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Rosenheimer Tagblate
Amtliches Publikafions-Orgon
Sonntag, 9. April 1916
####### „ss. 62. Jahra##s
Englands Druck auf Boland und Bohands Priegsbereitschaft.
Schlesier und Bayern erstürmten 2 starke französische Stützpunkte südlich von Haucourt.
Das Hindenburgjubtläum. — Paris und die Rede des Reichskanzlers. — Die Verluste der Franzosen vor Verduv. — Itealiener
auf der Westfront? — Die Bernichtung der englischen Handelsflotte.
— Die englische Arbeiterbewegung. — Jtalienische
Mißerfolge an der Tiroler Front. — Die Luftangriffe auf Salontki.
die Frlegsisse.
2 starke franghöfische Siätzpunkte fäbdlich
von G#mconrt durch Schlesier u. Vayer#
er t.
15 Offiziere, 600 Mann gefaugen.
WVTE. Grohes Sauptquattier, den
8. April, vormittags. Amtlich
Westlicher Kriegsschauplau.
Auf dem linken Maas Ufer erstürmien Sch esier
und Bayern Wei jtarle französische Ziazzpunlte
Lodlich von Haucourt. und nahmen die
ganze eindliche Stellung auf dem Rücken des
Termiten Hügele in einer Breite von über 2 Ki.
lometer. Ein heute früh versuchter Gegenstoß
scheita-4#e völlig. Unsere Verluste find gering,
diejenigen des Gegners auch infolge des heimludischen
Verhaltens Einzelner besondera chwer.
Auserdem wurden 15 Offizierc,. 699 Mann
um erwundet gefangen. darunter zahlreiche Rekrulen
der Jahreeklasse 1916.
Auf den Höhen östlich der Maas und in der
Woecore mar die beiderseitige Artilleric stark
talig.
Am Hilsenforft sudlich von Sondernach (in
den Aogesen! stieß einc kleinere deutsche Ableitung
in eine vorgeschobene franzosische Stellung
vor, deren Besatzung bis auf 21 Gefangene
im Kampfe fiel. Die feindlichen Gräben
uurden gesprengt.
Oestlicher Ariegeschauplat.
Die russischen Angriffe blieben auch gestern
aquf einen schmalen Frontabschnitt südlich des
Narocz-Sees beschränkt und wurden glatt abgewiesen.
Balkankriegsschauplas.
Richts Neues. Oberste Heeresleitung.
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Der amtliche Sösterreichische Bericht.
WIDL. Wien, 7. April. Amtlich wird verlautbart:
Russischer Krlegsschauplas.
und ,
IMW’
Keine besonderen Ereignisse.
Italienischer Kriegsschauplat#.
An der küstenländischen Front unterhielt der
Feind gestern nachmittag ein lebhafteres Arlilleriefeuer,
das gegen den Tolmeiner Brückenlopf
auch nachts anhielt.
Der Rordteil der Stadt Görz wurde wieder
aus schweren Kalibern beschossen.
Ueber Adelsberg kreuzten zwei italienische
Flieger, ron denen einer erfolglos Bomben abwars.
— — — —
Im Tiroler Grenzgebiet kam es an mehreren
Stellen zu kleineren Kämpfen. Am Rauchkofel-Rücken
(nördlich des Monte Cristallo) war
es einer feindlichen Abteilung in den letzten
Tagen gelungen, sich auf einem Sattel feltzusetzen.
Heute nacht säuberten unsere Truppen
diesen vom Feinde, nahmen 122 Ztaliener,
darunter 2 Offiziere, gefangen und erbeuteten
zwei Maschinengewehre.
Nördlich des Suganawaldes griffen itärkere
italienische Kräfte unsere Stellungen bei St.
Oswald an. Der Feind wurde zurückgeschlagen
und erlitt große Verluste. Dasselbe Schicksal
hatten feindliche Angriffsversuche im Ledro-Tal-Abschnitt.
Noördlich des Tonale-Passes wurden einige
neu angelegte Gräben der Italiener heute nacht
durch Minen zerstört.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs:
n. Höfer, Feldmarschalleutnant.
Berbun.
Berlin, 7. April. W. Scheuermann berichtet
noch über die Einnahme von Haucourt:
Ich komme sochben aus dem Schlachtgelände zurück
und habe dort erneut eine geradezu andächtige
Bemwunderung vor dem Geist der
Sturmtruppen und deren Leitung gewonnen.
Ueber lahle Höhenrücken, die keinen Schuß bieten
als die Granatlocher, durch Wälder, in
denen jede Hecke mit Drahthindernissen durch
zogen und iede Lichtung mit einbetonierten Ma-Fshtsssten
gespicht iit, mußz sich der An-Schritt
für Schritt vormärts arbeiten gegen
einen zähen, nachgerade mit dem Mute
der Verzweiflung sich wehrenden Feind. Für
die gewaltigen Erfolge, die unsere Truppen
bisher unier solchen Umständen errungen haben,
gibt es nur eine Kennzeichnung: sie grenzen
ans Wunderbare. (3.)
Genf, 7. April. Clemenceau schreibt, der
mehrsache Einbruch der Deutschen in die franzosische
Front komme einer Katastrophe gleich.
Die deutschen Vorstöße scheinen die Entschlutz
fähigleit der französischen Machthaber gelähmt
zu haben. (J.)
Die Verluste der Franzosen bei
Verdun.
Berlin, 7. April. Der militarische Milarbeiter
der „Köln. Volksztg.“ schreibt: Die
Verluste der Franzosen bei Verdun im Februar
und März d. J. werden am besten gemessen
an den Gesamwerlusten 1915, soweit sie durch
unsere Heeresberichte bekanntgegeben sind. Im
ganzen Jahre 1915 wurden danach gefangen
genommen 839 Offiziere und 64652 Mann,
vor Verdun aber in den beiden letzten Monaten
allein 471 Offiziere und 31 137 Mann. Noch
augenfälliger ist der Vergleich der Kriegsbeute.
Während 1915 insgesamt den Franzosen ubgenommen
wurden 157 Geschütze und 593 Ma-
schinengemehre bzw. Minenwerfer, erbeuteten
unsere wackeren Truppen vor Verdun allein
im Februar März 191 Geschütze und 236 Maschinengewehre.
Wie grohß die blutigen Verluste
der Franzosen vor Verdun sein müssen,
lehren zwei Tatsachen. Erstens sind bis jetzt
auf dem kleinen Kampfraum rwestlich der Maas
30 verschiedene Dirisionen eingesetzt worden und
zweitens sind bei den Reserven schon Mannschaften
der Jahresklasse 1897 festgestellt. Dabei
hatte der Kriegeminister der Kammer das
Versprechen geben mussen, diese Jahresklasse
erst in die Front zu bringen, wenn die anderen
Reserven erschöpft seien. (Z.)
Der amtliche französische Bericht.
Paris. 7. April. Am 6. April nachmittags
meldeten die Franzosen: In der Gegend
von Verdun entfaltete der Feind, nachdem der
Nachmittag verhältnismäßig ruhig verlaufen
nar, gegen Tagesende und während der Nacht
eine sehr lebnafte Täligteit. Westlich der Maas
brach die Beschießung mit außerordentlicher
Hefligkeit gegen die Gegend zumischen Avocourt
und Bethincourt los, der eine Reihe von Au—
griffen. die mit sehr ünarten Truppenbestanden
gegen die beiden hauptsachlichen vorspringenden
Teile unferer dortigen Front unternommen
wurden, folgte. Auf unserem rechten Flugel
brachen sämtliche Aersuche des Feindes gegen
das Dorf Bethincourt in unserem Feuer zu
sammen. Gleichzeitig richtete der Feind harknäckige
Angriffe gegen das Dorf Haucourt.
Nach wiederholten Mißerfolgen und blungen
Opfern konnie er im Laufe der Nacht in diesem
Dorf Fuß fassen. Wir halten das Dorf unter
dem Feuer unserer beherrschenden Stellungen.
Unsererseits unternahmen wir nach kurzer Artillerievorbereitung
einen lebhaften Angriff gegen
das Kernmerk und das Reduit vom Kernwerk
von Avocourt. um die Verbindung zwischen
dem Reduit und einem unserer Werke aln
Rande des Waldes von Avocourt herzuttellen.
Im Laufe dieser Unternehmung, die vollständig
gelang. eroberten wir ein breites Stück Boden,
den sog. viereckigen Wald, und machten eima
50 Gefangene. Oestlich der Maas hatten zwei
feindliche, gegen unsere Stellungen im Norden
des Cailettewaldes gerichiete Angriffe lein anderes
Ergebnis, als ernste Verluste für den
ind.
Im Abendbericht beißt es: Westüch der
Maas beschossen die Deutschen den ausspringenden
MWintel unserer Stellung bei Bethin:
court und die Dörfer Esnes und Monyzville
hartnädig. Weiter ostlich der Maas war die
Pfefferhohe während des Tages unter bef
tigem Feuer, welches einen Angriff voraus.
seben ließ, aber unser Sperrfeuer verhinderte
den Feind, die EGräben zu verlassen. Sudlich
und westlich der Feste Touaumont drangen
unsere Truppen infolge einer Reihe von kleinen
Kämpfen, wobei es bis zum Handgemenge lam,
auf einer Front von 500 Metern bis zu einer
Tiefe von über 200. Metern in die feindlichen
Verbindungsgräben und Werle ein. Ein flan.
tierender Gegenangriff des Feindes am Abend
scheiterte gänglich.
Wsemeines vonn Aries.
Spende des Pauvfies für Litauen.
München, 7. April. Der Pao#t hat durch
Vermittlung des apostolischen Pronuntius Kardinal
Frührirth in München dem Erzbischof
von Gnesen eine Spende von 10 000 Lire für
die Armen in Litauen zulommen lasien.
Parisaeund die KRan;
Paris. 7. April.
lerrede.
(Agence Havas.) Die
Zeitungen besprechen die Rede des deutschen
Reichskanzlers im Reichstag. „Peti# Parisien“
sagt: Die Mächte werden in ihr neue Gründe
finden, in der Verteidigung der Unabhängig.
keit der Voller auszuharren; sie werden auch
den Bereis in ihr finden, daß jich Deutschland
stark erschuttert fuhlt. Das Berliner Kabinett
würde die Urheberichaft des Weltbrandes nicht
von sich weisen, wenn es den Sieg vor Augen
labe. Das „Journa.“ ichreibt: Nach der 1/0).
jahrigen Marterung Polens und nach der Vergenaltigung
Belgiens. das im rollen Auf
scku ung seiner freien Enmucklung war, nach
der Häusung von (Hrauamkeiten während der
eriten Kriegen ochen und nach den taglich mederholten
Untalen de ll#erseekrieges mag
Deutschland nun dan l(beipe# der Rache antlagen,
von dem es sich chon umiaßt fühlt.
Aber menn ed sich cls Kazupfer für Recht und
Freiheit Lin#tellt, so einpfängt er als Antwort
nur allgemeinee Lachen und Verachtung.
HZum Kriegeie! Dculschlande.
QaagApril. Der „Nicume Courant“
schreibt zur Rede des deutschen Reichskanzlers.
Waxs un? Hollander iu der Rede am meisten
inleressiert, #t die Unlerscheidung. die zum ersten
mal von oftizieller Seite wischen den deulschen
Kielen in den Gebieten gemacht wird, welche im
Oilen und Arte en ron den Leuischen besent sind.
An der Ougrenze nill Denischland — der
Reichslanzter dalt leine andere Moalichkeit für
gegeben als die einer mililäruchen Erfolges
am Ende des Kricger, welcher Deunichland und
seinen Bundesgenoffen die Enncheidung überläßt
für immer dem ruffischen Regime ein
Ende bereiten. in dem Gebiete. Woraus es die
russische Armee verjagt hat. Im Wenen ist von
einer Annirion Belaiens und Nordfrankreichkeine
NRede. Im Osien schien der Kanzler an
eine Annerion im eigeniliche: Sinne nicht zu
denften. Wenn die Gebiete einverleibt werden.
dann würde Rußzland ja uneder vor der deut
schen und oilerreichisck ungarischen Grenze fleben.
dann nurde die Moauchten miedergegeben iein.
daß Rußland mit dem Gelde semer Bundesgenossen
direkt gegen Deutschlande Grenze strategische
Bahnen anlegi. Offenbar b# Hett von
Bethmann HBollweg hier andere Mooglichkeiten.
im Auge. Denkt er an einen Pufserflaat Nolen,
U #scher durch okonomische und politische Bande
an Deutschland und die Donaumonarchie ge
sesselt in Oder schwebt ilm der Gedanke einer
trialistüchen Monarckie vor Augen, norin Po#
len dieselbe Rolle spiele, wie Ungarn und Oester
reich? Und dann denkt er an eine Annction des
baltischen Gedieles, worin das deutsche Elc
ment doch schon einc heroorragende Rolle spielte?
Es ist nicht mit deutlichen Worten gesag:
u orden, aber einer dieser beiden Lösungen würde