12
uns gibt es noch nicht. Sie aufzustellen, würden zahllose besondere Arbeitskräfte
erforderlich sein. Sodann aber würden die Ausnahmen für uns so
zahlreich sein, daß die Ausnahmen überwiegend sein würden. Wo sollten
wir anfangen, welche Frauen sollten ausgenommen werden? Frauen mit
3, 5 oder 6 Kindern? Außerdem läßt sich der Gesundheitszustand der
Frau schwer feststellen. Das wäre allerdings kein ausschlaggebender Grund,
die Hauptsache ist der sachliche Grund, daß man die Frauen in der Gesamtheit
jetzt nicht erfassen kann. Eine andere Frage ist, ob wir nicht für
eine künftige Mobilmachung — die uns recht lange erspart bleiben möge —
auch die Frau erfassen müßten. Ich kann mir denken, daß es dann bei
einer jeden von uns auch heißen wird: am soundsovielten hast Du da und
da zur Stelle zu sein zu der und der Arbeit.
Der Vorsitzende:
Wir sind ganz besonders dankbar, daß Fräulein Dr. Lüders sich
hierher bemüht und einmal die schwierige Frage der Frauenarbeit
beleuchtet hat. Es ist hier ja alles im Werden, und man wird nicht immer
sagen können, welche Bestrebung die richtige sei.
Aber bei einem bitte ich, daß Sie da recht kräftig eingreifen möchten:
bei der Rüpelhaftigkeit der Männer gegen die arbeitende Frau. Jeder
Lümmel, der womöglich selbst nichts Rechtes tut, fühlt sich berufen, der
arbeitenden Frau zu nahe zu treten. Da muß die Bevölkerung selbst
eingreifen. Durch Klagen allein kommt man nicht weit.
Sie wissen, daß das Generalkommando sich der Jugend besonders
angenommen und scharfe Maßregeln ergriffen hat zum Schutz der Jugend.
Sie erwecken den Anschein von Zwangsmaßnahmen, es sind aber Schutzmaßnahmen.
Sie sollen nicht einen Zwang auferlegen, sondern den Zwang
beseitigen derer, die Geld verdienen wollen, indem sie schlechte Neigungen
bei der Jugend anregen. Die Zwingherrschaft dieser Leute, sei es in Buch,
Schrift, Theater oder Kino, stammt noch aus dem Frieden und ist sehr groß.
Wenn diese Zwingherrschaft gebrochen würde, das wäre ein Erfolg heißer
Bemühungen wert. Wenn das gelingt, werden auch diese unerwünschten
häßlichen Begierden mehr oder leichter zurückgedrängt werden, über die die
Frauenwelt jetzt leider mit Recht klagt.
Es ist immer in Deutschland Sitte gewesen, daß man die Frau mit
Ehrerbietung behandelt; wenn sie jetzt im Krieg Arbeit leistet, muß man
ihr mit noch mehr Ehrerbietung begegnen.