Full text : Geschichte der Hohenzollern.

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Kammer  unter  dem  Titel  eines  Staatsministers,  und  hatte  nur  von  dem
Könige  selbst  Befehle  zu  empfangen.  Sofort  ging  man  an  die  Arbeit,  zuvörderst
fuͤr  Niederschlesien.

Nachdem  eine  Durchschnittssumme  von  den  bisherigen  Leistungen  festgestellt,
und  was  sich  von  den  Domänengütern  erwarten  ließ,  davon  abgezogen  war,
vertheilte  man  die  übrigen  bisher  aus  Steuerleistungen  erhaltenen  Summen  der
Art,  daß  den  Städten  nur  die  Accise,  dem  Lande  die  Contribution  oblag,
wodurch  allerdings  eine  Vereinfachung  in  der  Verwaltung  eintrat.  Allein  die
größte  Mühe  bestand  in  der  Vertheilung  der  Contribution,  da  man  sich  allgegemein
  über  die  Ungleichheit  beklagte,  mit  welcher  die  Lasten  vertheilt  wären.
Es  handelte  sich  also  um  die  Anlegung  eines  neuen  Catasters,  eine  Arbeit,  an
welche  auch  schon  die  bisherige  Regierung  gedacht,  sie  jedoch  nicht  zur  Ausführung
  gebracht  hatte.  Vorsichtig  wie  überall  begann  Friedrich  mit  Münchows
Hülfe  dieselbe  in  einzelnen  Kreisen,  und  da  sich  ein  glücklicher  Erfolg  darthat,
ging  man  rasch  auf  der  begonnenen  Bahn  weiter.  Im  December  1742  war
man  mit  fiebenthalbhundert,  Ende  Februar  1743  schon  mit  mehr  als  2000
Dörfern  und  überhaupt  22  Kreisen  fertig;  für  den  Mai  des  Jahres  kündete
Münchow  die  vollständige  Beendigung  des  segensreichen  Werkes  für  Nieder=Schlefien
  an.  Nun  ging  es  an  Oberschlesien  und  die  Grafschaft  Glatz.  Es
fehlte  natürlich,  wie  bei  allen  Aenderungen  der  Art,  nicht  an  Klagen  von  dieser
und  jener  Seite  her,  doch  stellte  sich  nach  und  nach  heraus,  daß  man  überall
mit  Umsicht  und  Gerechtigkeit  verfahren  war.  Auch  den  Adel  und  die  Geistlichkeit
  hatte  man  hier  zu  den  Steuern  herangezogen,  wobei  man  namentlich
von  Seiten  des  Clerus  auf  bedeutende  Einwendungen  stieß.  Da,  wo  fie  gerecht
waren,  trat  Abhülfe  ein,  denn  weislich  hütete  man  sich,  den  Saamen  der  Unzufriedenheit
  in  dem  neuerworbenen  Lande  austzzustreuen.

Die  gesammte  Einnahme  aus  Schlesien  stieg  dem  Etat  des  Jahres  1744
gemäß  auf  3,265,000  Thaler,  und  vermehrte  die  Einkünfte  des  preußischen
Staates  nach  der  damaligen  Berechnung  etwa  um  ein  Drittheil.  Hiervon  nahm
natürlich  die  Verwaltung,  vor  Allem  aber  der,  wie  wir  wissen,  bedeutend  erhöhte
Militär-Etat,  den  größten  Theil  hinweg.  Außerdem  lastete  auch  die  englischholländische
  Schuld  auf  dem  Lande,  an  deren  Tilgung  sofort  gearbeitet  wurde.
So  kam  denn  in  den  ersten  Jahren  nur  etwa  eine  Summe  von  16  —  17,000
Thalern  in  Friedrichs  Hände,  während  das  Uebrige  zur  Verbesserung  der  Zustände
in  dem  neuen  Lande  verwendet  wurde.

Sehr  umsichtig  benahm  sich  der  König  in  den  religiösen  Angelegenheiten.
Obgleich  ihn  die  Präliminarien  in  Bezug  auf  den  status  quo  der  katholischen
Kirche  beschränkten,  so  hatte  er  sich  dadurch  die  Hände  nicht  vollständig  gebunden,
indem  er  sich,  wie  auch  in  Bezug  auf  politische  Gerechtsame  der  Provinz,  die
Rechte  der  Souveränetät“  vorbehalten  hatte;  und  als  daher  die  Königin  in  dem
definitiven  Frieden  diese  Rechte  bestimmen  wollte,  und  eine  Clausel  zu  dem
Zwecke  vorschlug,  so  perwarf  sie  der  König  und  hielt  nur  den  faktischen  Besttzstand