9210 Die Universitäten.
wieder gestiegen sind. J,eider ist diess leichter gesagt als ausgeführt. Es
handelt sich hier von ganz beträchtlichen Summen, deren Aufbringung nicht
jeder Anstalt möglich ist, welche eine grosse Bibliothek zu erhalten hat,
und welche selbst auf einem allgemeinen Staatsbudget lastet. Von Seiten
Sachverständiger wird es keinen Widerspruch finden, wenn die Behauptung
aufgestellt wird, dass weniger als jährlich 20—25,000 fl. für die Anschaffung
der kennens- und aufbewahrungswerthen, im Laufe des Jahres erscheinenden
Bücher aus allen J,ändern und Literaturzweigen nicht ausreiche.
Hierzu kommen deun aber noch die sehr beträchtlichen Buchbinderkosten;
die Ausfüllung älterer Lücken, also die Benützung von Versteigerungen,
Antiquarkatalogen, Anerbietungen von ganzen durch Tod freigewordenen
Sammlungen. Sodann die Gehalte und die sonstigen Verwaltungskosten,
welche selbstverständlich mit der Zahl der Bücher wachsen, und wäre es
nur aus dem Grunde, weil eine Bibliotbek, welche im Rufe der Reichhaltigkeit
steht, in geometrisch steigendem Maasse benützt wird, da mit der
Wahırscheinlichkeit der Befriedigung auch die Zahl der Ansuchenden und
Besuchenden steigt. Wo wenig ist, da wird noch weniger gesucht. Diese
Bedürfnisse zusammen können nicht weniger als mit 40—50,000 A. bestritten
werden, und selbst mit dieser Summe kann nicht etwa etwas ganz Ausserordentliches
geleistet werden. Uecberdiess kommt unfehlbar früher oder
später noch die Nothwendigkeit dazu, für die immer steigende Bücherzahıl
die nöthigen Räume zu gewinnen. Entweder muss dann ganz neu gebaut
werden, oder aber die Bibliothek verdrängt andere Benützer benachbarter
Räume unter demselben Dache, und dann ist für deren Zwecke Rath zu
schaffen. Die Hunderttausende, welche zu solchen Zwecken nöthig sein
können, lassen sich nun aber nicht immer und überall beschaffen, am
wenigsten da, wo es der Zustimmung einer Ständeversammlung bedarf,
deren Melırheit in der Regel Alles eher verstehen wird, als die richtige
Würdigung der Bedürfnisse einer grossen Bibliothek.
So ist es denn gekommen, dass die Zahl derjenigen Bibliotheken.
welche sich auch nur annähernd einer Vollständigkeit rühmen können, an
den Fingern abzuzählen ist, selbst wenn man alle Länder zusammennimmt.
Wenn die Bibliothek des britischen Museums, die grosse kaiserliche Bibliothek
in Paris, die Hofbibliothek in Wien, die Staatsbibliotheken in Berlin,
München und Petersburg genannt sind, so ist man so ziemlich zu Ende.
Allerdings ist noch cine grössere Anzahl schöner Bibliotheken zweiten
Ranges vorhanden, wie z. B. eine Reihe von Bibliotheken in Paris, die
Bodleiana, die Advokatenbibliothek in Edinburg, die Dresdener und die
Kopenhagener Bibliothek, einige deutsche Universitätsbibliotheken u. s. w.
Allein hier ist es denn immer nur Zufall, ob ein Buch vorhanden ist oder
nicht; selbst die Göttinger Bibliothek, einst ohne Zweifel die erste in der