Volltext : Das Verwaltungsstreitverfahren.

Pragmatische  Sanktion  —  Preußen.

Die  Kriegskosten,  welche  Osterreich  zahlen
  sollte,  betrugen  20  Mill.  Thlr.  Endlich
  gab  der  W  seine  Zustimmung  zu
der  Abtretung  Venetiens,  das  5.  Juli  zunächst
  an  Frankreich  überlassen  war,  an
Italien.  .

Pragmatische  Sanktion,  feierliche  Verordnung
  des  Landesherrn,  im  besondern
Sinn  ein  Gesetz  Kaiser  Karls  VI.,  welches
bestimmte,  daß  die  österreichischen  Lande
stets  ungeteilt  beisammen  bleiben  und  in
Ermangelung  männlicher  Nachkommen
auf  die  weiblichen  Nachkommen  des  Kaisers
  (auf  Maria  Theresia)  und  erst  bei
deren  Abgang  auf  die  Töchter  seines  verstorbenen
  Bruders  Joseph  und  deren
männliche  und  weibliche  Nachkommenschaft
  nach  dem  Rechte  der  Erstgeburt  vererben
  sollten.  Vgl.  Bidermann,  Entwurf
  und  Bedeutung  der  Pragmatischen
Sanktion  (1875).

Premyft  (Przemysl),  sagenhafter
Ahnherr  des  in  Böhmen  seit  dem  Ende
des  7.  Jahrh.  herrschenden  Fürstengeschlechts
  der  Premysliden.  Er  soll  von
der  weisen  Libussa  zum  Gemahl  erkoren
worden  sein  und  den  Tschechen  die  ältesten
Rechtssatzungen  cseben  aben.  Sein  Geschlecht
  starb  1306  mit  Wenzel  III.  im

annsstamm  aus.

Prenzlan,  Kreisstadt  im  preuß.  Regierungsbezirk
  Potsdam,  in  der  Ukermark,
an  der  Uker,  bekannt  durch  die  Kapitulationeines
  11,800  Mann  starken  preußischen
  Korps  unter  dem  Fürsten  von  Hohenlohe,
  das,  auf  dem  Rückzug  nach  Stettin
be  ifenn  sich  nach  einem  unglücklichen  Gefen
  Okt.  1806  den  Franzosen  unter
Murat  ergab.

Preßburg,  Hauptstadt  des  gleichnamien

  Komitats  in  Ungarn,  links  an  der

onau,  berühmt  durch  den  Frieden
zwischen  Osterreich  und  Frankreich  26.  Dez.
1805.  Osterreich  war  durch  den  Fürsten
von  Liechtenstein  und  den  Grafen  Gyulay,
Frankreich  durch  Talleyrand  vertreten.
Osterreich  erkannte  alle  Eroberungen  der
Franzosen,  den  Kaiser  Napoleon  als  König
  von  Italien  und  die  Kurfürsten  von
Bayern  und  Württemberg  als  Könige  an.
Es  trat  das  ihm  in  Campo  Formio  (s.  d.)
überlassene  venetianische  Gebiet  an  Frank-339



reich,  Tirol  mit  Vorarlberg  und  mehrere
Besitzungen  in  Süddeutschland  an  Bayern,

seine  schwäbischen  Besitzungen  an  Württemberg,
  den  Breisgau,  Konstanz  u.  a.  an
Baden  ab.  Dafür  erhielt  es  Salzburg

und  Berchtesgaden,  deren  bisheriger  Besitzer,
  der  frühere  Großherich  von  Toscana,
  von  Bayern  durch  Würzburg  entschädigt
  wurde.  Endlich  verzichtete  der
Kaiser  auf  alle  Hoheitsrechte  im  bayrischen,
  fränkischen  und  schwäbischen  Kreis,

.  h.  auf  seine  Würde  als  Kaiser  für  Süddeutschland.


Preußen.  Die  Geschichte  des  preußischen
Staats  beginnt  mit  Friedrich  Wilhelm
(s.  Friedrich  9),  dem  Großen  Kurfürsten
  von  Brandenburg  (1640—88),  der
als  der  Begründer  desselben  betrachtet  werden
  muß,  obwohl  dieser  damals  den  Namen
  P.  noch  nicht  führte.  Nach  den  Erwerbungen
  im  Westfälischen  Frieden  umfaßte
der  Staat  folgende  Gebiete:  Ostpreußen
(ohne  das  Ermland),  Brandenburg,  Hinterpommern
  mit  Kammin,  Magdeburg,
Halberstadt,  Minden,  Mark,  Ravensberg
und  Kleve,  zusammen  über  110,000  ckm,
wovon  mehr  als  74,000  qkm,  also  etwa
ein  Gebiet,  das  dem  heutigen  Königreich
Bayern  an  Größe  gleichkommt,  zum  Deutschen
  Reiche  gehörten.  Der  Name  P.  kam
nur  dem  Herzogtum  P.  (Ostpreußen)  zu,
welches  der  Kurfürst  1660  von  der  polnischen
  Lehnshoheit  befreite.  Indem  er
die  Macht  der  nur  ihre  Sonderinteressen
verfolgenden  Landstände  in  den  einzelnen
Provinzen  brach,  erhob  er  letztere  zu  einem
einheitlichen  Ganzen,  begründete  den
Ruhm  des  Heers,  das  er  selbst  geschaffen
hatte,  durch  die  Siege  bei  Warschau  (s.  d.)
und  de  rbellin  (s.  d.)  und  suchte  durch  unermüdliche
  Fürsorge  für  Landwirtschaft  und
Heweel  die  Wunden  zu  heilen,  welche  der

reißigjährige  Krieg  seinem  Land  geschlagen
  hatte.  Die  Einkünfte  desselben,  das  damals
  kaum  so  dicht  bevölkert  war  als  das
heutige  Rußland  (noch  nicht  14  Einw.  auf
1  qkm),  brachte  er  von  ½  Mill.  auf  2½
Mill.  Thlr.  Seine  Ansprüche  auf  die
Herzogtümer  Liegnitz,  Brieg  und  Wohlan
wurden  nach  dem  Aussterben  des  dortigen
Fürstenhauses  (1675)  nicht  beachtet,  und
der  Kreis  Schwiebus,  den  er  1686  zur

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