168 Zweiter Teil: Das Lehrlingswesen in der Industrie.
und lobenswert; aber sobald das eigentliche Gewerbe in Frage kam
und bei allem, was in diese Kategorie gehörte, zeigte sich vollständig
dieselbe Misere. Der Verfasser der in Frage kommenden Artikel
teilt mit, er habe Stiefel gesehen, auf deren Sohlen mit künstlerischer
Vollendung die Landschaft Tegernsee aufgetragen gewesen sei, aber
um ein Schuhwerk zu bekommen, das wasserdicht sei oder einen
eleganten Fuß mache, emüsse man nach England, Paris oder Wien
gehen (Büche
Es ist hier nicht- dr. Ort, die damaligen Zustände in breiterer
Ausführung zu schildern. Unleugbar sind seither erhebliche Anstrengungen
gemacht worden, um die industrielle Produktion Tautschlands
auf eine höhere Stufe zu heben, und diesen Anstrengungen ist,
wie der Augenschein auf den inzwischen stattgehabten Weltausstellungen
geseigt. hat, der Erfolg nicht versagt geblieben. Die Maßnahmen,
die zu diesen Erfolgen geführt haben, liegen naturgemäß
auf den allerverschiedensten Gebieten, in nicht geringem Umfang aber
auf dem der Hebung der gewerblichen Ausbildung. Im ersten Teile
dieser Schrift ist des Näheren dargelegt worden, in welcher Weise man
versucht hat, das Lehrlingswesen im Handwerke zu verbessern. Gleichzeitig
wurde das gewerbliche Schulwesen in weitestem Umfang ausgebaut.
Mußte schon von diesen Maßnahmen in mancher Beziehung
auch die Industrie Vorteil haben, da sie ihren Bedarf an gelernten
Arbeitskräften zum nicht geringen Teile aus dem Nachwuchse des
Handwerks deckt, so sind doch gleichzeitig mancherlei Bemühungen gemacht
worden, um auch die Fabriklehre auf eine höhere Stufe zu heben.
Trotzdem will auch heute die Klage nicht verstummen, daß die
Industrie in weitem Umfang unter einem Mangel an tüchtigen und
wohlgeschulten Arbeitskräften leidet. In den Berichten der Gewerbeaufsichtsbeamten
kehren diese Klagen immer wieder. So wird schon
für das Jahr 1890 ausgeführt, daß namentlich für die mittelfränkische
vielgestaltige Industrie die Klagen nicht unbegründet zu sein schienen,
daß die technische Handwerksgeschicklichkeit der großen Mehrzahl im
Rückgange begriffen sei und die heimischen Kräfte mehr und mehr
von den auswärtigen überholt würden. Im Jahre 1896 ertönen die
Klagen noch lebhafter von den verschiedensten Seiten, aus den verschiedensten
Bezirken. Es wird von einer allgemeinen Klage über
Mangel an tüchtigen Arbeitern gesprochen und betont, daß eine
gründliche, planmäßige Heranbildung des jungen Arbeiterstandes
vielfach nicht stattfinde. Die Industriellen klagen wiederholt über
die in Handwerksbetrieben erfolgte mangelhafte Ausbildung der
Lehrlinge. Die fachliche Ausbildung der jugendlichen als Lehrlinge
eingestellten Arbeiter lasse viel zu wünschen übrig, und das Gelernte
erstrecke sich oft nur auf die Ausbildung in einseitigen Fähigkeiten
(Berichte der Gewerbeaufichtsbeamten 1896, S. 148 ff.). Auch aus
dem Jahre 18 7 wird von einem Mangel an tüchtigen. Arbeitskräften
richtet. - Jahre 1898 wird beklagt, daß sich in den Maschinenfebriken
der Mangel guten Nachwuchses immer fühlbarer mache, und
so geht es fort durch die Berichte der folgenden Jahre bis in die
neueste Zeit. In den Berichten für das Jahr 1908 wird ausgeführt