Full text : Bei den Fahnen des III. Armeekorps von Metz bis le Mans.

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darüber  nicht  verbergen,  so  daß  ich  meine  Abendausgänge  möglichst
  beschränkte.  So  entspann  sich  zwischen  uns  bald  ein
eigentümliches  Freundschaftsverhältnis,  wie  es  in  Feindesland
wohl  selten  vorkommen  wird.  Der  wohl  um  20  Jahre  ältere
Mann  schloß  sich  mir  mit  einer  wahrhaft  rührenden  Innigkeit
an,  die  ich  bald  aus  vollem  Herzen  erwiderte.  Unser  Freundschaftsbund
  hat  den  Krieg  und  die  Jahre  überdauert,  noch  heute
stehen  wir  in  ununterbrochenem  Briefwechsel  und  nehmen  gegenseitig
  den  herzlichsten  Anteil  an  unserem  Ergehen.

Eines  Tages  klagte  mir  seine  alte  Wirtschafterin  ihr
Leid,  daß  die  Geldverlegenheit  Mr.  Bourdon's  immer  bedränglicher
  würde.  Die  alte  Person,  die  ihren  Herrn  schwärmerisch
liebte,  weinte  die  bittersten  Thränen  über  sein  Unglück,  und
ich  hielt  es  für  meine  Pflicht,  da  die  Kosten  des  Haushalts
sich  durch  unsern  aufgezwungenen  Besuch  doch  sehr  vermehrt
hatten  —  wir  aßen  ganz  vorzüglich  und  tranken  noch  besser  —,
ihre  Sorgen  dadurch  zu  erleichtern,  daß  ich  ihr  meine  Bereitwilligkeit
  erklärte,  die  Kosten  unserer  Verpflegung  auf  meine
Kasse  zu  übernehmen.  Ganz  glücklich  über  dieses  Arrangement,
ging  sie  hinweg,  aber  sie  hatte  ohne  ihren  Herren  gerechnet,
dem  sie  das  Abkommen  thörichter  Weise  mitteilte.  Derselbe
kam  sofort  zu  mir,  dankte  mir  sehr  für  meine  Berejtwilligkeit,
war  aber  trotz  allen  Zuredens  nicht  zu  bewegen,  eine  Beisteuer
anzunehmen.

Dagegen  konnte  ich  ihn  zu  meiner  Freude  von  einer
andern  großen  Sorge  befreien.  Seit  geraumer  Zeit  hatte  er
seiner  Frau  in  ihrem  Pyrenäenbade  keine  Nachricht  geben  können,
da  durch  die  kriegerischen  Ereignisse  der  Postverkehr  nach  dem
Süden  völlig  unterbrochen  war.  Er  fürchtete  nun,  daß  sie  in
großer  Angst  um  ihn  sein  würde,  wenn  sie  durch  die  Zeitungen
von  der  Einnahme  von  le  Mans  hörte,  und  hatte  doch  keine
Möglichkeit,  einen  Brief  abzuschicken.  Da  mußte  unsere  Feldpost
  helfen.  Ich  spedierte  ihm  durch  dieselbe  einen  Brief  nach
Lüttich,  wo  eine  Verwandte  von  ihm  lebte,  die  ihn  dann  weiter
nach  Perpignan  schicken  sollte,  und  nahm  ihm  auf  diese  Weise,
einen  großen  Stein  vom  Herzen.

So  wurden  die  Tage  von  le  Mans  wahre  Erholungstage
  für  Körper  und  Geist.  Denn  wie  der  Körper  durch  die