Rosenhei
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und Beilaogen durch die Annoncen-Expedition Haofen-
Rosenheimer Tagblatt
Amtliches Publitations/Organ
Samstag 31. März 1917
Hretestantisc: Traugett . 63. Jahrgang
Die Rede des Reichskanzlers über die innere und auswärtige Politik.
Keinerlei Einmischung Deutschlands in die russische Umwälzung — Die Gerüchte über einen rufsischen Sonderfrieden.
Spaltung im russischen Arbeiterausschuß. — Die wirtschaftlichen Einschränkungen in Frankreich. — Schweizerische Friedensbestrebungen
— Spanien im Belagerungszustand.
Die Kriegslase.
Nr. BroLesn Sauptquartier, be#
30. März, vormilttags. Amtlich. ·
Westlicherlcrkegssckzauplaij.
An der Arlois-Front war der Artilleriekampf
lebhaft. Oestlich von Neuwille-St.-Vaast griffen
lanadische Regimenter unsere Stellungen vier mal
während der Nacht an. Sie sind stets verlustreich
zurüclgeschlagen worden. Einige Fefangene
sind in unserer Hand geblieben.
Beiderseits der Straße Peronne-Fins wichen
unsere Sicherungen nach Gesecht mit stärkeren
englischen Kräflen in der Linie Nunankcourt=Sorel
aus. Nordöstlich von Soissons versuchten
seindliche Bataillonc vergeblich, bei Neuville u.
Margival Boden zu gewinnen. Unsere oslen
wiesen sie verlustreich ab.
Am Aiene-Marne-Kanal deutelen Ansanm.
lungen zwischen Sapigneul und La Neuville auf
einen sich vorbereitenden Angriff, der durch
Ansere Vatterien niedergehalten wurde.
In der Champagne sind gleichsall- Bereil-Nellungen
sranzösischer Angriffstlruppen wirlungevoll
beschossen worden.
Im Paroy-Wald (Lothringer Front) hollen
unsere Stoßtrupps 13 Gefangene auo den fransischen
Gräben.
Cestlichen Kriegsschauplat
Front des Veneralseldnarlschall
IIIIIIIII111——
Wenlich ron Dünaburg scheiterte ein An-Ariff
mehrerer russischer Kompanien in unserem
Feuer. .
Vei der : ’
bietesktsst desseauuohetssn
tzetzas Oel-ps.
tnd bei der
- des General- .„Fel
arschalls n. Mackensen.
Keine nieniiceg Ereignisse.
Mazedonische Front.
Erlundungsabteilungen erbeuteten bei cinem
„Vorstoß in die französischen Gräben zwischen
Ochrida- und Prespa-See mehrere Schnelladegewehre
und reichliche Munitionsvorräte.
Der erste Generalquartiermeister
". Ludendorff.
Hex umtliche öfterrei is#e #erh,
MTB. Wien, 30. Mat Antlich wird ver.
lautbart:
Stalteniiches u####
Im Karstabschnitt ist die Artillerietätigkeit
im Kampfraum unserer lehten Unlerne hnun.
gen sehr lebhaft.
overeto und Arco standen hestern unter
di Feuer mittlerer und schwerer Geschühe. In
6 wurde das Zivilspital getroffen.
Der stellv. Chef des Generalstabes. 1
GEise Irreise in das
enslische Speregebiel.
WTB. Berlin, 30. März. Amtlich. In der
Nacht vom 23. zum 29. März haben Teiie unserer
Seestreitkräfte das Sperrgeblet vor der
Südostküste Englands abgestreift. Außer dem
lewaffneten englischen Dampfer „Maccotto“
(1095 Bruttoregistertomen), der acht Seemeilen
östlich Lowesstoff angetroffen und durch Artil
leriefeuer versenlt wurde, sind weder feindliche
Secstreitkräfte noch Handelsverkehr gesichtet
worden. Sieben Mann der Besatzung
des Dampfers „Maccotto“ wurden gesangen
genommen. . l
IrrOpdelenumlllabsdck Manne
Medusas-d
Sonderfriedensgerüchte.
Verlin, 30. März. Zu Amsterdamer Bör,
sengerüchten über einen bevorstehenden russischen
Sonderfrieden bemerkt die „Morgenpost":
Wir verzeichnen diese Meldung, wmeil sie sich ja
doch wie alle solchen Gerüchte in solchen Zeilen
sehr raf herumspricht, möchten aber davor wur.
nen, sich in allzu verfrũhlen Illusionen zu
Liegen. Naturgemäß geben Erei#misse, w wic die
gegenwärtig in Rußland sich abspielenden, zu
allerhand Kombinationen nicht nur dem Laien,
sondern wohl auch in diplomatischen Kreisen
Anlaß. Aber auf Grund eines Börsengerüchtes
nur solche Nachrichten zu glauben, davor müssen
wir warnen.
Dic wirtschaftl. Einschränlungen in
Frankreich
Bern, 30. März. Wie der „Pett Parisien“,
berichtet, trat unter dem Vorsitg NRibots der
neue franzosische Wirtschaftsrat zusammen, um
die Frage weiterer Einschränlungen zu bespred.n.
Es wurde beschlossen, daß der Werproviantierungeminister
sein Programm neuer Einschränlungen,
die auch infolge des Versagens der
Höchstpreisepolitik notwendig werden, in der
Kammer auseinanderseßen solle. Das Programm
sieht einc energische Rotionierungepolitik
und für den Fall, daß diese Mahnahme scheitern.
sollte, Requirierung vor. Das Publikum soll
über den Ermst der Lage ausgellärt werden.
Man müsse eine scharfe Rationierung des Kohlen-
und Gasverbrauchs einführen. Bezüglich
der Getreide- und Brotfrage werde man gezwungen
sein, dem Publikum neue Opfer auszuerlegen.
Das Brot müsse mit Ersatzmehl gemischt
werden.
Der
Zar in Händen des
ustizministers.
Stockholm, 30. März. Laut „Rußkoje
Wiedomosti“ besuchte Kercchery den Rat der
Mos lauer Arbeiterdeputierten, wobei er auf
Fragen der Mitglieder antuortete: Nilolai Ni-Lolalewitsch
wird keinesfalls Oberbefehlshaber
Stürmischer Beifall). Der Zar, von allen verlassen,
hat die provisorische Regierung um
Schutz gebeten. Als oberster Justizbeamter liegt
sein u. u. ei Familie Schidsal in meiner Hand.
□J de den Exzaren nach einem bestimmten
2 brngen lassen, und bitte Sie, mir die
Henehmigung hierzu zu erteilen.
—
Euglands wklschafll. Bedränguis
Wir wollen nicht in den Fehler unferer Feinde
verfallen und täglich den Zusammenbruch
unserer Gegner auf den nächsten Tag festsetzen.
Deshbalb weisen wir im Folgenden lediglich ein
paar llanke Nachrichten untereinander, die zu
sammen für lich selbst reden mogen:
Die „Times“ teilen mit, daß in Grohbritannien
vom 7. April bis zur neuen Ernte 150170
Tonnen Kartoffeln zur Verfügung stehen, das
ist genau die Hälfte des normalen Bedarfs.
„Weekly Dispatsch“ schreibt: Viele boffen
noch immer auf eine Verschlimmerung der wirk.
schaftlichen Lage Deutschlands, aber nach oer
Ueberwindung eines strengen Winters wird es
wahrscheinlich bis zur näch'ten Ernie durehhaiten.
Dazu werden ihm die croberten rumanischen
Weizenselder erheblich vermehrte Zufuhr bringen.
Auf Deutschland- Erschopfung iit daher
nicht zu rechnen. Unsere eigene Karloffellnapp.
heit ist durch die deutschen 11. Boote noch schlim.
mer geworden. Von Irland kommende Kartof.
felladungen wurden kurz vor dem Hafen von
Lolphead versenkt. Der patriotische Londoner
lat bis jetzt keine Saatlartoffeln fur seinen
Garten. In sechs Wochen werden die Kartof
seln von unseren Tischen verschwungen sein.
Unser Brot wird im Fruhsommer verturzt an
Veschaffenhcit und verschlechtert werden.
Carl f Dunraven erklärte nach dem .Daily
Telegraph“ in einem Vortrag: Zur Berbefse.
rung der Versorgung Englands mit Fischen sei
mehr erforderlich, als die vom Landwirtschafte
minister versprochene Einsetzung eines Auoschuf.
ses. Die Besorgnis wegen der Ernährungsfragen
sei allgemein. Die Fischerei hätte durch den
Krieg vielleicht mehr gelitten als irgend ein anderer
Erwerbszweig. Der vor dem Krieg 109
Millionen engl. Zentner betragende Fang ging
1915 auf 6 Millionen zurück.
Das Liverpooler „Journal of Commerce“
bericktet in seiner Wochenschau aus Cardiff: Der
zur Verfügung stehende Schisseraum war kian
per denn je. Erhebliche Unregelmäßigleiten im
Betriebe der Kohlenbergwerle machien sich be.
merklar. Die Statistik der Kohlenbergwerle,
bie im Februar still lagen, verrät den Ernit der
Lage.
Aus Swansce wird gemeldet: Der Kohlenhandel
weist nach den amtlichen Mitteilungen der
Lafenkammer einen gewaltigen Rückgang auf.
Während 1913 der Einfuhr, und Ausfuhrhandel
im dortigen Hasen 7231 250 Tonnen betrug.
zeigte er 1916 eine Abnahme von nicht weniger
als 2 075 167 Tonnen, das bHeißt von 2),8 Pro.
zent. Die Schiffsraumknappheit wird in Swan.
see sehr stark verspürt. Der Handel litt durch die
Frachtbeschränkungen schwer. Die gegenwärtige
Lage im Swansee Bezirk ist sehr ernst. Die meisten
Kohlenbergwerke arbeiten nur drei bis vier
Tage in der Wocke, da es an Schüfsraum fehlt.
Nicht weniger als 18 Tage im Februat mußten
die Anthrazit. Kohlenbergwerle seiern. Die Berichte
aus New Castle und Hull lauten ähnli.
Der aneingeschränkte M Soct-Krieg
Staatssekretär von Caxrxelle über
den U. Bootkrieg.
Berlin, 29. März. Im Hauptausschuß des
Reichstages Mmachte der Staatssekretaxr des
eickmarine Amtes von Capelie vertrauliche
Ausführungen über den U Boolkrieg., aus denen
mit erfreulicher Deutlichkeit hervorg: ng, daß alle
Erwartungen sich in vollem Amfange erfüllten.
Die im Februar trotßz ungi mitiger Witterung,
trotz Eisganges in umeren Fiußmuündungen.
lrot lange anhaltenden Nebls und der langen
4½1
Nächic erziellen Ergebnisse von 731 30.) Tonnen
eroffnen die besten Aucsichten für die Zukunft.
um so mehr, da nickt nur die Bahl der U Boote
an der Front in slctem Wacksen b#griffen it, son.
dern auch die Beoe selb't immer leistungsfahiger
werden. Alle in en dlichen u. zum Teil auch
in neutralen Vlättern emlallenen Angalen
über die Bernicktung von zahlreichen deunschen
II. Vocten sind erfunden. Di Verlufte halten
sid) im Gegenleil a# der urtteren (Gre'#ne bessen,
mas die Marine vo#n Aufsan an in ihre Berech
nungen cinne##ckit Batte. Fur bdie (Kesamt zahl
der Vooie laun die Zahl der verlorenen 11 Be#ie
uberbaupt it in Vettucht lomme Ui#re
Gegner machen allerbinge bie groiten Amren
qungen, der u * Herr zu morden: mwenn
sie mit Neden im Parlamem und (CLeschrei in
den Jeitungen nermunden ur erden lonnien, so
waren Tsie aller d#ng * berichwünden. Er
lonne ich damit b#t cn, den Rebr reien un.
serer Seinde bi: Ta den entaege: uhelen
gros#e Erfolge, je hr geringe Verue
Auch der Monat Mäarz hat a ; uach dern hin
lerigen Meldungen sehr Zur a# velassen, troßdem
lereils jell: uberall im Sperrgebiet ein
fühllarer RNuägqang der Schlffahrt eingetreten
ist und die !l Bobte weniner Schiffe anireffen.
Leßteres in in der Hauptsache dem Verhalten der
Neutralen zuzusck. reiben. Die Marine hat es
sehr begrun, daß die neutrale Schiffahrt die
perrgekite meidet. Ner utrale Schiffe zu versenten.
ist fur Unsere Streitträfte schmerzlich,
eimn lurte, aber unbedingte Notwendigkeit.
: Marine hofft, daß ihre eindringlicke Warlung,
die Sperrgebicte zu befahren, in immer
steigendem Maße in neutralen Scheffahrstrei.
sen Vernändnio und Beachlung finden wird.
Unsere Feinde, vor allem England, versuchen
mit allen Mitteln, mit Zwang und Schikanen,
mit Forderungen und Versprechungen, mit Verbeimlichungen
und Verichleierungen der Schiffsverluste,
mit salschen Angaben uber Versenkun.
gen deuischer U Boote die Neutralen zu bewegen,
weiter die Zufuhr nach England aufrecht zu erhalten
und ihre Haut fur England zu Markt
zu tragen. Am 53. Februar hat der englische
Marineminister Carson im Unterhause erklärt,
niemals würde er sich dam versiehen, Verluste
zu verleimlichen. Wenige Tage späler hat er die
Ver ffenllichungen cingerelli. Der Grund liegt
fur jeden, der sehen will, Uar auf der Hand.
Wir konnen uns auch bier damit begnügen, dem
Gebahren unserer Feinde Zegenuber die Talsa.
chen sprechen zu lassen. Die Neutralen. haben
sellst zu entscheiden.
Wir muüssen und konnen mit aller Ruhe allen
weileren Emtschlich ungen Atgchenschen. In
der Marine ist alles davon durchdrungen vom
Flottenchef an, der mit seinen Streitkräfen hin.
ler den U.Booten steht und ihnen Bewegungsfreiheit
und Auebildungemoglichleit sichert, bis
zum jfüngsten Matrosen und Heizer, daß die
übernommene Aufgabe bie zum siegreichen En.
de durchgeführt werden werd. Zu den Auslaft
lungen des Staatslckretärs erklärte Staats.