Metadata : Deutsche Geschichte. Erster Band. (1)

Landbau  und  Kolonifation.  Die  Entwidlung  der  Städte.  283

einzige,  zwilchen  dem  Erzbiichof  Konrad  von  Hochjitaden  (1238  bis
1261)  und  der  Stadt  ausgebrochen  war.

Mit  dem  Wohlitand  Stiegen  die  Ansprüche  an  das  Leben,  derlurus,
und  mit  ıhm  die  Kräfte,  mit  denen  man  die  Bedürfniffe,  die  er  {chuf,
befriedigte:  und  hier  namentlich  Tiegt  die  Hauptiwirfung  der  Kreuzzüge
und  der  Belanntichaft  mit  dem  Orient,  die  fie  erichloffen.  Yon  allen
Seiten,  auf  allen  Seiten  hatte  fich  der  Horizont  erweitert  und  erhellt,
und  dies  offenbarte  ich  am  deutlichiten  auf  den  Gebieten,  welche  beftimmt
  find,  da8  Gemüt  der  Not  und  der  fchweren  Lebensarbeit  zu
entrücden  und  über  fie  zu  erheben  —  der  Literatur  und  der  Kunft.

Sehr  deutlich  Fündet  fich  hier  der  Fortichritt  und  Der  heraufziehende
  Tag  au.  Die  Führung  hatte  auch  hier  Frankreich,  wo
fi  die  weltliche  Dichtung  in  der  Landesiprache  oder  vielmehr  in
den  noch  ihre  Stelle  einnehmenden  Dialeften  rafcher  al3  in  Deutichland
  entwidelt  hatte,  da  die  Volfsipracdhe  dort  ja  romanilch,  aus
dem  Lateinischen  erwacjlen  war;  auch  in  Wifjenjchaften  und  an
Lehranftalten  war  das  Land  voraus,  eine  ftolze  Neihe  berühmter
Schulen,  auch  aus  der  Ferne  aufgefucht,  werden  erwähnt,  an  ihrer
Spite  Baris.  In  Deutichland  war  die  Pflege  der  Literatur  nod)
im  zwölften  Sahrhundert  größtenteil®  den  Geiftlichen  anhetıngegeben.
  Aber  die  Klofterichulen  Hatten  doch  auch  die  Laienichaft  in
großem  Umfang  aufgewect,  und  die  Zahl  der  Laien,  welche  Iejen
und  jchreiben  fonnten,  nahm  zu.  Diefe  Mehrung,  aber  auch  ihre
Grenzen  gewahren  wir,  wenn  wir  erfahren,  daß  einer  der  erleuchtetiten
  Dichter  des  dreizehnten  Jahrhunderts,  der  Ritter  Wolfram
von  Eichenbach,  des  Schreibens  nicht  mächtig  war.  Allein  der
Nuben  diefer  Künfte  des  Leiens  und  Schreibens  war  allzu  einfeuchtend,
  als  daß  fie  fich  nicht  vajch  hätten  verbreiten  follen.
Dem  erweiterten  Gefichtöfreife  genügten  nicht  mehr  die  biblischen
Terte,  die  num  doch  auch  in  deutfchen  Überfegungen  den  Laien
zugänglich  wurden:  fie  wurden,  wo  der  Gegenitand  einlud,  wie
etwa  in  einem  Gedicht  vom  jüngften  Gericht  poetifch  geitaltet.
Mehr  und  mehr  aber  famen  auch  weltliche  Stoffe  zu  Ehren:  eine
Weltchronit  hebt  mit  Julius  Cäjar  an,  den  fie  dann  aufs  freiefte