264 Langlebigkeit und Tod.
anders werde. Langlebigkeit ist der natürliche Zustand, er setzt
Gesundheit voraus. Und was ist Gesundheit?
Ungestörte Funktion der Organe unseres Körpers, ungestörte Genußfähigkeit.
Diesen beneidenswerten Zustand erreichen wir, wenn alle Lebensbedingungen
erfüllt sind. Jede Tierart hat ihre eigenen; z. B. ist für den
Vogel die Luft seine erste Lebensbedingung, für den Fisch das Wasser und
für den zivilisierten Menschen alles das, was ihn vor Krankheit bewahrt und
was wir in den voranstehenden Kapiteln näher ausgeführt haben. Je höher
organisiert ein Wesen ist, desto komplizierter sind auch seine Lebensbedingungen,
d. h. er braucht mehr zu seiner Befriedigung, sein Leben ist leichter gefährdet.
So kann der heutige Mensch nicht nur durch gute Luft lebensfähig erhalten
werden, sondern er bedarf auch noch entsprechender Nahrung, richtiger Kleidung
und Wohnung und schließlich wohltätiger seelischer Einflüsse. Gefahren,
welchen das im Freien lebende Tier niemals unterworfen ist, begleiten den
kultivierten Menschen auf Schritt und Tritt vom ersten Tage seines Lebens
an, wo er in Federkissen und in ein dumpfes Schlafzimmer gesteckt wird.
Kein Wunder, wenn die Ergebnisse darnach sind.
Um diesen also mit Erfolg begegnen zu können, muß man sehend
geworden sein und muß man gelernt haben, wie man vorzubeugen hat.
Daher unsere Gesundheitslehre, daher unsere Reformbestrebungen! Ohne
Gesundheit keine Langlebigkeit und ohne Schutz vor den uns umgebenden
Gefahren kein leichter Tod.
Was ist der Tod?
Die Auflösung unseres Körpers in seine ursprünglichen Bestandteile, das
Aufhören aller Lebenserscheinungen. Der Eintritt der Auflösung findet oft
erst nach langem, schwerem Kampfe statt, besonders wenn noch viel Lebenskraft
vorhanden ist. Dieses Schauspiel kann man oft bei Personen beobachten,
die vorzeitig sterben und einer sie überwältigenden Krankheit Widerstand
leisten. Er ist erschütternd in seinem Hergang und beweist die Ohnmacht
des Menschen diesen feindlichen Mächten gegenüber.
Dennoch liegt es zum Teil in unserer Hand, uns wenigstens einen
leichten Tod zu sichern. Wenn wir dies begriffen, verliert der Tod seine
Schrecken für uns, und wir lernen ihn allmählich als einen Freund betrachten,
der unsere oft schon müde gewordene Seele zur ewigen Ruhe geleitet. Wer
viele Menschen hat sterben sehen, gewinnt die Überzeugung, daß es gar
nichts so fürchterliches ist mit dem Tode. Ein Einschlafen und Nicht-mehr-Erwachen,
ein langsames Vergehen, ein Abkühlen bis zur Todeskälte, ein
vollständiges Ruhigwerden, — weiter nichts!
Es ist viel weniger dabei als die meisten Menschen sich vorstellen, und
die Angst vor dem Tode ist nur unter Umständen gerechtfertigt.
Dieses Buch befaßt sich mit dem Leben und den Aufgaben seiner Erhaltung.
Dürfen wir deshalb des Endzieles alles Lebendigen, des Todes,