlich  von  Soissons  versuchten
seindliche  Bataillonc  vergeblich,  bei  Neuville  u.
Margival  Boden  zu  gewinnen.  Unsere  oslen
wiesen  sie  verlustreich  ab.

Am  Aiene-Marne-Kanal  deutelen  Ansanm.
lungen  zwischen  Sapigneul  und  La  Neuville  auf
einen  sich  vorbereitenden  Angriff,  der  durch
Ansere  Vatterien  niedergehalten  wurde.

In  der  Champagne  sind  gleichsall-  Bereil-Nellungen
  sranzösischer  Angriffstlruppen  wirlungevoll
  beschossen  worden.

Im  Paroy-Wald  (Lothringer  Front)  hollen
unsere  Stoßtrupps  13  Gefangene  auo  den  fransischen
  Gräben.

Cestlichen  Kriegsschauplat

Front  des  Veneralseldnarlschall

IIIIIIIII111——

Wenlich  ron  Dünaburg  scheiterte  ein  An-Ariff
  mehrerer  russischer  Kompanien  in  unserem
Feuer.  .

Vei  der  :  ’
bietesktsst  desseauuohetssn

tzetzas  Oel-ps.
tnd  bei  der

-  des  General-  .„Fel

arschalls  n.  Mackensen.

Keine  nieniiceg  Ereignisse.

Mazedonische  Front.

Erlundungsabteilungen  erbeuteten  bei  cinem
„Vorstoß  in  die  französischen  Gräben  zwischen
Ochrida-  und  Prespa-See  mehrere  Schnelladegewehre
  und  reichliche  Munitionsvorräte.

Der  erste  Generalquartiermeister

".  Ludendorff.

Hex  umtliche  öfterrei  is#e  #erh,

MTB.  Wien,  30.  Mat  Antlich  wird  ver.
lautbart:

Stalteniiches  u####

Im  Karstabschnitt  ist  die  Artillerietätigkeit
im  Kampfraum  unserer  lehten  Unlerne  hnun.
gen  sehr  lebhaft.

overeto  und  Arco  standen  hestern  unter
di  Feuer  mittlerer  und  schwerer  Geschühe.  In
6  wurde  das  Zivilspital  getroffen.

Der  stellv.  Chef  des  Generalstabes.  1

 

GEise  Irreise  in  das

enslische  Speregebiel.
WTB.  Berlin,  30.  März.  Amtlich.  In  der
Nacht  vom  23.  zum  29.  März  haben  Teiie  unserer
  Seestreitkräfte  das  Sperrgeblet  vor  der
Südostküste  Englands  abgestreift.  Außer  dem
lewaffneten  englischen  Dampfer  „Maccotto“
(1095  Bruttoregistertomen),  der  acht  Seemeilen
östlich  Lowesstoff  angetroffen  und  durch  Artil
leriefeuer  versenlt  wurde,  sind  weder  feindliche
Secstreitkräfte  noch  Handelsverkehr  gesichtet
worden.  Sieben  Mann  der  Besatzung
des  Dampfers  „Maccotto“  wurden  gesangen

genommen.  .  l
IrrOpdelenumlllabsdck  Manne

Medusas-d

Sonderfriedensgerüchte.
Verlin,  30.  März.  Zu  Amsterdamer  Bör,
sengerüchten  über  einen  bevorstehenden  russischen
  Sonderfrieden  bemerkt  die  „Morgenpost":
Wir  verzeichnen  diese  Meldung,  wmeil  sie  sich  ja
doch  wie  alle  solchen  Gerüchte  in  solchen  Zeilen
sehr  raf  herumspricht,  möchten  aber  davor  wur.
nen,  sich  in  allzu  verfrũhlen  Illusionen  zu
Liegen.  Naturgemäß  geben  Erei#misse,  w  wic  die
gegenwärtig  in  Rußland  sich  abspielenden,  zu
allerhand  Kombinationen  nicht  nur  dem  Laien,
sondern  wohl  auch  in  diplomatischen  Kreisen
Anlaß.  Aber  auf  Grund  eines  Börsengerüchtes
nur  solche  Nachrichten  zu  glauben,  davor  müssen
  wir  warnen.
Dic  wirtschaftl.  Einschränlungen  in
Frankreich
Bern,  30.  März.  Wie  der  „Pett  Parisien“,
berichtet,  trat  unter  dem  Vorsitg  NRibots  der
neue  franzosische  Wirtschaftsrat  zusammen,  um
die  Frage  weiterer  Einschränlungen  zu  bespred.n.
Es  wurde  beschlossen,  daß  der  Werproviantierungeminister
  sein  Programm  neuer  Einschränlungen,
  die  auch  infolge  des  Versagens  der
Höchstpreisepolitik  notwendig  werden,  in  der
Kammer  auseinanderseßen  solle.  Das  Programm
  sieht  einc  energische  Rotionierungepolitik
und  für  den  Fall,  daß  diese  Mahnahme  scheitern.
sollte,  Requirierung  vor.  Das  Publikum  soll
über  den  Ermst  der  Lage  ausgellärt  werden.
Man  müsse  eine  scharfe  Rationierung  des  Kohlen-
  und  Gasverbrauchs  einführen.  Bezüglich
der  Getreide-  und  Brotfrage  werde  man  gezwungen
  sein,  dem  Publikum  neue  Opfer  auszuerlegen.
  Das  Brot  müsse  mit  Ersatzmehl  gemischt
werden.
Der

 

Zar  in  Händen  des
ustizministers.
Stockholm,  30.  März.  Laut  „Rußkoje
Wiedomosti“  besuchte  Kercchery  den  Rat  der
Mos  lauer  Arbeiterdeputierten,  wobei  er  auf

Fragen  der  Mitglieder  antuortete:  Nilolai  Ni-Lolalewitsch

  wird  keinesfalls  Oberbefehlshaber
Stürmischer  Beifall).  Der  Zar,  von  allen  verlassen,
  hat  die  provisorische  Regierung  um
Schutz  gebeten.  Als  oberster  Justizbeamter  liegt
sein  u.  u.  ei  Familie  Schidsal  in  meiner  Hand.
□J  de  den  Exzaren  nach  einem  bestimmten

2  brngen  lassen,  und  bitte  Sie,  mir  die
Henehmigung  hierzu  zu  erteilen.

 

 

—
Euglands  wklschafll.  Bedränguis

Wir  wollen  nicht  in  den  Fehler  unferer  Feinde
  verfallen  und  täglich  den  Zusammenbruch
unserer  Gegner  auf  den  nächsten  Tag  festsetzen.
Deshbalb  weisen  wir  im  Folgenden  lediglich  ein
paar  llanke  Nachrichten  untereinander,  die  zu
sammen  für  lich  selbst  reden  mogen:

Die  „Times“  teilen  mit,  daß  in  Grohbritannien
  vom  7.  April  bis  zur  neuen  Ernte  150170
Tonnen  Kartoffeln  zur  Verfügung  stehen,  das
ist  genau  die  Hälfte  des  normalen  Bedarfs.

„Weekly  Dispatsch“  schreibt:  Viele  boffen
noch  immer  auf  eine  Verschlimmerung  der  wirk.

schaftlichen  Lage  Deutschlands,  aber  nach  oer

Ueberwindung  eines  strengen  Winters  wird  es
wahrscheinlich  bis  zur  näch'ten  Ernie  durehhaiten.
Dazu  werden  ihm  die  croberten  rumanischen
Weizenselder  erheblich  vermehrte  Zufuhr  bringen.
  Auf  Deutschland-  Erschopfung  iit  daher
nicht  zu  rechnen.  Unsere  eigene  Karloffellnapp.
heit  ist  durch  die  deutschen  11.  Boote  noch  schlim.
mer  geworden.  Von  Irland  kommende  Kartof.
felladungen  wurden  kurz  vor  dem  Hafen  von
Lolphead  versenkt.  Der  patriotische  Londoner
lat  bis  jetzt  keine  Saatlartoffeln  fur  seinen
Garten.  In  sechs  Wochen  werden  die  Kartof
seln  von  unseren  Tischen  verschwungen  sein.
Unser  Brot  wird  im  Fruhsommer  verturzt  an
Veschaffenhcit  und  verschlechtert  werden.
Carl  f  Dunraven  erklärte  nach  dem  .Daily
Telegraph“  in  einem  Vortrag:  Zur  Berbefse.
rung  der  Versorgung  Englands  mit  Fischen  sei
mehr  erforderlich,  als  die  vom  Landwirtschafte
minister  versprochene  Einsetzung  eines  Auoschuf.
ses.  Die  Besorgnis  wegen  der  Ernährungsfragen
sei  allgemein.  Die  Fischerei  hätte  durch  den
Krieg  vielleicht  mehr  gelitten  als  irgend  ein  anderer
  Erwerbszweig.  Der  vor  dem  Krieg  109
Millionen  engl.  Zentner  betragende  Fang  ging
1915  auf  6  Millionen  zurück.

Das  Liverpooler  „Journal  of  Commerce“
bericktet  in  seiner  Wochenschau  aus  Cardiff:  Der
zur  Verfügung  stehende  Schisseraum  war  kian
per  denn  je.  Erhebliche  Unregelmäßigleiten  im
Betriebe  der  Kohlenbergwerle  machien  sich  be.
merklar.  Die  Statistik  der  Kohlenbergwerle,
bie  im  Februar  still  lagen,  verrät  den  Ernit  der

Lage.

Aus  Swansce  wird  gemeldet:  Der  Kohlenhandel
  weist  nach  den  amtlichen  Mitteilungen  der
Lafenkammer  einen  gewaltigen  Rückgang  auf.
Während  1913  der  Einfuhr,  und  Ausfuhrhandel
im  dortigen  Hasen  7231  250  Tonnen  betrug.
zeigte  er  1916  eine  Abnahme  von  nicht  weniger
als  2  075  167  Tonnen,  das  bHeißt  von  2),8  Pro.
zent.  Die  Schiffsraumknappheit  wird  in  Swan.
see  sehr  stark  verspürt.  Der  Handel  litt  durch  die
Frachtbeschränkungen  schwer.  Die  gegenwärtige
Lage  im  Swansee  Bezirk  ist  sehr  ernst.  Die  meisten
  Kohlenbergwerke  arbeiten  nur  drei  bis  vier
Tage  in  der  Wocke,  da  es  an  Schüfsraum  fehlt.
Nicht  weniger  als  18  Tage  im  Februat  mußten
die  Anthrazit.  Kohlenbergwerle  seiern.  Die  Berichte
  aus  New  Castle  und  Hull  lauten  ähnli.

Der  aneingeschränkte  M  Soct-Krieg
Staatssekretär  von  Caxrxelle  über
den  U.  Bootkrieg.

Berlin,  29.  März.  Im  Hauptausschuß  des
Reichstages  Mmachte  der  Staatssekretaxr  des

 

 

eickmarine  Amtes  von  Capelie  vertrauliche
Ausführungen  über  den  U  Boolkrieg.,  aus  denen
mit  erfreulicher  Deutlichkeit  hervorg:  ng,  daß  alle
Erwartungen  sich  in  vollem  Amfange  erfüllten.
Die  im  Februar  trotßz  ungi  mitiger  Witterung,
trotz  Eisganges  in  umeren  Fiußmuündungen.

lrot  lange  anhaltenden  Nebls  und  der  langen
4½1

Nächic  erziellen  Ergebnisse  von  731  30.)  Tonnen
eroffnen  die  besten  Aucsichten  für  die  Zukunft.
um  so  mehr,  da  nickt  nur  die  Bahl  der  U  Boote
an  der  Front  in  slctem  Wacksen  b#griffen  it,  son.
dern  auch  die  Beoe  selb't  immer  leistungsfahiger
werden.  Alle  in  en  dlichen  u.  zum  Teil  auch
in  neutralen  Vlättern  emlallenen  Angalen
über  die  Bernicktung  von  zahlreichen  deunschen
II.  Vocten  sind  erfunden.  Di  Verlufte  halten
sid)  im  Gegenleil  a#  der  urtteren  (Gre'#ne  bessen,
mas  die  Marine  vo#n  Aufsan  an  in  ihre  Berech
nungen  cinne##ckit  Batte.  Fur  bdie  (Kesamt  zahl
der  Vooie  laun  die  Zahl  der  verlorenen  11  Be#ie
uberbaupt  it  in  Vettucht  lomme  Ui#re
Gegner  machen  allerbinge  bie  groiten  Amren
qungen,  der  u  *  Herr  zu  morden:  mwenn
sie  mit  Neden  im  Parlamem  und  (CLeschrei  in
den  Jeitungen  nermunden  ur  erden  lonnien,  so
waren  Tsie  aller  d#ng  *  berichwünden.  Er
lonne  ich  damit  b#t  cn,  den  Rebr  reien  un.
serer  Seinde  bi:  Ta  den  entaege:  uhelen
gros#e  Erfolge,  je  hr  geringe  Verue

 

  

Auch  der  Monat  Mäarz  hat  a  ;  uach  dern  hin
lerigen  Meldungen  sehr  Zur  a#  velassen,  troßdem
  lereils  jell:  uberall  im  Sperrgebiet  ein
fühllarer  RNuägqang  der  Schlffahrt  eingetreten
ist  und  die  !l  Bobte  weniner  Schiffe  anireffen.
Leßteres  in  in  der  Hauptsache  dem  Verhalten  der
Neutralen  zuzusck.  reiben.  Die  Marine  hat  es
sehr  begrun,  daß  die  neutrale  Schiffahrt  die
perrgekite  meidet.  Ner  utrale  Schiffe  zu  versenten.
  ist  fur  Unsere  Streitträfte  schmerzlich,
eimn  lurte,  aber  unbedingte  Notwendigkeit.
:  Marine  hofft,  daß  ihre  eindringlicke  Warlung,
  die  Sperrgebicte  zu  befahren,  in  immer
steigendem  Maße  in  neutralen  Scheffahrstrei.
sen  Vernändnio  und  Beachlung  finden  wird.
Unsere  Feinde,  vor  allem  England,  versuchen
mit  allen  Mitteln,  mit  Zwang  und  Schikanen,
mit  Forderungen  und  Versprechungen,  mit  Verbeimlichungen
  und  Verichleierungen  der  Schiffsverluste,
  mit  salschen  Angaben  uber  Versenkun.
gen  deuischer  U  Boote  die  Neutralen  zu  bewegen,
weiter  die  Zufuhr  nach  England  aufrecht  zu  erhalten
  und  ihre  Haut  fur  England  zu  Markt
zu  tragen.  Am  53.  Februar  hat  der  englische
Marineminister  Carson  im  Unterhause  erklärt,
niemals  würde  er  sich  dam  versiehen,  Verluste
zu  verleimlichen.  Wenige  Tage  späler  hat  er  die
Ver  ffenllichungen  cingerelli.  Der  Grund  liegt
fur  jeden,  der  sehen  will,  Uar  auf  der  Hand.
Wir  konnen  uns  auch  bier  damit  begnügen,  dem
Gebahren  unserer  Feinde  Zegenuber  die  Talsa.
chen  sprechen  zu  lassen.  Die  Neutralen.  haben
sellst  zu  entscheiden.

Wir  muüssen  und  konnen  mit  aller  Ruhe  allen
weileren  Emtschlich  ungen  Atgchenschen.  In
der  Marine  ist  alles  davon  durchdrungen  vom
Flottenchef  an,  der  mit  seinen  Streitkräfen  hin.
ler  den  U.Booten  steht  und  ihnen  Bewegungsfreiheit
  und  Auebildungemoglichleit  sichert,  bis
zum  jfüngsten  Matrosen  und  Heizer,  daß  die
übernommene  Aufgabe  bie  zum  siegreichen  En.
de  durchgeführt  werden  werd.  Zu  den  Auslaft
lungen  des  Staatslckretärs  erklärte  Staats.