Die Delegation will Krieg. 75
den französischen Generalen der Ostarmee, welche oben näher geschildert
worden ist. Das Telegramm bezog sich hauptsächlich auf die
nach Bordeaux einzuberufende Nationalversammlung. „Bringen Sie
diese Mittheilung zur Kenntniß Frankreichs! Lassen Sie den Waffenstillstand
vollstrecken, und schreiben Sie die Wahlen für den 8. Februar
aus! Ein Mitglied der Regierung wird sofort nach Bordeaux
reisen.“ Diese Nachricht traf die Mitglieder der Delegation wie
ein Blitzstrahl; Gambetta sprach sofort von seiner Demission. In
einem Telegramm vom 29. Januar erklärte die Pariser Regierung,
die Vollmachten der Delegation zu Bordeaux seien erloschen, und
vom 29), an seien die Beschlüsse der Delegation nur dann giltig, wenn
die Centralregierung in Paris sie billige. In Bordeaux herrschte
große Aufregung. Eine Volksversammlung sprach sich dort am
29. Januar gegen den Waffenstillstand, für das Verbleiben Gambetta's
in der Regierung, für Fortsetzung des Kampfes und Errichtung
eines Wohlfahrtsausschusses aus, dessen Mitglieder durch
Akklamation in den vorzüglichsten Städten gewählt würden. So
sehr diese Beschlüsse auch nach dem Geschmack Gambetta's sein
mochten, so wagte er es doch nicht, dieselben zu den seinigen zu
machen; denn sie bedeuteten ja nichts anderes als den Bürgerkrieg.
In einem Telegramm vom 30. Januar forderte die Delegation von
Favre nähere Aufschlüsse über die Bestimmungen der Konvention
und über die Lage von Paris, und Gambetta kündigte in einer Depesche
vom 30. den Präfekten an, daß sie in der Einübung der mobilisirten
Nationalgarde in ihren Departements fortzufahren hätten.
Jede Verzögerung hierin würde ein schwerer Fehler in dieser Zeit
der Waffenruhe sein; dieselbe für die Vertheidigung des Landes unverzüglich
nutzbar zu machen, verlangen die schmerzlichen Verhältnisse
gebieterisch. Die Delegation verordnete sofort durch ein Dekret
vom 30. die Bildung von 22 neuen Regimentern.
Am 31. Januar spielte die Delegation ihre letzte Karte aus.
Eine vertrauliche Depesche des mit Gambetta befreundeten Generaldirektors
im Ministerium des Innern, Laurier, an die Präfekten
theilte diesen mit, die Politik des Kriegsministers (welche Stelle
Gambetta in der Delegation auch zugleich bekleidete) bleibe nach wie
vor: Krieg à outrance, Widerstand selbst bis zur völligen Erschöpfung.
Der Zeitraum des Waffenstillstandes müsse gut ausgebeutet werden
zur Verstärkung der Armeen mit Mannschaften, Munition und Kriegs-