Vollssitte. 301
gerne. Ueberhaupt wendet der Oberpfälzer sein Augenmerk vorzüglich auf das
Schwein. Schweinemast, wenn auch nur für den Hausbedarf, kommt allenthalben
vor, beim Bauer wie beim Bürger der Kleinstadt und des Marktes.
Zweimal werden die Schweine geschlachtet, zu Weihnachten und Fastnacht;
dann gibt es „die Metzelsuppe“. Würste und Knöcheln schickt der Bauer
zu Freunden und Gevattersleuten, oder ladet dieselben dazu ein. Auch die
Bettelleute bekommen eine Wurst mit Suppe; das heißt „in die Wurstsuppe
fahren“. — Wenn der Bauer Vich verkaufen will, so reibt er es, ehe er
zu Markte treibt, mit einer Ameisenkugel, die sich in den Ameisenhaufen
der Tannenwälder findet; dann fällt das Vieh allenthalben in die Augen.
8. Bei der Behandlung von Kalb und Kuh.
Wenn die Kuh kälbert, darf die erste Milch nicht verschenkt oder verkauft
werden, weil sonst die Milch bis zum nächsten Kälbern zum Buttern
nicht taugt. Auch soll man drei Tage nach dem Kälbern nichts ausleihen.
oder entlehnen; das gibt der Hexe Macht über die Kuh. Auch darf man drei
Tage lang Niemand in den Stall lassen. — Wenn eine Kalb'm (junge Kuh)
das erste Mal trägt und zwei Stierkälber zur Welt bringt, so springt bei
deren Abgang auch ein kleines Thierchen, wie eine Kröte oder ein Frosch gestaltet,
heraus und sogleich in den Barren. Man fängt es nun, und setzt es
in ein Reindl, wovon es Altreindl heißt. Das Altreindl hält man im
Hause, füttert es mit Semmel und Milch, und hüllt es wegen seiner zarten
Natur in Baumwolle; denn das Thier hat eine wunderbare Kraft. Legt man
ihm eine Silbermünze unter, so brütet es jeden Tag eine neue dazu aus;
doch darf das Gelostück nicht zu groß sein, nicht über 24 kr., sonst brütet sich
das Thierchen zu Tode. Um Velburg heißt das Altreindl „Geldbrüter.“
— Das Kalb darf man nur Sonntags und beim Vollmonde abbinden, daun
wird es schön und voll. Das Loch im Barren, woran es hing, muß man
zustopfen; dann brüllt die Kuh nicht mehr, aber „sie weint dann Thränen.“
An einem Donnerstag zieht keine Bäuerin das Kalb nach (entwöhnt es). —
Wie der Stier, so das Kalb. —
Will man junges Vieh zum Zug gewöhnen, so legt man drei Strohhalme
aus dem Chebett unter's Joch, für das Handvieh von des Mannes,
für das Nebenvieh von des Weibes Lagerseite, unbeschrieen. — Das erstemal
soll man die Kuh über den Besen zum Stier führen. — Wenn eine Kuh
schlägt, so entlehne einen Stecken von einem Chebrecher und haue sie damit,
so wird sie's verlieren. — Wer am hl. Christtag vor Tag am frühesten sein
Vieh tränkt, hat Glück damit. — Namentlich ist dem Stalle die gehörige
Sorgfalt zuzuwenden. Eine ungewaschene Person soll nicht hineingehen. Kommt
ein Fremder in den Stall, darf er das Vieh nicht loben, sonst beschreit er
es; er muß sagen: „Pföid's God!“ — Noch empfindlicher ist die Einwirkung
der Hexe; doch gibt es Mittel dagegen. Drei Tischecken angeschabt, davon
dem Vieh in den Trank gemischt, so hat die Hexe keine Macht darüber. Zu