Full text : Bavaria. Landes und Volkskunde des Königreiches Bayern.

Abriß  der  Ortsgeschichte.  1155

von  welchen  er  an  die  Werdenstein,  von  diesen  an  das  Stift  Kempten  und
endlich  durch  die  Säkularisation  an  die  Krone  Bayern  kam.  Hopferbach,
Pfarrdorf  im  Landkapitel  Ottobeuern,  gehörte  dem  Stifte  Kempten  und  zum
Pflegamte  Liebenthann.  Einzelne  Güter  des  Ortes  waren  in  den  Händen
der  von  Werdenstein,  Uttenried  und  Rechberg,  welche  Gaudenz  von  Rechberg
1519  an  das  Stift  Kempten  veräußerte.  Der  Ort,  wurde  1526  zur  Pfarrei
erhoben,  auf  welche  das  Stift  Kempten  das  Patronatsrecht  besaß,  welches
durch  die  Säkularisation  an  die  Krone  Bayern  fiel.

Obergünzburg,  Markt  im  vorgenannten  Landkapitel,  war  eine  Hauptrömerstation
  und  hier  auf  dem  Nicolaiberg  stand  einst  ein  römisches  Castrum
mit  einem  Wachtthurme.  In  dem  Ottobeuern'schen  Lehnverzeichnisse  vom
Jahre  1176  finden  wir  nach  dem  Orte  benannte  Herren  (Arnold  de  Gunzeburc
  2c.).  Ursprünglich  aber  war  Günzburg  ein  Stiftungsgut  des  Klosters
Kempten  und  kam  später  als  Ritterlehn  zur  Burg  Liebenthann,  wo  wir  Volkmar
  von  Liebenthann  1294  und  Walther  und  Ulrich  von  Liebenthann  1385
urkundlich  begegnen.  Diese  Burg  gelangte  dann  an  die  Herzoge  von  Teck
zu  Mindelheim,  von  denen  Friederich  von  Teck  den  Zoll  von  Obergünzburg
durch  Kaiser  Karl  IV.  im  Jahre  1377  und  Bero  von  Rechberg  im  J.  1442
von  Kaiser  Friederich  III.  als  Reichslehn  erhielten.  Im  nämlichen  Jahre
verkaufte  dieser  Bero  von  Rechberg  die  Burg  Liebenthann  mit  ber  Freiung,
dem  Zoll  und  Zinsen  in  dem  Flecken  Günzburg  an  Hans  Stain  von  Ronsberg,
  was  fünf  Jahre  später  1447  Berthold  von  Stain  wieder  dem  Stifte
Kempten  überließ,  welches  schon  1409  für  Obergünzburg  vom  Kaiser  Ruprecht
mit  dem  Marktrechte  beschenkt  wurde.  Durch  die  Säkularisation  im  Anfang
dieses  Jahrhunderts  fiel  Obergünzburg  mit  dem  Patronatsrechte  an  die  Krone
Bayern.  Dieser  an  der  untern  Günz  in  einem  freundlichen  Thale  gelegene
Markt  ist  der  Sitz  eines  k.  Lanrgerichtes,  Notariates  und  Pfarramtes.  Das
Marktwappen,  welches  Obergünzburg  erst  1818  erhalten  hat,  besteht  aus
einem  Mohrenkopfe  im  horizontal-abgetheilten  obern  rothen  Felde  und  aus
fünf  blauen  Flüssen  im  untern  filbernen  Felde.

Ronsberg,  Ronsperg,  Markt  im  Landkapitel  Ottobeuern,  gehörte
den  gleichnamigen,  im  zwölften  Jahrhundert  urkundlich  oft  genannten  Grafen
und  Markgrafen,  von  welchen  der  Graf  Heinrich  1182  als  Stifter  des  Klosters
  Irsee  erscheint.  Nach  dem  Tode  Bertholds,  des  letzten  Markgrafen  von
Ronsberg  1213,  fiel  diese  Herrschaft  1218  an  Burkhard  Grafen  von  Berg
und  Inhaber  der  Grafschaft  Burgau  mit  dem  Markgrafentitel.  Von  dieser
Zeit  an  ist  Ronsberg  bei  den  Besitzern  der  Markgrafschaft  Burgau  geblieben
und  theils  pfand=  theils  lehenweise  veräußert  worden.  So  kam  dasselbe  von
Oesterreich  1408  an  die  von  Stain,  1586  an  die  von  Schönau,  1594  an
die  Fugger-Wellenburger  Linie,  unter  welcher  der  Ort  Marktrechte  erhielt,
1691  wieder  an  die  Schönau,  von  diesen  1746  an  die  Stifter  Kempten  und
Ottobeuern  gegen  Erlag  einer  Pfandschaftssumme  von  25,250  fl.  Im  Jahre

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