Metadata : Rosenheimer Anzeiger. 63. Jahrngang (63)

 

ummer  235

Un  i  nen.  Die  Selbftverlagung  des  Rcicholage
*  zum  5.  v.  rzember  reichen.
2

Die  Stellung  des  Reichslanzlers.

Die  Vertreter  der  beiden  liberalen  Parteien,
des  Zentrums  und  der  sozialdemolratischen
Mehrheitspartei  h#eiten  am  Mittwoch  während
der  Sitzung  des  Reichstags  erneut  Besprechungen
ab,  in  denen  namentlich  die  letzten  Vorgänge
erörtert  wurden.  Es  darf  als  die  übereinitim.
mende  Auffassung  in  den  an  der  Besprechung
betefligten  Parleien  bezeichnet  werden.  daß  das
Auftreten  des  leitenden  Slaatsmannes  am
Dienstag,  dei  u.  a.  der  Abgeordnete  Eberk  eine
unzmeidentige  Absage  namens  der  sozialdemo.
kratischen  Mehrheitspartei  erteilt  hat,  seine
Stellung  in  den  Augen  der  überwiegenden
Mehrheit  des  Reichslags  nicht  befestigt  hat.
Es  besieht  jedoch,  wie  die  „M.  N.  N.“  aus  Ver,
lin  berichten,  bei  der  Mehrzahl  der  Parteien  des
Reschstags  in  diesem  Angenblick  nicht  die  Absicht,
  bereits  die  äußersten  Konsequenzen  aus  dieser
  Auffassung  zu  ziehen.

Eine  parlomentarisch
uiersuchnsagerommission.

Wie  in  parlamentarischen  Kreisen  verlautet,
haben  die  Reichs  stagsabgeordneten  Haase,  Voglherr
  und  Dimam  mit  Unterstütung  der  un
abhängigen  Sozialdemotralen  eine  Interpellation
  an  den  Reichstag  beschlossen,  die  die  Naczprüfung
  der  den  drei  Abgeordneten  zur  Last
gelegten  Handlungen  durch  eine  parlamentarische
  Untersuchungekommission  verlangt.

Die  Akten.

Eine  interfraktionelle  Besprechung  der  Mehr.
beilsparteien  des  Reichstags  befaßte  sich  eingehend
  mit  den  Vorgängen  im  Reichstag  und  den
Erklärungen  des  Stanteselrelär#  v.  Capelle  über
die  bedau.  rucchen  Cr  eignisse  in  der  Marine.  Die
Mehrbeitsparteien  einigten  sich  danin.  daß  sie
die  Regierung  ersuchen  wollen,  die  volllländigen
Alten  daruber  fur  die  behauptete  Mitichuld
der  unabh  ngigen  Algeordneten  dem  Reichelag
eugänglich  zu  machen.  Bis  dahin  wurde  eine
Stellungnalme  der  Mehrheitsparteien  zu  den
Vorgängen  im  Reichstag  vertagk.

Hu#eiischer  Laudle#

Die  Ernährungspolitik  in  Bayern.
tnünchen.  10.  Oktober.

In  ihren  zwei  letzten  Sitzungen  beschäftigie  sich
die  Kammer  der  Abgeordneten  mit  unserer  Ernährungspolitik
  in  ausgedehnten  Erörterungen.
Veranlaßt  waren  sie  durch  zwei  Interpellationen
der  Liberalen  und  der  Sozialdemolraten.  Die
liberale  Imerpellation,  die  als  ersie  in  den  Bereich
  der  Erörterung  gezogen  wurde,  hat  folgenden
  Worttaut:  „Welche  Schritte  hat  die  Regierung
  sowchl  in  eigener  Zustöndigkeit  wie  den
Reichssteilen  gegenüber  unternommen,  damit  die
Febler,  die  ün  verflossenen  Wirtschaftsjahr  gemacht
  wurden,  vermieden  werden  und  im  neuen
Wirtschaftejahr  cine  ausreichende  Ernährung  der
Bevollerung  gew.-hrieistet  wird?  Ist  die  Ne
girrung  in  sbesondere  bereit,  sofert  und  dringend
dahin  zu  wirien,  daß  1.  die  überreich  angefallenen
  Frühlarloffeln  nicht  dem  Verderben  und
Verfüitern  ausgesetzt,  sondern  der  Bevölkerung
zu  billigen  Piessen,#  und  ohne  Marken  zugänglich
gemacht  wercen;  2.  für  die  Winterverforgung
den  Verbrauchern  bezw.  den  Gemeinden  die  Eindeckung
  mit  minderens  3  Zentnern  auf  den  Kopf
gestatter  wird?“

Der  Begründung  der  Int.rpellatlon  unterzog
sich  in  sast  dreistündigen  Aueuhrungen.  der  Abg.
Hübsch  (lt.  Er  kritisierte  Punkt  für  Punkt
die  Unlerla#lsungen,  die  gemacht  wurden  in  bezug
auf  die  Preispolitik  bel  Brot,  Fleisch,  Gemüse,
Obu  und  Kartoffeln  und  erklärte,  die  Konfu.
menien  wollen  endlich  einmal  wissen,  ob  es  so
weitergehen  muß  mit  der  Preissteigerung  für  Lebensmutein
  und  die  sonmigen  verteuerten  Bedarjsartiiel.
  Die  jetige  Krtffeibresenehng

Aufs  setzt.

Eine  latische  Bauerngeschihte  ven  Herman  Schmid.
4.  ––  -

 

—.---


„Und  wer  ist  dieser  Ausbund  von  Kraft  und
Verschlagenheit-  ffragte  der  Fremde.  „Das  ist
ja  eine  Figur,  wie  man  sie  sonst  nur  in  den  Rauber.
  und  Scheimen-Romanen  zu  finden  gewohnt
ist;  man  wird  beinahe  neugierig,  einen  solchen
Menschen  zu  sehen.“

„Das  Bergungen  lönnen  Sie  bald  haben.“
sagte  der  (Prenzer.  „Sie  dürfen  nur,  was  Sie
wohl  ol.  nehin  lun  we  erden,  in  die  Komddie  gihen;
da  spielt  er  den  bösen  Golso,  m  dem  er  auch  ganz
gut  taugt,  denn  er  ist  sonst  ein  gewandter  und
anstelliger  Bursche  und  hat  die  rete  Perrücke,
die  sonit  die  Bösewichter  in  der  Komödie  aufsetzen,
  schon  auf  die  Welt  mitgebracht.  Er  und
seine  Mutter  haben  eine  einschichtige  Hülte  unten
in  der  Au;  sie  brennt  Schnape,  und  er  geht  in
die  Bauernarbeit,  bei  der  er  aber  nirgens  lang“
aushal  weil  er  zu  unbotmäh  und  verwegen
ist.  Sie  haben  doch  im  Vornbergehen  über'm
G□nn  das  Schloß  und  den  Römerlurm  von  Neubeuern
  liegen  sehen?  Da  geht  eine  fliegende
Brüde  über  den  Fluß:  auf  jedem  Afer  ist  ein
hohes  Balkengestell  aufgerich:et  und  zwischen  bei- 



Nosenhelmex  Anzelger

darsf  nicht  beibehallen  werden,  zum  mindeslen
nicht  für  die  minderbemittelte  Bevöllerung.  Seine
weiteren  Forderungen  waren:  Vorzugsweise  Belieferung
  Bayerns  mi#  Braumalz,  Herabsetzung
der  unerbörten  Weinpreise,  Regelung  der  Milch
versorgung  der  Städte,  scharses  Zupacken  gegenüber
  den  Wucher,  bessere  Ansgestaltung  der  Be.
ziehungen  zwischen  städtischen  und  ländlichen
Kommunalverbänden,  Hebung  der  Landwirt
schaft  und  gleichmäßige  Rationierung  in  Stadt
und  Land.  Aus  den  Fehlern  des  Vorjahres
scheint  unsere  Bureaulratie  recht  wenig  gelernt
zu  haben.  Die  Konsumenten  wollen  endlich  ein
mal  wissen,  ob  es  den  immer  so  weiter  gehen
muß  mit  der  Preissteigerung  für  alle  Bedarfsartikel.
  Die  bayerische  Regierung  hat  alle  Ur.
sache,  allen  Fehlern,  ob  sie  bei  uns  gemacht  worden
  sind  oder  in  Berlin  oder  in  den  Kommunalversinden
  energisch  nachzugehen  und  für  Abhilfe
zu  so

8  sezialdemolratische  Interpellation  lautet:

1.  Welche  Maßnahmen  hat  die  K.  Staateregierung
  vorgesehen,  um  die  Versorgung  des  Landes
mit  den  unentbehrlichen  Lebensmitteln  im  Wirt.
schaftsjahr  1917.  18  zu  Preisen  sicherzustellen,  die
für  die  Gesamtbevöllerung  erschwinglich  sind?  2.
Wn  gedenkt  die  Staatsregierung  zu  tun.  um
zur  Ermöglichung  einer  geordneten  Wirtschaft
die  schwindelhafte

Hiifssioisen  u.  Gebrauchsgegenständen  für  Haus,
Gewerbe,  Industrie  und  Landwirtschaft  zu  hemmen
  und  die  Preise  auf  den  wirklichen  Wert  der
Gegenstände  zurückzuführen?  3.  Hat  die  Regierung
  Maßnahmen  getroffen,  um  zu  verhindern,
daß  Güter  unbewirtschaftet  bleiben  und  daß  ferner
  insolge  Aufkauses  von  Grund  und  Voden
dur))  Industrielle  und  Kriegsgewinn  iler  große
Flächen  der  landwirtschaftlichen  rationellen  Bewirtschaftung
  und  der  Vollsernährung  entzogen
werden?

Abg.  Auer  (Scz.  wandte  sich  in  Begründung
der  Interpeilation  scharf  gegen  die  hohen  Preise,
die  dem  Volk  alnenommen  werden  für  alle  Lebenemittel
  und  Dedarssartikel  und  kritisierte  leb.
haft  die  syitematische  Ausbeutung  der  Verbrau.
cher,  an  der  besonders  die  Kriegsgesellschaften
schuld  sind.  In  Deutschland  fehlt  in  der  Regelung
  der  Verteilung  und  der  Produktion  die
starke  fül  rende  Hand,  die  zielsichere  staatliche
Oberletiung.  In  England  ist  von  dem  Augen.
blick  an,  als  Gefahr  drohte,  viel  zweckmäßiger
organisiert  worden.

In  Beantwortung  der  Interpellationen  führte
  Minister  des  Innern  von  Brettreich  nach  ei.
nem  Ueberdlick  üder  die  Entwicklung  im  Ernährungswesen
  etwa  folgendes  aus:  Es  mußte  nach
dem  Stand  der  Dinge  rechtzeitig  Vorsorge  für
eine  frühere  Ablieferung  des  heurigen  Brotgetreides
  durch  die  Frühdruschprämie  getroffen
werden.  Dah  die  Ernte  sehr  zeitig  einfier
ändert  michts  an  der  Ntwerndigkeit  der  V
sorge  für  den  umgekehrten  Fall.  Aus  der  "r.
schen  Anlieferung  erwuchsen  dann  allerdings
Schwierigkeiten  für  das  Lagern  und  vor  allem
bleibt  als  unongenehme  Begleiterscheinung  der

Frübpruschpramie  die  Erhöhung  der  Brootgetrei
depreise  um  50  bPzw.  30  Mark  die  Tonne.  Die
heurige  Körnerernte  in  Bayern  ist  für  das
Brotgetreide  eine  gute  Mitielernte.  Die  Erhö.
hung  der  Tagesmenge  gilt  nur  bis  1.  Noo.

Die  Ernte  an  Gerste  und  Hafer  isl  weniger  gut
als  die  Brotgetreideernte.  Dus  führt  zu  Einschränlungen
  für  die  Selbnversorger;  doch  sol.
len  die  Zuteilung  von  Graupen  und  Grüche  und
die  Matzversorgung  darunter  nicht  leiden.  Es
wäre  zu  wünschen,  daß  der  Gerstenwirischafts.
plan  bald  endgültig  auigestellt  werden  lönnte.

Die  Frühtartoffelernic  war  gut  und  reichlich.
Die  Störungen  in  der  Lieferung  waren  leider
nicht  ganz  zu  vermeiden.  Es  wurden  in  Bayern
1  377  893  Zen  u.r  angeliejert,  cinichl  eßlich  der
Lieserungen  an  die  Trockenwerke.  Außerhalb
Banerns  gingen  137000  Zentner.  Füur  die
eigentliche  Kartoffelernte  sind  die  Auesichien  gin
itig.  Wir  werden  daher  heuer  wohi  ohne  Dotschen
  auskommen  lönnen.  Hofsentlich  bindert
nicht  früße  Kälte  die  Eindeckung  der  Stäbte.  Die

den  ein  starkes  Schlffeseil  gespannt,
eine  bewegliche  Rolle  niit  einem  Halen  hin-  und
herläuft.  Von  dem  Haten  hängt  wieder  ein  Seil
herab,  das  an  eine  starle  Plätte  angemacht  ißt,
auf  der  man  bei  Tag  überfahren  kann  —  bei
Nacht  ist  die  Plätte  ausgehängt.  Da  können  Sie
nun  die  Verwegenheit  des  Schnapsbrenner:  Gori
sehen  —  so  heißt  man  ihn,  wenn  er's  auch  nicht
gern  hört.  Einmal  war  er  hinübergegangen  ins
Kasserliche  am  Abend  aber  war  Tanzmusik
bei  uns  er  hatte  damals  einen  Schah,  der
inzwischen  gestorben  in,  mit  dem  er  aber  gar  zu
gern  getanzt  hätte  und  dem  er  versprochen  hat,
dahn  er  den  eriten  Umgang  mit  ihr  machen  wo.  li#.
Et  Lat  sich  aber  zu  lang'  drüben  verhalten  im
Kasserlichen,  und  wie  er  an's  Geistad’  gekommen
ist,  war  schen  (Cebetläuten  vorbef;  da  gehl  die
Fähre  nicht  mehr;:  der  Schiffmann  war  schon
sort  und  eine  andere  Zillen  zum  Ueberfahren
auch  nicht  zu  haben.  Was  tut  de'  Gori?  Er  besinnt
  sich  nicht  lang“:  wie  ene  Kagze  lletteit  er
an  dem  Gerüstbaum  hinauf,  faßt  das  Seil  und
handelt  sich  so  lichturmhoch  über  dem  wilden

asser  an  dem  Seil  an's  andere  Gestad'  hinüber
und  kommt  richtig  noch  gerude  an,  wie  sich  die
Naare  aufftellen  zum  ersten  Ländler.“

„In  der  Tat  ein  kühnes  Bravourslücchen,  worin
  der  Bursche  wohl  nicht  so  leichl  einen  Nach-Steigerung

  der  Preise  von

 

an  welchem

 

Eindeckung  murde  Tunlichleit  den  Verbrau
chern  erleichtert.

Die  Fleischversorgung  war  im  Sommer  gut.
Ab  1.  September  trat  allerdings  ein  Umschwung
ein  mit  der  Viehpreissenlung.  Banern  ist  zurzeit
für  die  Heeresversorgung  mit  80  000  Stück  im
Rückstand.  Nicht  nur  Zurückhaltung  der  Jüchter,
  sondern  auch  !m7  Rückgang  im  Vieh.
stapel  an  Schlachkvieh  ist  der  Grund  des  Mangels.
  Doch  ist  die  Vichzzählung  nicht  ungünstig
ausgesallen:  es  muß  eben  noch  etwas  zugewar
tet  werden,  bis  das  Vic#h  schlachtreif  geworden  isl.
Die  Schweine  haben  seit  1.  Juni  um  22  Prosem
zugenommen.

Pie  die  Müch  und  Fettversorgung  ist  günstig,
  daß  die  Befurchlungen  wegen  des  flarlen
Eingriffs  in  die  Milchviehbestände  sich  nicht  erfüllten.
  Leider  aber  sehlt  es  an  Kraftiutter;
auch  da  und  dort  an  der  Pflege  infolge  des
Leutemangeis.  Auch  die  Preisgenaltung  iit
schwierig.  Die  Hauptsache  ist  eine  richtige  Er.
fassung  der  Erzeugung,  dann  aber  auch  eine
richtige  Preisgestallung,  und  zwar  auch  in  den
Relationen  zwischen  Futtermitlelpreisen  u.  Vieh
preisen  zu  den  Preisen  der  Milchprodulkte.  Die
Fettversorgung  leidet  unter  der  mangehaften
Ablieferung  an  Landbutter  am  meisten.  Trotzdem
  beueht  die  Hoffnung,  daß  die  Kopfmenge
an  Feit  nicht  herabgesetzt  werden  muß,  auch  im
Winler  nichl.  Der  private  Auflauf  von  But
ter  zu  übertriebenen  Söchstpreisen  bringt  merk.
baren  Schaden  für  die  Allgemeinkeit.

Die  Versorgung  mit  Gemüse  und  Obst  war
erst  dem  freien  Handel  überlassen.  Kaufkräftigere
  Gebietle  zogen  das  meilte  an  sich.  Mit  der
allgemeinen  Bewirtschaftung  int  das  besser  geworden.
  Der  Handel  amubte  dabei  nicht  ganz  ausge.
schaltet  werden.  Für  die  Verwertung  des  Er.
trägnisses  an  Obst  und  Gemüse  in  Vorsorge  getrofsen.


Schwierigseiten  und  Klagen  bewegen  sich  in
der  Tat  zurzeit  auch  weniger  in  der  Richtung
der  Versorgung  und  Verteilung,  als  vielmehr
in  der  Richtung  der  Preisbildung.  Die  Gründe
für  die  Broizxreiserhöhung  liegen  in  der  unverme-öbaren
  W  druschprämic,  dann  auch  darin,
  daß  Getreideprei  ise  einerseits  und  Vieh-  und
Futterpteise  auderseits  in  besseren  Einklang  gebracht
  werden  mußten.  Uebrigeno  iit  Vorsorge
getrofsen,  daß  die  Koslen  der  Brotlarten  und
der  Frühdruschprämie  vom  Reich  getragen  merden,
  nicht  vom  Verbraucher.

Die  Kartosselpreishildung  hat  die  bayerische

Regierung,  da  sie  die  Extraprämien  für  Zu.
fuhr  und  Schnelligkeit  nicht  billigen  konnte,
betäm.  fl.  Die  Reichssteile  konnte  aber  nach  ihrer
  Meinung  nicht  entgegentommen,  da  sonsft
die  Versorgung  im  Winter  gefährdet  werde.  So
mußte  Banern  notgedrungen  mitlun.  In  den
Preisen  für  Milch,  Butter,  Eier  und  Gemuse  ist
Bayern  nicht  schlecht  daran;  die  Landessiellen
halten  den  Preis  fast  durchweg  unter  dem
Reichshöchstpreis.
Am  höchsen  war  die  Preissteigerung  bei
Fleisch;  eine  durchgreifende  Regelung  der
Fleischpreise  iit  nun  im  Gange.  Ob  die  Steige
rung  der  Levensmittelpreise  im  allgemeinen  im.
luer  gerechtsertigt  war,  steht  dahin;  immerhin
befinden  wir  uns  im  4.  Kiegsjahr  und  der  Geldwert
  i#nn  natürlich  gesunken;  das  muß  eben  be.
dacht  werden.

Freilich  versagen  die  Höchstpreise,  wo  die  Nachfrage
  den  Bedalf  gewaltig  überschritten  Bat  und

jede  Höchstpreispolitik  über  den  Haufen  warf,
bendte  wo  die  öffentüche  Bewirtschaftung  einer
Ware  nicht  durchgeführt  werden  konnte;  das
war  besonders  bei  Schuhen  und  Leder  der  Fall,
doch  wird  auch  da  weiter  eingeschritten  werden.
Auch  der  Ankauf  von  Grund  und  Boden  durch
Kri  ——.382“4!1  wird  gesetqziich  belämpft  werden.

Der  Minitter  schloß  seine  mit  Ausmerlsamkei:
verfolgten  Ausführungen:  „Unsere  Lage  ist
schwer,  weil  der  Druck  des  Krieges  noch  immer

auf  ihr  lastet  mit  allen  Leiden  und  Entbehrun.
gen,  die  er  in  sich  schließt.  Sie  ist  aber  leichter
als  im  letzten  Frühjahr,  weil  uns  der  Himmel
mit  einer  befriedigenden,  an  Karkofsem  u.  Obst

nach

ahmer  finden  dürfte!“  bemertte  der  Fremde  und

wendete  sich  dem  alten  Jäger  zu,  der  lopfnickend
die  Erzählung  mit  angehörl.  „Wenn  in  der  Beröllerung
  der  Gegend  so  abenteuerliche  Gestalten
vorkommen,  wird  es  wohl  auch  in  Ihrem  Bereiche
  nicht  an  Slörungen  fehlen  —  Waldfrevler
und  Wildschützen  werden  Ihnen  weidlich  zu  schaffen
  machen.  -

„Da  haben  Sie  Recht,  Herr!“  antwortete  der
Jäger  mit  bitterem  Lachen.  „Wenn  Sie  gern
solche  Geschichten  hören,  könnt’  ich  Ihnen  bio
auf  den  Thomas  stag  fort  erzählen,  ohne  daß
mir  das  Trumm  ausging.  Wilddiebe  hats  alleweil
  gegeben  ich  bin  jetzt  in  die  vierzig  Jahr“
hier  in  dem  Revier  und  hab'  manchen  Siraußz
mit  solchen  DHallunken  gehabt,  aber  wie  es  jetzt
zugell,  das  geln  über  die  Möglichkeit  binaus.

ESeit  die  Jand  frei  isl,  läufit  jeder  Bauernlümmei

hinaus  mit  seinem  Schiet  prügel  und  schießt  das
liebe  Wildpre:  zusammen,  das  wir  so  lang’  gehegt
  und  gerflege  haben  wie  unsere  Kinder.  Und
wenn  sie  nur  noch  was  daron  verstünden!  Wenn
sie  nur  wenigsteno  was  davon  hötien!  Aber  sie
schießen  ja  nur,  damit  es  kracht  ist  #n  .
lanqinchtlekdal-icheinetrachttgeRehgaisges
funden  habe,  die  solch  ein  elender  Kerl  niedergebranni
  hal.  Weiß  Gott  wenn  ich  einen
solchen  Mörder  tät'  erw.  ischen,  ich  lehrt’  ihm  den

 

 

Freltag,  12.  Oktober  7912

sogar  m#l  einer  reichen  Ernte  bescheult  hat.  Es
lommt  nur  auf  uns,  aus  unseren  Willen,  durchzuhalten
  und  zu  siegen  an.“

Die  Besprechung  dieser  Frage  wird  am  Donnerstag
  noch  fortgesetzt  werden.

Seiliiscehr  Aua##imon

Zur  Resorm  der  Reichsratslammer.
Die  am  3.  und  9.  Ollober  zu  einer  Konferenz
in  München  zusammengetretenen  baner.  Handwerlstammern
  haben  folgende  Cutschließun?  an.
genommen:  Die  bayerischen  Handweriskammern
begrüßen  den  Schritt  der  bayerischen  Kammer
der  Reichsräte.  die  der  Zeit  Rechnung  tragend
und  im  Interesse  der  Förderung  des  inneren
Friedens  zu  einer  Resorm  sich  bereit  erklärte,
durch  die  auch  Induttrie,  Landel  und  Handwerk
eine  Vertreitung  in  der  Reichskatslammer  erhalten
  sollen.  Die  bayerischen  Kammern  bilten  die
Kgl.  Staatsregierung,  ihnen  Gelegenheit  zu
geben  zur  Aeußerung  zu  der  in  Aussicht  siehen.
den  Verfassungenovelle  über  die  lünftige  Zusammensetzung
  der  Kammer  der  Reichsräte.

Kerschiedene  RNachrichten.

Breklau.  10.  O  ktober.  Ein  Einwohner  aus
Tarlstuhe  (=  cblesien.  war  vom  mazedonischen
Kriegs  sschauplan  auf  Urlaub  heimgekehrt  und
Latte  eine  Handgranate  milgebracht.  Der  10
Jahre  alte  Sohn  des  Urlaubers  spielte  mit  der
Granate,  als  diese  plötzlich  explodierte.  Dem
Knaben  wurde  der  Leib  aufgerissen.  sowie  der
Brunkasten  und  Kopf  völlig  zertrümmert.

Schanghai,  9.  Oltober.  (Reutermeloung.)

In  Nordchina  ist  eine  außerordemlich  große
Üebersckwemmung  eingetreten.  Ein  (Gebiet  von
über  30  000  Quadratlisomeier  wurde  zu  einemn
ungeLeuren  See.  Die  Aerbindungswege  nach
Peting  sind  so  ungangbar,  daß  e  notwendig
werden  dürfie,  die  Hauptfladt  zu  v#rr-  egen.  Nach
einem  weiteren  Telegramm  besteht  kein  Zweifel,.
daß  die  gemanigen  lleberschremmungen  in
Nordchina  furchlbare  wirtichaith.  und  poli..
sche  Folgen  haben  werden.  Die  Flaisse  wurd
in  Ströme  von  zwei  Meilen  Breite  und  rier:  we-Fuß
  Tiese  verwandelt.  Sie  spülten  die  Eisenbaln
  von  Peling  nach  Hankau  weg  und
überschwemmten  die  europäischen  Niederlassun.
gen  in  Tientsin.  Der  Uferdamm  des  Gelben
Flusses  ist  durchbrochen.  Das  überschwemmte
Gebiet  erstreckt  sich  uber  300  Meilen  von  der
südwestlichen  Grenze  von  Chansung  nach  Tient
sin  und  wird  durch  die  Eisenbahnlinien  Pekina-Kaifang
  und  Tientsm  Tsinanfu  begrenzt.  Ein
dichtbevölter:  1  Gebier  ist  in  einen  See  von  acht
bis  zehn  Fuß  Tiese  verwandei  worden.  Wenn
der  Gelbe  Fluß  in  das  Becken  von  Tientsin

 

 

mundet,  wird  Tientsin  unbewohnbar  werden
und  jeoes  Zahr  einer  Ueberschwemmung  auesgesetzt
  sein.  Unter  diesen  Umständen  wird  die

Verbindung  mit  Peling  so  uniicher  sein,  daß
es  notig  sein  wird,  die  Hauptitadt  zu  verlegen.
Die  Bahnlinie  Peling-Hankan  ist  an  sechohnnderl
  Stellen  beschädigl.

Mllnchener  VNemcs.
München.  11.  Chober.
treienden  Generallommandr  am  15.

 

Das  vom  sellver
September

für  den  Bezirl  der  Stadt  Munchen  erlassene
Heizverbot,  das  die  Verwendung  von  Kohle  u.
Rols  zum  wwecke  der  Naumeimermung  bie

untersagte,  in  mit  heuter  Domers-Ollober,
  ausgeheben.  Das  Generallommando
  fagt  lier  zu:  „Die  Aushebung
ersolgt  nicht  etwa,  weil  die  Zufuhr  besser  ge
worden  wäre,  sondern  nur,  weil  das  Generaltommand?
  nicht  länger  die  Berantwortung  da.
sur  tragen  kann,  gaß  die  Bevölkerung  bei  dieser
  naßkalten  Witterunlg  noch  weiier  frieren
munß.  Die  Zufuhr  i#7  zurzeit  geradem  besorg.
niserregend  gering  und  das  Generallommando
lann  nichi  umliin,  an  die  zunändigen  NReich#sel.
len  den  Aupeil  zu  richten,  sie  mochten  die  in

auf  weiteres
tag,  den  11.

Hirschsanger  breimal  im  Leibe  um,  und  wenn
man  mie  Lem  daruber  herumer  hauen  tät'
Aber  his  mehr  hören  von  denen
Sachen  ich  weige  erzählen  ich  hab’  mich
schen  en  slies#rn;  ich  in'  nimmer  mit.  In  jechs
Fbeden  i.#uhrich  den  Siebenziger  auf  dem  Bucdel,
da  mach'  #ch  meine  Eingab'’  an  die  Regierung
und  gen'  in  die  Ruh'  einen  Deukietiel,  daß
ich  einmal  ein  Zager  gewesen  bin,  nehm’ich  ja
doch  auth  mit  sort.“
„Einen  Dentzettel?  Wie  so  das?“

„Wie  so  Der  Denkzettel  ist  die  Kugel  von
einem  Wildschützen,  die  mich  da  am  linken  Arme
getreffen  hat.  das  man  ihn  bei  einem  Haar  hätt’

wegschneiden  müssen  es  ill  aber  doch  besser'
gangen,  die  Kuget  hab’  ich  da  an  men  Uhrg:-EEIIEII
  die  Narben  im  Arme
ersparen  mir  den  Buromeler.  Cs  war  eine  merimürdige
  (Heschicht"“  fuhr  er  auflachend  sori,
„auf  Michneli  wird  sich'“  gerad“  jälren,  und
meil  Sie  so  W6  giern  hören,  will  ich's  Ihnen  er—
hahten  ich  Dhab’  just  noch  cin  Viertelstündchen
Seil.“  .

eilee.“  rief  der  Grenziöger,  „die  Komödie
sängt  voer  einer  Stunde  noch  ni  ichi  an.“

(Fortsehung  folgt)  [