Viertes Kapitel.
Die Session 1873.
(12. März bis 25. Juni.)
—
Milliardenschmerzen.
Die Thronrede, mit welcher der Reichstag am 12. März
eröffnet wurde, stellte als Hauptaufgabe der Session hin die Ordnung
und Regelung der durch einen großen Krieg herbeigeführten
außerordentlichen Verhältnisse.
Uber 1½ Milliarden aus der französischen Kriegsentschädigung
war im Vorjahr noch nicht verfügt worden. In der
neuen Session wurde nun in der Hauptsache auch damit aufgeräumt.
Neben 561 Millionen Mark, welche zur Bildung des
Reichsinvalidenfonds verwandt wurden, fanden 216 Millionen
Mark Verwendung zur Bildung eines — jetzt völlig aufgebrauchten
Reichsfestungsbaufonds „zur zeitgemäßen Umgestaltung und
Ausrüstung“ von 22 Festungen, 24 Millionen Mark zur Errichtung
des Reichstagsgebäudes, 40 Millionen Mark für einen
Militärbaufonds im Bereich von Norddeutschland. Die Kosten
„der Wiederherstellung der Kriegsbereitschaft des Heeres“ und der
„Erhöhung der Schlagfertigkeit desselben"“" — worunter in der
Hauptsache die Einführung neuer Gewehre und Geschütze zu
verstehen war, wurden auf 320 Millionen Mark etatifiert.
Teils in der sogenannten Milliardenkommission —
welche über die Bildung der großen Fonds zu beschließen hatte
— teils in der Budgetkommission führten Frhr. v. Hoverbeck
und ich angesichts der vorgelegten Verwendungsgesetze in betreff
der Milliarden einen zähen Kampf, um die Militärverwaltung
wieder an eine etatmäßige und geregelte Wirtschaft zu gewöhnen
und dem Geldbewilligungsrecht des Reichstags nach allen Richtungen
thatsächlich Anerkennung zu verschaffen. Alles dies war